Pallade Veneta - Menschen mit Depression suchen nach 20 Monaten erstmals Hilfe

Menschen mit Depression suchen nach 20 Monaten erstmals Hilfe


Menschen mit Depression suchen nach 20 Monaten erstmals Hilfe
Menschen mit Depression suchen nach 20 Monaten erstmals Hilfe / Foto: Matthias Balk - dpa/AFP/Archiv

Menschen mit Depression suchen sich im Schnitt erst 20 Monate nach Ausbruch der psychischen Erkrankung professionelle Hilfe. Das zeigt ein von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention am Dienstag in Leipzig veröffentlichter Bericht. Während sich ein Drittel aller Betroffenen sofort Hilfe suche, daure es bei 65 Prozent im Schnitt sogar 30 Monate.

Textgröße ändern:

"Die Depression ist eine schwere, oft auch lebensbedrohliche Erkrankung - dass ein großer Teil der Betroffenen Monate oder sogar Jahre braucht, um sich Hilfe zu suchen, ist besorgniserregend", erklärte Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Gründe dafür seien die für eine Depression typische Hoffnungslosigkeit und Antriebslosigkeit - "aber auch Versorgungsengpässe und die immer noch bestehende Stigmatisierung psychischer Erkrankungen".

Erste Anlaufstelle für die Mehrheit der Betroffenen ist laut dem zum sechsten Mal veröffentlichten sogenannten Deutschland-Barometer Depression die ihnen bekannte Arztpraxis. 51 Prozent wenden sich demnach erstmals an ihren Hausarzt. Nur jeder vierte Patient sucht hingegen den direkten Weg zum Facharzt. 19 Prozent kontaktieren als erstes einen Psychotherapeuten.

Wie die Studie weiter feststellte, stoßen die Betroffenen bei ihrer Suche nach Hilfe oftmals auf wochenlange Wartezeiten, ehe eine Behandlung beginnen kann. Im Schnitt hätten die Erkrankten zehn Wochen auf ein Erstgespräch beim Psychotherapeuten gewartet. Bei Fachärzten vergingen durchschnittlich etwa acht Wochen. Rund fünf Therapeuten mussten die Betroffenen nach eigener Erinnerung im Schnitt kontaktieren, ehe sie einen Termin bekamen.

"Bei einer so leidvollen Erkrankung wie der Depression, die zudem mit hoher Suizidgefährdung einhergeht, sind so lange Wartezeiten nicht akzeptabel", erklärte Hegerl. Die Behandlung bei einem Psychotherapeuten gehört neben der Einnahme von Medikamenten zu den wichtigsten Behandlungsmethoden bei Depression. Während von den Befragten rund 48 Prozent in psychotherapeutischer Behandlung sind, bekommen 62 Prozent Medikamente. 35 Prozent erhalten eine Kombination aus beidem.

Neben den klassischen Behandlungsmethoden nutzt laut Studie nur eine Minderheit alternative Angebote. So besuchen etwa acht Prozent der Befragten eine Selbthilfegruppe. Speziell für depressive Menschen ausgerichtete digitale Gesundheitsangebote nutzen nur sieben Prozent. Wiederum nur neun Prozent greifen auf alternative Verfahren zurück - wie Homöopathie, Heilsteine oder Darmreinigung. Eine Mehrheit von 78 Prozent gab demnach an, es sei ihnen wichtig, dass die Wirksamkeit der Behandlung wissenschaftlich belegt ist.

Die Befragung untersucht jährlich Einstellungen und Erfahrungen zur Depression in der erwachsenen Bevölkerung, in diesem Jahr insbesondere die Behandlungssituation. Für die nach eigenen Angaben repräsentative Erhebung wurden im September 2022 insgesamt 5050 Menschen zwischen 18 und 69 Jahren in Deutschland befragt.

H.Lagomarsino--PV

Empfohlen

Säugling stirbt in Berlin nach Infektion mit Meningokokken

In Berlin ist ein Säugling an den Folgen einer Infektion mit Meningokokken gestorben. Das rund drei Monate alte Baby sei am 24. Januar mit Hautausschlag und Bewusstseinstrübung in die Rettungsstelle einer Klinik gebracht worden, erklärte das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales. Es entwickelte ein Waterhouse-Friedrichsen-Syndrom, also eine besonders schwere Form des septischen Schocks, und starb kurze Zeit später.

Trotz Beitragsschulden: Krankenkasse darf Kinderzimmer nicht durchsuchen

Eine Krankenkasse darf das Zimmer einer Jugendlichen, die ihr Beiträge schuldet, nicht durchsuchen. Das wäre unangemessen, wie der Bundesgerichtshof (BGH) in einem am Dienstag in Karlsruhe veröffentlichten Beschluss erklärte. Bei Eingriffen in die Privatsphäre müsse die höhere Verletzlichkeit von Minderjährigen berücksichtigt werden. (Az. VII ZB 13/25)

Koalitionsstreit: SPD nennt Warkens Krankenkassenvorschläge ohne Gegenfinanzierung unseriös

Zwischen Union und SPD verschärft sich der Koalitionsstreit um die künftige Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung. Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Dagmar Schmidt wies in der "Augsburger Allgemeinen" (Dienstagsausgabe) die Vorschläge von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken und CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann zurück, wonach der Bund die Kosten der Gesundheitsversorgung der Bürgergeldempfänger übernehmen solle: Solche Vorschläge seien nur ernstzunehmen, wenn Aussagen zur Finanzierung gemacht würden.

Zusatzbeiträge für Krankenversicherung: Union lehnt SPD-Vorstoß ab

Die SPD-Vorschläge zur Finanzierung des Gesundheitssystems stoßen beim Koalitionspartner Union auf Widerstand. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann wandte sich am Montag in Berlin gegen den Vorstoß der Sozialdemokraten, eine Zusatzabgabe auf Miet- und Kapitaleinkünfte zu erheben. "Das sollte man nicht machen, weil man kleinen und mittleren Sparern damit die Planungssicherheit nimmt". Die SPD-Spitze verteidigte ihre Pläne für Beiträge auf alle Einkommensarten.

Textgröße ändern: