Pallade Veneta - Medizin-Nobelpreis für Entdeckung von "Wächtern" des Immunsystems

Medizin-Nobelpreis für Entdeckung von "Wächtern" des Immunsystems


Medizin-Nobelpreis für Entdeckung von "Wächtern" des Immunsystems
Medizin-Nobelpreis für Entdeckung von "Wächtern" des Immunsystems / Foto: Jonathan Nackstrand - AFP

Für ihre Forschungen zur körpereigenen Kontrolle des Immunsystems werden die Wissenschaftler Mary E. Brunkow und Fred Ramsdell aus den USA sowie Shimon Sakaguchi aus Japan in diesem Jahr mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Mit ihrer Arbeit hätten sie nachgewiesen, wie der Körper das Immunsystem mit Hilfe von "Wächtern" - den sogenannten regulatorischen T-Zellen - in Schach halte, teilte das Nobel-Komitee am Montag in Stockholm mit.

Textgröße ändern:

Bei dem diesjährigen Medizin-Nobelpreis gehe es "um die Art und Weise, wie wir unser Immunsystem kontrollieren, um gegen alle erdenklichen Mikroben zu kämpfen und dabei Autoimmunkrankheiten zu verhindern", erklärte Marie Wahren-Herlenius, Professorin am Karolina-Institut.

Die drei Wissenschaftler würden "für ihre Entdeckungen zur peripheren Immuntoleranz geehrt", erklärte das Nobel-Komitee. "Das starke Immunsystem des Organismus muss reguliert werden, sonst droht es unsere eigenen Organe anzugreifen." Die diesjährigen Nobelpreisträger hätten die "Wächter des Immunsystems identifiziert, die regulatorischen T-Zellen, die verhindern, dass die Immunzellen unseren eigenen Körper angreifen".

Brunkow, Ramsdell und Sakaguchi hätten mit ihren Entdeckungen "die Grundlage für ein neues Forschungsgebiet gelegt und die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden vorangetrieben, zum Beispiel für Krebs und Autoimmunkrankheiten", betonte das Nobel-Komitee. Die Hoffnung bestehe darin, Autoimmunerkrankungen behandeln oder heilen zu können, wirksamere Krebsbehandlungen anbieten zu können und schwerwiegende Komplikationen nach Stammzelltransplantationen verhindern zu können, erklärten die Juroren.

Die 1961 geborene Brunkow arbeitet an dem unabhängigen Institut für Systembiologie in Seattle an der US-Westküste. Der 64-jährige Ramsdell forscht für die Biotechnologiegesellschaft Sonoma Biotherapeutics in San Francisco. Der 74-jährige Immunologe Sakaguchi arbeitet als Professor an der Universität von Osaka.

Das Nobel-Komitee konnte die beiden in den USA lebenden Forschenden zunächst nicht erreichen. "Wenn Sie dies hören, rufen Sie mich an", scherzte der Generalsekretär des Nobel-Komitees, Thomas Perlmann, bei der Pressekonferenz zur Bekanntgabe der Preisträger.

Sakaguchi sagte vor Journalisten in Japan, er hoffe, dass die Auszeichnung "als Chance für die weitere Entwicklung dieses Fachgebietes dient ... in einer Richtung, in der es in der tatsächlichen Krankenpflege und im klinischen Bereich angewendet werden kann".

Die erste entscheidende Entdeckung machte Sakaguchi im Jahr 1995. Damals waren viele Wissenschaftler überzeugt, dass eine Immuntoleranz nur entstehen konnte, weil potenziell schädliche Immunzellen im Thymus - einem drüsenartigen Gebilde - eliminiert wurden durch einen Prozess namens "zentrale Toleranz".

Sakaguchi konnte zeigen, dass das Immunsystem komplexer ist, und entdeckte eine bis dahin unbekannte Klasse von Immunzellen, welche den Körper vor Autoimmunerkrankungen schützen.

Brunkow und Ramsdell machten im Jahr 2001 eine weitere wichtige Entdeckung: Sie konnten erklären, warum bestimmte Mäuse besonders anfällig für Autoimmunerkrankungen waren. "Sie hatten entdeckt, dass Mäuse eine Genmutation haben, die sie Foxp3 nannten", erläuterte das Nobel-Komitee. "Sie zeigten außerdem, dass Mutationen bei dem menschlichen Equivalent dieses Gens eine schwere Autoimmunerkrankung auslösen, IPEX."

Zwei Jahre später gelang es Sakaguchi, diese Entdeckungen miteinander zu verknüpfen. Er wies nach, dass das Gen Foxp3 die Entwicklung der Zellen steuert, die er 1995 identifiziert hatte. Diese Zellen, "heute unter dem Namen regulatorische T-Zellen bekannt, überwachen die anderen Immunzellen und sorgen dafür, dass unser Immunsystem unser eigenes Gewebe toleriert", erklärten die Nobel-Juroren.

Brunkow, Ramsdell und Sakaguchi werden bei einer offiziellen Zeremonie am 10. Dezember in Stockholm von Schwedens König Carl XVI Gustaf mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Sie erhalten eine Urkunde, eine goldene Medaille und einen Scheck über elf Millionen Kronen (rund 998.000 Euro), die sie sich teilen müssen.

Der 10. Dezember ist der Todestag des Stifters Alfred Nobel. Der Erfinder des Dynamits hatte von 1833 bis 1896 gelebt.

O.Merendino--PV

Empfohlen

Sony stellt Verkauf von Roboterhündchen Aibo in Japan ein

Sony stellt den Verkauf seines beliebtes Roboterhündchen Aibo in Japan ein. Die Lagerbestände des aktuellen Modells ERS-1000 würden jedoch noch abverkauft, erklärte der Elektronikkonzern. Dienstleistungen wie technische Unterstützung, Ersatzteile und Abonnements für Onlineclouddienste zur Speicherung von Daten des Roboterhundes würden weiterhin angeboten.

Stuttgarter Feuerwehr rettet vier junge Turmfalken aus heißer Blechverkleidung

Aus einer aufgeheizten Blechverkleidung hat die Feuerwehr in Stuttgart vier junge Turmfalken gerettet. Wie die Einsatzkräfte am Donnerstagabend in der baden-württembergischen Landeshauptstadt mitteilten, wurden sie am Nachmittag vom Umweltamt angefordert. Die Jungvögel steckten demnach in einem Wohn- und Geschäftshaus hinter einer gut 65 Grad Celsius heißen Blechverkleidung eines Kamins fest.

Polizisten retten in Thüringen Schwanenfamilie von Straße

Polizisten haben im thüringischen Gera eine Schwanenfamilie von einer Straße gerettet. Die zwei Elterntiere und sieben Jungschwäne brachen am Donnerstagmorgen zu einem Spaziergang zwischen Thieschitz und Bad Köstritz auf, wie die Beamten in Gera mitteilten. Dadurch blockierten sie im Berufsverkehr die Straße.

WHO kündigt Tests von zwei Behandlungen gegen Ebola für kommende Woche an

In der von dem jüngsten Ebola-Ausbruch schwer betroffenen Demokratischen Republik Kongo sollen voraussichtlich ab der kommenden Woche zwei Therapien zur Behandlung der tödlichen Krankheit klinisch getestet werden. Die Vorbereitungen dafür seien inzwischen abgeschlossen, sagte der Chef der Weltgesundheitsorganisation WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, am Mittwoch vor Journalisten in Genf.

Textgröße ändern: