Pallade Veneta - Merz dringt bei Antrittsbesuch von syrischem Präsidenten auf Flüchtlingsrückkehr

Merz dringt bei Antrittsbesuch von syrischem Präsidenten auf Flüchtlingsrückkehr


Merz dringt bei Antrittsbesuch von syrischem Präsidenten auf Flüchtlingsrückkehr
Merz dringt bei Antrittsbesuch von syrischem Präsidenten auf Flüchtlingsrückkehr / Foto: John MACDOUGALL - AFP

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat beim Antrittsbesuch des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa in Berlin auf eine beschleunigte Rückkehr syrischer Flüchtlinge gedrungen. In den nächsten drei Jahren sollten "rund 80 Prozent" der derzeit in Deutschland lebenden Syrer in ihr Heimatland zurückkehren, sagte Merz am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit al-Scharaa im Kanzleramt. "Wir arbeiten gemeinsam daran, dass Syrerinnen und Syrer aus Deutschland in ihre Heimat zurückkehren können."

Textgröße ändern:

Die Rahmenbedingungen in Syrien hätten sich mehr als ein Jahr nach dem Sturz des Machthabers Baschar al-Assad und dem Ende des Bürgerkriegs "grundlegend verbessert", sagte Merz. "Schutzbedarfe müssen deshalb neu bewertet werden." Vorrangig sei zunächst eine Rückführung von straffällig gewordenen Syrern ohne gültigen Aufenthaltstitel.

Der Kanzler sagte, die Mehrheit der nach Deutschland geflüchteten Syrier wolle in die Heimat zurückkehren: "Sie wollen die Heimat wieder aufbauen." Deutschland werde Syrien beim wirtschaftlichen Wiederaufbau unterstützen.

Al-Scharaa sprach sich grundsätzlich ebenfalls für eine Rückkehr der Geflüchteten aus. "Der Krieg ist natürlich vorbei, aber die Schlacht des Wiederaufbaus hat jetzt erst begonnen", sagte der frühere Dschihadistenführer. Es solle eine Art "Kreislauf" aufgebaut werden, damit Syrer aus Deutschland in ihre Heimat zurückkehren und das Land aufbauen könnten. Der Übergangspräsident sagte aber auch, Syrer, die in Deutschland bleiben wollten, sollten weiter hier arbeiten können.

Während des syrischen Bürgerkriegs (2011 bis 2024) hatten rund eine Million Menschen aus Syrien in Deutschland Zuflucht gesucht, die meisten von ihnen trafen 2015 und 2016 ein. Die Rückführung der syrischen Geflüchteten in ihr zerstörtes und vielerorts weiterhin unsicheres Heimatland ist umstritten.

Merz stellte Syrien am Montag deutsche Hilfe für einen wirtschaftlichen Wiederaufbau in Sicht, der die Voraussetzungen für eine Rückkehr der Flüchtlinge schaffen soll. Zu diesem Zweck sei die Einrichtung einer "gemeinsamen Taskforce" beschlossen worden, in wenigen Tagen solle es eine Delegationsreise mit deutschen Ministeriumsvertretern nach Syrien geben.

Merz appellierte auch an al-Scharaa, den Schutz von Minderheiten in Syrien zu gewährleisten. "Schaffen Sie im neuen Syrien Raum für alle Syrerinnen und Syrer, ungeachtet ihrer Religion, ihrer ethnischen Zugehörigkeit und ihres Geschlechts. Gewalt gegen Minderheiten und Andersdenkende muss der Vergangenheit angehören." Merz betonte, gemeinsame künftige Projekte würden auch von der Rechtsstaatlichkeit in Syrien abhängen.

Der von al-Scharaa angeführten Regierung in Damaskus wird vorgeworfen, Minderheiten im Land nicht vor Gewalt zu schützen oder sogar zu Gräueltaten an Minderheiten anzustiften und sich daran zu beteiligen. Betroffen sind unter anderem Alawiten und Drusen. Die syrische Führung hat außerdem der faktischen Autonomie der Kurden im Norden des Landes ein Ende gesetzt.

Al-Scharaa sicherte zu, sich für den Schutz von Minderheiten einzusetzen. Die Rechte aller sollten gewahrt werden, sagte er. "Wir wollen wieder zu einer guten Form des Zusammenlebens kommen."

Von al-Scharaa angeführte islamistische Milizen hatten Ende 2024 al-Assad gestürzt und die Macht in Syrien übernommen. Der 43-jährige Übergangspräsident befehligte früher die einst mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündete Al-Nusra-Front sowie deren Nachfolgemiliz Hajat Tahrir al-Scham.

Al-Scharaa holte am Montag begleitet von Protesten seinen eigentlich bereits für Januar geplanten Antrittsbesuch in Berlin nach. Er wurde zunächst von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfangen und nahm dann an einem deutsch-syrischen Wirtschaftsforum teil, bei dem die Bundesregierung und deutsche Unternehmen Syrien Unterstützung für den Wiederaufbau in Aussicht stellten.

Auf dem Programm stand auch ein Treffen mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) zum Thema Rückführungen. Die Grünen und die Flüchtlingshilfeorganisation Pro Asyl kritisierten das Drängen der Bundesregierung auf eine Rückkehr der syrischen Flüchtlinge.

Grünen-Chefin Franziska Brantner erklärte, "überdurchschnittlich viele" Syrier würden in Deutschland in "systemrelevanten Berufen arbeiten". Pro-Asyl-Geschäftsführer Karl Kopp warnte angesichts der nach wie vor schwierigen Lage in Syrien vor einer "zynischen und völlig realitätsfernen Rückführungsdebatte".

R.Lagomarsino--PV

Empfohlen

Bundesgerichtshof entscheidet in Familienstreit wegen Überwachung von Küche

In einem kurios klingenden Familienstreit um die Videoüberwachung einer Wohnküche entscheidet am Donnerstag (09.45 Uhr) der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe. In dem Fall aus Niedersachsen klagte eine ältere Frau gegen ihre Tochter und deren Mann, weil diese Aufnahmen von ihr in der Küche des gemeinsam bewohnten Hauses an die Polizei weiterleiteten. Unklar blieb vor Gericht bislang, warum genau sie das taten. (Az. I ZR 289/25)

Bundesgerichtshof urteilt in Baumarkt-Streit um Farbe "Obi-Orange"

Im Streit dreier Baumarktketten um die Farbe Orange steht ein Urteil an: Am Donnerstag (09.45 Uhr) entscheidet der Bundesgerichtshof in Karlsruhe darüber, ob Obi das Monopol für einen bestimmten Farbton beanspruchen kann. Die Kette hatte ihn 2010 als Marke für Einzelhandelsdienstleistungen im Bereich von Bau- und Heimwerkerartikeln angemeldet. (Az. I ZB 58/25)

Privatgespräche an Chefin weitergeleitet: BGH entscheidet Streit früherer Freundinnen

In einem Streit aus Hessen unter früheren Freundinnen entscheidet nun der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe. Am Donnerstag (09.45 Uhr) geht es um die Frage, ob das Weiterleiten von privaten Nachrichten an die Chefin gegen den Datenschutz verstößt. Eine der Frauen arbeitete in einer Arztpraxis und tauschte sich regelmäßig per Chat mit ihrer Freundin über die Verhältnisse dort aus. (Az. I ZR 256/25)

"Rote Linie" Mekka: Saudi-Arabien wirft Huthis Angriff auf heilige Stadt vor

Saudi-Arabien hat der jemenitischen Huthi-Miliz einen Drohnenangriff auf die für Muslime heilige Stadt Mekka vorgeworfen und vor einer "roten Linie" gewarnt. Die von Riad angeführte Militärkoalition gegen die pro-iranischen Huthis erklärte am Mittwoch, die saudiarabische Luftabwehr habe die "feindliche" Drohne abgewehrt. Der Vorfall sorgte in der muslimischen Welt für Empörung und könnte den Konflikt in der Region weiter verschärfen. Die Huthis wiesen die Vorwürfe aber als "Lüge" zurück.

Textgröße ändern: