Pallade Veneta - Staatsoper Hannover entlässt Ballettchef nach Kot-Attacke

Staatsoper Hannover entlässt Ballettchef nach Kot-Attacke


Staatsoper Hannover entlässt Ballettchef nach Kot-Attacke
Staatsoper Hannover entlässt Ballettchef nach Kot-Attacke / Foto: WILLIAM WEST - AFP/Archiv

Nach der Attacke mit Hundekot auf eine bekannte Zeitungskritikerin hat die Staatsoper Hannover den bereits suspendierten Ballettdirektor Marco Goecke entlassen. Beide Seiten hätten sich "im gegenseitigen Einverständnis" voneinander getrennt, teilte das Staatstheater Hannover am Donnerstag mit. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Goecke sei nach dem Angriff nicht mehr vorstellbar, erklärte Intendantin Laura Berman.

Textgröße ändern:

Der Vorfall habe das Publikum verunsichert, die Öffentlichkeit irritiert und gegen alle Grundsätze des Hauses verstoßen. Dies habe Goecke der Leitung des Niedersächsischen Staatstheaters gegenüber auch eingestanden. Sein Vertrag sei mit sofortiger Wirkung aufgelöst worden.

Als Choereograf werde er am Staatstheater weiterhin künstlerisch geschätzt, hieß es zugleich: "Seine Werke stehen in keinem Zusammenhang mit den Geschehnissen und bleiben im Repertoire des Staatsballetts", erklärte Berman.

"Wir glauben nicht, dass das Werk eines Künstlers aufgrund einer einzelnen unüberlegten Tat – so widerlich sie auch sein mag – komplett verdammt werden sollte", erklärte sie weiter. Der bisherige stellvertretende Ballettdirektor Christian Blossfeld soll die Leitung der Compagnie zunächst übernehmen, bis über eine längerfristige Nachfolge entschieden ist.

Goecke war am Montag von der Staatsoper der niedersächsischen Hauptstadt mit sofortiger Wirkung suspendiert und mit einem Hausverbot belegt worden, nachdem er am Samstagabend bei einer Ballettpremiere die Journalistin der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) im Foyer konfrontiert und ihr bei einer Auseinandersetzung Hundekot ins Gesicht geschmiert hatte. Sie erstattete Anzeige, die Polizei ermittelt daher unter anderem wegen Körperverletzung.

Parallel zur Suspendierung forderte die Staatsoper von Goecke am Montag eine Entschuldigung und stellte zudem "weitere Schritte" in Aussicht. Der Chefchoreograf und Ballettdirektor habe durch seine "impulsive Reaktion" gegenüber der Journalistin "gegen alle Verhaltensgrundsätze der Staatsoper Hannover verstoßen" und die Betroffene "persönlich zutiefst beleidigt", hieß es in einer Mitteilung.

Hintergrund für Goeckes Übergriff war eine erst wenige Tage zuvor erschienene Kritik der Journalistin über eine seiner Choreografien, die derzeit vom renommierten Nederlandse Dans Theater aufgeführt wird. In dem Artikel, der auch im Internet nachzulesen ist, nannte die Kritikerin die Inszenierung eine "Blamage und eine Frechheit" und schrieb, die Zuschauer würden dabei "abwechselnd irre und von Langeweile umgebracht".

Die Betroffene arbeitet für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die den Vorfall mit dem Hundekot am Wochenende als erstes Medium öffentlich machte. Das Blatt schrieb von einem "demütigenden Akt" sowie einer "Grenzüberschreitung", die das "gestörte Verhältnis eines Kunstschaffenden zur Kritik" offenbare. Demnach soll sich Goecke durch die Rezension der Frau provoziert gefühlt und die Frau außerdem für Kündigungen von Abonnements an der Staatsoper in Hannover verantwortlich gemacht haben.

Goecke ist ein preisgekrönter Choreograf, der an vielen Ballettbühnen im In- und Ausland arbeitet. Seit 2019 ist der 50-Jährige Ballettdirektor des Staatsballetts Hannover, das zur dortigen Staatsoper gehört. Im Lauf seiner Karriere entwickelte er nach Angaben des Theaters bereits mehr als 60 Choreografien, die zum Repertoire von Ensembles von Paris über Berlin bis Zürich gehören. Im vergangenen Jahr erhielt er den Deutschen Tanzpreis.

P.Colombo--PV

Empfohlen

Palast: Charles III. wird sich auf Karibikreise "dunkelsten Tagen" der Kolonialherrschaft stellen

Der britische König Charles III. will sich bei seiner bevorstehenden Reise in die Karibik nach Angaben eines Sprechers den "dunkelsten Tagen" der Kolonialherrschaft stellen. Der Buckingham-Palast erklärte am Freitag, Charles habe sich dafür eingesetzt, die "Fehler der Vergangenheit" und "bestehende Ungleichheiten" anzuerkennen und werde sein Engagement für diesen Prozess auf der Reise bekräftigen.

Festakt mit Steinmeier und Merz zum Tag der Deutschen Einheit in Bremen

Mit einem Festakt wird am Samstag (12.00 Uhr) in Bremen der Tag der Deutschen Einheit begangen. Zuvor findet ein ökumenischer Gottesdienst statt. Als Gäste werden unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und Kanzler Friedrich Merz (beide CDU) erwartet. Die Festrede wird Steinmeier halten.

Feierlichkeiten zu Tag der Deutschen Einheit beginnen in Bremen

In Bremen beginnen am Freitag (16.00 Uhr) die dreitägigen Feierlichkeiten zum diesjährigen Tag der Deutschen Einheit. Bis zum Sonntag gibt es in der Bremer Innenstadt und an der Weser ein Bürgerfest mit Musik, Theater und Diskussionsrunden auf mehr als hundert Bühnen. Ein musikalischer Höhepunkt ist der Auftritt der Fantastischen Vier am Samstagabend. Auf einer Ländermeile präsentieren sich die 15 anderen Bundesländer.

Ärger um Pferdeschwanz: Fußball-Star Erling Haaland geht juristisch gegen Airline vor

Fußball-Star Erling Haaland geht juristisch gegen eine norwegische Fluggesellschaft vor, weil sie mit dem für ihn zwischenzeitlich typischen Pferdeschwanz Werbung gemacht hat. Die Beschwerde gegen die Fluggesellschaft Norwegian Air Shuttle betreffe die "widerrechtliche Nutzung von Haalands Erkennungszeichen bei ihrer Werbung für Flugtickets während der Fußball-Weltmeisterschaft" im Sommer, teilte Haalands Anwalt Thomas Hagen am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP mit. Worum genau es bei der Anzeige geht, erklärte er nicht.

Textgröße ändern: