Pallade Veneta - Sarkozy-Prozess: Staatsanwaltschaft fordert Verurteilung wegen Korruption

Sarkozy-Prozess: Staatsanwaltschaft fordert Verurteilung wegen Korruption


Sarkozy-Prozess: Staatsanwaltschaft fordert Verurteilung wegen Korruption
Sarkozy-Prozess: Staatsanwaltschaft fordert Verurteilung wegen Korruption / Foto: Thomas SAMSON - AFP/Archiv

Im Berufungsverfahren gegen Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy wegen mutmaßlich illegaler Wahlkampfgelder aus Libyen hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag dessen Verurteilung wegen Korruption und illegaler Wahlkampffinanzierung gefordert. "Es gab sehr wohl eine Vereinbarung zwischen Nicolas Sarkozy und (dem damaligen libyschen Machthaber) Muammar al-Gaddafi", betonte Staatsanwalt Damien Brunet am zweiten Tag des Plädoyers. Die Forderung des Strafmaßes wird erst später erwartet.

Textgröße ändern:

Sarkozy und sein Mitarbeiter Claude Guéant hätten sich demnach "als Gegenzug für libysche Gelder" um die Aufhebung des Haftbefehls gegen Abdallah Senoussi bemühen sollen, erklärte die Staatsanwaltschaft. Gaddafis Schwager, damals Nummer zwei der libyschen Führung, war in Frankreich wegen eines Anschlags auf ein Flugzeug mit 170 Toten in Abwesenheit zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden.

"Sarkozy hat seine Wahlkampfkonten genutzt, um seine korrupten Machenschaften mit dem libyschen Regime zu verschleiern", sagte Brunet. Damit verlangt die Staatsanwaltschaft wie in der ersten Instanz Schuldsprüche in allen Anklagepunkten. Bereits am Vortag hatte sie einen Schuldspruch wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung gefordert.

Die Richter der ersten Instanz hatten Sarkozy 2025 der Korruption freigesprochen, ihn aber wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung zu fünf Jahren Haft mit sofortiger Vollstreckung verurteilt. Sarkozy wurde damit der erste ehemalige Staatschef eines EU-Mitgliedslandes, der ins Gefängnis kam. Nach drei Wochen wurde er vorzeitig entlassen.

Der 71 Jahre alte konservative Ex-Präsident weist weiterhin alle Vorwürfe zurück. Im Berufungsverfahren hatten sich allerdings erstmals Widersprüche zwischen Sarkozy und seinem früheren Vertrauten Guéant gezeigt. Der frühere Generalsekretär des Präsidialamtes, der aus Gesundheitsgründen nicht vor Gericht erschien, hatte in schriftlicher Form erklärt, dass Sarkozy ihn sehr wohl beauftragt habe, sich um den Fall von Senoussi zu kümmern.

Während des Prozesses waren auch Angehörige der Opfer des Anschlags zu Wort gekommen. Sie zeigten sich von Sarkozys Erklärungen nicht überzeugt. Die Vorstellung, dass französische Politiker mit dem "Mörder ihrer Eltern" verhandelten, sei für sie "unerträglich", sagte der Anwalt Dan Hazan.

Ein neues Element im Berufungsprozess war zudem die Forderung Libyens nach einer Entschädigungszahlung in Höhe von zehn Millionen Euro. Diese Summe sei 2006 aus der libyschen Staatskasse auf das Konto eines französisch-libanesischen Mittelsmannes geflossen, erklärte die Anwältin Carole Sportes.

Sarkozy hatte seinerseits erklärt, dass sich die libysche Führung an ihm habe rächen wollen, weil er als einer der ersten internationalen Staatschefs die libyschen Aufständischen unterstützt habe. Sarkozy versicherte mehrfach, dass die Anklage keine Beweise vorgelegt habe.

Sarkozy war zuvor bereits in zwei anderen Affären rechtskräftig verurteilt worden, einmal wegen versuchter Richterbestechung und einmal wegen überzogener Wahlkampfkosten. Im ersten Fall trug er mehrere Monate eine elektronische Fußfessel. Im zweiten Fall setzte er kürzlich eine Straferleichterung durch, sodass ihm das erneute Tragen einer Fußfessel erspart bleibt.

R.Zaccone--PV

Empfohlen

Holocaustüberlebender Albrecht Weinberg im Alter von 101 Jahren gestorben

Der Holocaustüberlebende Albrecht Weinberg ist tot. Er sei am Dienstagvormittag im Alter von 101 Jahren "friedlich" gestorben, sagte seine Mitbewohnerin Gerda Dänekas der Nachrichtenagentur AFP in Leer. Weinberg hatte während der Nazizeit als Jugendlicher mehrere Konzentrations- und Vernichtungslager sowie Todesmärsche überlebt. Seine Eltern und zahlreiche weitere Verwandte wurden damals von den Nationalsozialisten ermordet.

Kulturstaatsminister Weimer will Tiktok "in europäische Hände legen"

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) hat gefordert, "das Europageschäft von Tiktok in europäische Hände" zu legen. Die EU solle dem Beispiel der USA folgen, sagte er am Dienstag in Brüssel: "Die Amerikaner haben das auf eine sehr kluge Weise gelöst, auch im Einvernehmen mit Bytedance", dem chinesischen Mutterkonzern der Videoplattform Tiktok. Die EU-Kommission erteilte Weimers Forderung eine Absage.

GSG9-Polizist bei Schießübung in Schleswig-Holstein tödlich verletzt

Ein Polizist der GSG9-Spezialeinheit ist bei einer Schießübung in Schleswig-Holstein tödlich verletzt worden. Es sei von einem Unfall auszugehen, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft in Lübeck am Dienstag mit. Demnach ereignete sich das Unglück am Montagabend auf einem Truppenübungsplatz der Bundeswehr bei Oldenburg in Holstein.

Niedersachsen: Orthopäde wegen sexuellen Missbrauchs von Patientinnen verurteilt

Wegen sexuellen Missbrauchs, heimlichen Fotos von Frauen und Mädchen sowie Herstellung von Kinder- und Jugendpornos ist ein Orthopäde aus Niedersachsen zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt worden. Das Landgericht Osnabrück sprach ihn am Dienstag unter anderem des sexuellen Missbrauchs unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses schuldig, wie ein Sprecher mitteilte. Es verhängte außerdem ein lebenslanges Verbot von orthopädischer Behandlung weiblicher Patientinnen.

Textgröße ändern: