Pallade Veneta - Deutsches Schulbarometer warnt vor "massivem Personalmangel" an Schulen

Deutsches Schulbarometer warnt vor "massivem Personalmangel" an Schulen


Deutsches Schulbarometer warnt vor "massivem Personalmangel" an Schulen
Deutsches Schulbarometer warnt vor "massivem Personalmangel" an Schulen / Foto: Ina FASSBENDER - AFP/Archiv

Ein massiver Personalmangel an Schulen ist laut dem Deutschen Schulbarometer die derzeit größte Herausforderung an deutschen Bildungseinrichtungen. Zu dieser Einschätzung kommen zwei Drittel der befragten Schulleiterinnen und Schulleiter - 67 Prozent -, wie die Robert-Bosch-Stiftung am Mittwoch in Stuttgart mitteilte. An sozial benachteiligten Schulen sagten dies sogar 80 Prozent.

Textgröße ändern:

Der Erhebung zufolge leiden viele Schüler unter Lernstückständen. Zwar beschäftigt die Coronapandemie nur noch rund jede zehnte Schule, doch mit den Folgen der Pandemiemaßnahmen hätten die Einrichtungen weiter zu schaffen: Nach Ansicht der Schulleitungen ist bei rund einem Drittel der Schüler - 35 Prozent - ein deutlicher Lernrückstand zu erkennen. Auch hier schneiden Schulen in sozial benachteiligter Lage schlechter ab. Dort treffe der Rückstand nach Ansicht der Schuldirektoren sogar zwei Drittel der Kinder, nämlich 65 Prozent.

Durch den Lehrermangel kann der Rückstand schwer aufgearbeitet werden. Fast 80 Prozent der Schulen geben demnach an, dass sie nicht allen Kindern und Jugendlichen die benötigte Unterstützung beim Lernen bieten könnten. Dass das Corona-Aufholprogramm von Bund und Ländern eine Wirkung hätte, glaubten laut Angaben nur 32 Prozent der befragten Direktoren. Eine Mehrheit von 70 Prozent hält trotz der zwei Milliarden Euro schweren Unterstützung weitere Fördermittel für nötig.

Erst mit großem Abstand nennen die Schulleiter hinter dem Personalmangel die stockende Digitalisierung und die schlechte technische Ausstattung der Schulen als weitere Probleme (22 Prozent). Zu viel Bürokratie beklagen 21 Prozent der Befragten. Dahinter folgt die zu hohe Arbeitsbelastung mit 20 Prozent.

"Der Lehrerberuf muss attraktiver werden", mahnte Bildungsexpertin Dagmar Wolf von der Robert-Bosch-Stiftung. Schnelle Lösungen seien zur Behebung des Personalmangels jedoch nicht in Sicht. "Weniger bürokratischer Aufwand könnte die aktuelle Personalnot an den Schulen aber zumindest lindern", stellte sie fest.

Wolf nannte die Anstellung von Unterstützungsfachkräften in der Verwaltung, von pädagogischen Assistenzkräften oder ausländischen Lehrkräften als umsetzbare Erleichterungen. "Gleichzeitig muss jetzt langfristig geplant werden - eine Erhöhung der Kapazitäten in den Lehramtsstudiengängen reicht dazu nicht aus."

Der Lehrkräftemangel sei eine "reale Bedrohung" für die pädagogische Qualität der Schulen, erklärte der Verband Bildung und Erziehung. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft forderte schnelle Hilfen. Die Studienergebnisse bedeuteten "Warnstufe dunkelrot", erklärte GEW-Vorstandsmitglied Anja Bensinger-Stolze. "Die Bundesländer haben es schlichtweg verpasst, den Generationenwechsel in den Schulen zu planen und zu koordinieren."

Der Deutsche Philologenverband mahnte die Beförderung von Lehrkräften an. Um bewährte Lehrer im Schulbetrieb zu halten, "müssen deren ausstehende Beförderungen endlich umgesetzt werden", sagte Verbandschefin Susanne Lin-Klitzing der Mediengruppe Bayern. Zudem brauche es eine "erstklassige" Nachqualifikation für Seiteneinsteiger.

Die Linke forderte ein Umdenken in der Bildungspolitik. "Es muss dringend mehr passieren, damit wir den Fachkräftemangel an Schulen in den Griff bekommen", erklärte die Bundestagsabgeordnete Nicole Gohlke. Sie forderte unter anderem eine Aufhebung des Kooperationsverbots, wonach der Bund auf die Bildungspolitik der Länder keinen Einfluss ausüben darf. "Wir können doch nicht Jahr für Jahr den immer gleichen Zustand betrauern und alles beim Alten belassen."

Für die repräsentative Umfrage befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa erstmals ausschließlich Schulleitungen. Bislang waren in den seit 2019 jährlich laufenden Erhebungen nur Lehrkräfte befragt worden.

Z.Ottaviano--PV

Empfohlen

Treffen der Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Polens in Weimar

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU), Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot und der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski kommen am Donnerstag zu Gesprächen in Weimar zusammen (Pk. gegen 10.30 Uhr). Auf der Tagesordnung des Treffens im Format des vor 35 Jahren ins Leben gerufenen sogenannten Weimarer Dreiecks stehen nach Angaben des Auswärtigen Amts unter anderem die aktuellen hybriden Bedrohungen durch Russland, die EU-Erweiterung sowie die europäische Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit.

Hape Kerkeling hält Vortrag bei der SPD-Bundestagsfraktion - für Demokratie

Für ihre Klausurtagung holt sich die SPD-Bundestagsfraktion Impulse aus dem Showgeschäft. Der Entertainer Hape Kerkeling werde bei dem Treffen der SPD-Abgeordneten am Donnerstag einen Vortrag zum Thema Demokratie und Toleranz halten, wie Parlamentsgeschäftsführer Dirk Wiese den Funke-Zeitungen sagte. Der 61-jährige Kerkeling habe "nicht zuletzt in einer sehr persönlichen Rede in der Gedenkstätte Buchenwald ausgedrückt, wie wichtig ihm ein tolerantes, offenes und zusammenführendes Miteinander ist", sagte Wiese. Kerkelings Appell für den Erhalt der Demokratie habe "großen Widerhall gefunden".

"Kein Fan": Trump froh über Ausreise von Harry und Meghan

US-Präsident Donald Trump hat sich zufrieden über die Ausreise von Prinz Harry und seiner Familie aus den USA gezeigt. "Ich bin froh darüber. Ich war kein Fan", sagte Trump am Mittwoch im Oval Office in Washington. Harry und seine Frau Meghan Markle seien "ungeheuer respektlos gegenüber der Königin und König Charles" gewesen, sagte der Präsident.

Gespräche in der EU über Reform des Auswärtigen Dienstes

Die Europäische Union hat am Mittwoch Gespräche über eine Reform ihres Auswärtigen Dienstes aufgenommen. Deutschland und Frankreich stellten bei einem Treffen der EU-Außenminister im irischen Wicklow bei Dublin ihre Vorschläge vor.

Textgröße ändern: