Pallade Veneta - Rechtsanwalt von mutmaßlichem Zugangreifer kritisiert Justizbehörden

Rechtsanwalt von mutmaßlichem Zugangreifer kritisiert Justizbehörden


Rechtsanwalt von mutmaßlichem Zugangreifer kritisiert Justizbehörden
Rechtsanwalt von mutmaßlichem Zugangreifer kritisiert Justizbehörden / Foto: Gregor Fischer - AFP/Archiv

Nach dem tödlichen Messerangriff in einem Regionalzug in Schleswig-Holstein hat der Verteidiger des mutmaßlichen Täters die Justizbehörden für dessen kurz zuvor erfolgte Haftentlassung kritisiert. Es wäre "besser gewesen, man hätte ihn auf die Entlassung vorbereiten können", sagte Rechtsanwalt Björn Seelbach dem Magazin "Der Spiegel". Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisierte gegenüber dem Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Freitag derweil Sicherheitslücken an Bahnhöfen und verwies dabei auf fehlendes Personal bei der Bundespolizei.

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Seelbach zeigte sich im "Spiegel" von der Entscheidung der Justiz überrascht, seinen Mandaten wenige Tage vor der Tat aus einer Untersuchungshaft wegen eines früheren Körperverletzungsdelikts zu entlassen. Da der 33-Jährige staatenlose Palästinenser vor seiner Inhaftierung in Hamburg obdachlos gewesen sei, "stand er jetzt auf der Straße", sagte er. Sein Mandant habe keine Angehörigen in Deutschland.

Der 33-Jährige hatte am Mittwoch in einem Regionalzug auf der Fahrt von Kiel nach Hamburg auf Passagiere eingestochen haben. Eine 17-Jährige und ein 19-Jähriger starben, zwei Menschen wurden lebensgefährlich und drei weitere schwer verletzt. Der mutmaßliche Täter wurde inzwischen in Untersuchungshaft genommen. Ihm werden laut Staatsanwaltschaft zweifacher heimtückischer Mord und mehrfacher versuchter Totschlag zur Last gelegt.

Die Motive des Verdächtigen waren nach Angaben der Ermittlungsbehörden weiterhin offen, Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund gab es demnach aber nicht. Seelbach kündigte im "Spiegel" an, dass sein Mandant vorerst nicht aussagen werde. Er mache von seinem Schweigerecht Gebrauch.

Der Mann hielt sich nach Behördenangaben seit 2014 legal in Deutschland auf fiel bereits wiederholt durch Gewalt- und andere Straftaten auf. Zuletzt saß er in Hamburg für etwa ein Jahr in Untersuchungshaft, aus der in der vergangenen Woche entlassen wurde. Hintergrund war demnach eine noch nicht rechtskräftige Verurteilung durch ein Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung. Seinem Anwalt zufolge kam der Mann aus dem Gazastreifen.

Einige Stunden vor der Tat am Mittwochnachmittag erschien der mutmaßliche Täter laut Behörden an einem Informationsschalter der Stadtverwaltung in Kiel. Er war 2021 für mehrere Monate in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt gemeldet, die dortige Ausländerbehörde ist demnach seitdem für ihn zuständig. Er hatte keinen Termin, Auffälligkeiten soll es nicht gegeben haben. Den letzten Kontakt zuvor hatte es demnach im Januar 2022 gegeben.

Die GdP verwies in der Debatte um Schlussfolgerungen aus dem Verbrechen auf fehlende Sicherheitskräfte und fehlende Technik. "Die Bundespolizei ist an den Bahnhöfen zu schwach aufgestellt. Es fehlt an 3000 Stellen", sagte Vizechef Andreas Roßkopf dem RND. Auch bei der Deutschen Bahn selbst fehlten Sicherheitskräfte. Auch dort müsse "aufgestockt" werden.

Roßkopf forderte zudem eine bessere Überwachung von Bahnhöfen durch Kameras und angemessene Beleuchtung, um Gefahrenpunkte rechtzeitig erkennen zu können. "Dann kann man schon im Vorfeld Kräfte hinschicken." Bahnhöfe dürften nicht "zu Angsträumen" werden, sagte der Gewerkschaftsvertreter.

A.Fallone--PV

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