Vor Kongresswahlen: US-Notenbank Fed lässt Leitzins unverändert
Wenige Tage vor den US-Kongresswahlen hat die Zentralbank Federal Reserve (Fed) den Leitzins unverändert gelassen. Der Zinssatz liegt somit weiterhin zwischen 3,75 und 4,0 Prozent. Zwei der zwölf zuständigen Fed-Mitglieder stimmten wegen der massiv gestiegenen Verbraucherpreise aber am Mittwoch für eine Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt. Fed-Chef Kevin Warsh kündigte zudem an, dass die Zahl der Leitzinsentscheidungen ab dem kommenden Jahr schrittweise sinken soll.
Die Zinspause war allgemein erwartet worden. Bei ihrer letzten Sitzung im September hatte die Fed den Satz erstmals seit drei Jahren erhöht.
"Die Inflation ist zu hoch", sagte Warsh auch dieses Mal zur Begründung. Die Verbraucherpreise sind durch den von Trump mit ausgelösten Iran-Krieg deutlich gestiegen, im September lag die Inflationsrate bei 3,7 Prozent.
Die Fed brauche allerdings weitere Informationen, um die Teuerung wieder auf die Zielmarke von zwei Prozent zurückzuführen, sagte Warsh. Die nächste Fed-Sitzung findet im Dezember statt. Keine Rolle bei der Leitzinsentscheidung hätten hingegen die Kongresswahlen am kommenden Dienstag gespielt, betonte der Zentralbankchef.
Warsh kündigte an, im kommenden Jahr werde es nur noch sieben Fed-Abstimmungen über den Zinssatz geben statt bisher acht. Im Jahr 2028 solle die Zahl dann weiter auf sechs sinken. In den freiwerdenden Sitzungen wolle sich die Fed "ausschließlich auf die übergeordnete geldpolitische Strategie konzentrieren", sagte er.
US-Präsident Donald Trump hatte Warsh im Mai an der Fed-Spitze installiert, damit dieser die Notenbank auf Linie bringt und für Zinsschnitte sorgt. Trump verspricht sich davon günstigere Kredite, etwa für Immobilien.
Auch unter Warshs Leitung beugten sich die Fed-Mitglieder dem Willen des Präsidenten allerdings nicht. Dem zuständigen Offenmarktausschuss (FOMC) gehören neben dem Fed-Chef noch elf weitere Mitglieder an. Für eine Leitzinserhöhung sprachen sich diesmal die Vorständin Lisa Cook aus - sowie die Fed-Chefin von Cleveland, Beth Hammack.
Trump hatte im vergangenen Jahr versucht, die von seinem Vorgänger Joe Biden ernannte Cook zu feuern, er war aber vom Obersten Gerichtshof gestoppt worden. Um ihre Entlassung voranzutreiben, berief er ein Komitee ein, das Cook am 5. November im Weißen Haus befragen soll. Dabei geht es um angebliche Falschangaben der Ökonomin bei Immobilienkrediten, die Cook bestreitet. Sie ist die erste Afroamerikanerin im Fed-Vorstand. Ihre Anwälte teilten mit, sie habe am 5. November keine Zeit.
A.Tucciarone--PV