Pallade Veneta - BKK warnt vor "explodierenden" Krankenkassenbeiträgen

BKK warnt vor "explodierenden" Krankenkassenbeiträgen


BKK warnt vor "explodierenden" Krankenkassenbeiträgen
BKK warnt vor "explodierenden" Krankenkassenbeiträgen / Foto: Charly TRIBALLEAU - AFP/Archiv

Angesichts hoher Kostensteigerungen im Gesundheitswesen gibt es weitere Warnungen vor massiven Beitragssteigerungen in der gesetzlichen Krankenversicherung. "Bereits für 2025 rechnen wir mit einem Zusatzbeitragssatz von mindestens 2,2 Prozent", erklärte am Montag der BKK-Dachverband. "Nach 2025 wird der Zusatzbeitragssatz regelrecht explodieren, wenn nicht gegengesteuert wird", hieß es weiter.

Textgröße ändern:

Derzeit liegt der allgemeine Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung bei 14,6 Prozent. Hinzu kommt der von der Kasse abhängige Zusatzbeitrag, den das Bundesgesundheitsministerium für dieses Jahr mit durchschnittlich 1,7 Prozent angesetzt hat. Finanziert werden beide Bestandteile bei sozialversicherungspflichtig Erwerbstätigen jeweils zur Hälfte von Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

Der Schätzerkreis – bestehend aus Expertinnen und Experten des Gesundheitsministeriums, des Bundesamts für Soziale Sicherung und des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung – schätzt immer im Oktober die Einnahmen und Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung. Auf Basis der Schätzung legt das Gesundheitsministerium dann den durchschnittlichen Zusatzbeitrag für das Folgejahr fest.

"Die Schätzerkreisprognosen waren zu positiv, entsprechend ist der für 2024 angesetzte durchschnittliche Zusatzbeitragssatz zu niedrig", erklärte der BKK-Dachverband. Ein kostendeckender Zusatzbeitragssatz müsste demnach bereits im laufenden Jahr um mindestens 0,2 Prozentpunkte höher liegen. Der Verband wies darauf hin, dass deswegen zahlreiche Krankenkassen unterjährig die Zusatzbeiträge anheben. Tatsächlich lägen diese derzeit zwischen 0,7 und 3,3 Prozent.

"Die Schnelligkeit, mit der Prognosen über den Haufen geworfen werden müssen, und die aktuelle massive Spreizung der Zusatzbeitragssätze zeigen die entfesselte Ausgabendynamik in der GKV", erklärte BKK-Vorständin Anne-Kathrin Klemm. Dabei ist dem Dachverband zufolge die volle Kostenwirkung aktueller Gesetzesänderungen noch nicht einmal berücksichtigt, die den ohnehin hohen Druck auf den Zusatzbeitragssatz massiv noch verstärken werde.

Bei den Krankenkassen des BKK-Dachverbands stiegen nach dessen Angaben die Ausgaben im ersten Quartal 2024 um sieben Prozent verglichen mit dem ersten Quartal des Vorjahres. Vom Schätzerkreis erwartet worden sei nur ein Anstieg um 5,8 Prozent. Besonders auffällig war demnach der Kostenanstieg bei Krankenhausbehandlungen um 8,5 Prozent und bei der Arzneimittelversorgung um 9,1 Prozent. Die Beitragseinnahmen seien hingegen nur um 5,3 Prozent gestiegen.

Anfang August hatte bereits die Techniker Krankenkasse vor einem Anstieg der Kassenbeiträge auf insgesamt bis zu 20 Prozent bis Ende des Jahrzehnts gewarnt. Für das kommende Jahr sei ein Beitragsanstieg um 0,6 Prozentpunkte realistisch, hieß es.

Die Krankenkasse KKH hatte zum 1. August ihren Zusatzbeitrag außerplanmäßig von 1,98 Prozent auf 3,28 Prozent angehoben. Bei der Knappschaft gab es einen Anstieg um 0,5 Prozentpunkte auf 2,7 Prozent. Auch weitere Krankenkassen erhöhten ihre Zusatzbeiträge Anfang August teils deutlich.

L.Guglielmino--PV

Empfohlen

Union lehnt SPD-Forderung nach Kassenbeiträgen auf alle Einkommensarten ab

Der SPD-Vorschlag, eine Zusatzabgabe auf Miet- und Kapitaleinkünfte zu erheben, um das Gesundheitssystem zu stabilisieren, stößt in der Union auf Widerstand. Eine solche Abgabe treffe vor allem die Kleinsparer, sagte CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin". Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Simone Borchardt (CDU), warnte vor "neuen Belastungen für breitere Teile der Bevölkerung".

Trump startet nach ihm benanntes Regierungsportal für günstigere Medikamente

US-Präsident Donald Trump hat den Start eines nach ihm benannten Verkaufsportals für vergünstigte Medikamente bekannt gegeben. Auf der Website "TrumpRx" seien "Dutzende der am häufigsten verwendeten verschreibungspflichtigen Medikamente für alle Verbraucher mit drastischen Rabatten erhältlich", sagte Trump am Donnerstag (Ortszeit) bei der Vorstellung des Regierungsportals im Weißen Haus. Trump versucht angesichts einer drohenden Niederlage seiner Republikaner bei den Zwischenwahlen im November, die Wut der US-Wähler über hohe Lebenshaltungskosten zu adressieren.

Krankenhäuser hoffen auf Wiedereinführung des Zivildienstes

Im Fall einer Wiedereinführung des Zivildienstes in Deutschland sind die Krankenhäuser in hohem Maße bereit, Zivi-Stellen zu schaffen. Fast alle Kliniken, die früher Zivis beschäftigten, wären nach einer Umfrage des Deutschen Krankenhaus Instituts (DKI) bereit, wieder ein vergleichbares Stellenangebot zu schaffen, wie die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) am Donnerstag in Berlin mitteilte.

Apothekerverband: Arzneimittelausgaben 2025 deutlich gestiegen

Die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für Arzneimittel sind nach Berechnungen des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. 2025 habe es bei den Arzneimitteln ohne Impfstoffe erwartungsgemäß einen Anstieg um 4,9 Prozent auf 56,4 Milliarden Euro gegeben, teilte der DAV am Donnerstag unter Berufung auf Abrechnungsergebnisse von Apothekenrechenzentren in Berlin mit.

Textgröße ändern: