Pallade Veneta - Nicaragua erkennt 94 im Exil lebenden Regierungskritikern Staatsbürgerschaft ab

Nicaragua erkennt 94 im Exil lebenden Regierungskritikern Staatsbürgerschaft ab


Nicaragua erkennt 94 im Exil lebenden Regierungskritikern Staatsbürgerschaft ab
Nicaragua erkennt 94 im Exil lebenden Regierungskritikern Staatsbürgerschaft ab / Foto: Ezequiel BECERRA - AFP/Archiv

Ein Gericht im autoritär geführten Nicaragua hat 94 im Exil lebende Regierungskritiker zu "Verrätern an der Nation" erklärt und ihnen die Staatsbürgerschaft aberkannt. Die am Mittwoch (Ortszeit) von einem Berufungsgericht in Managua verkündete Entscheidung betrifft unter anderem den nach Spanien ausgewanderten prominenten Schriftsteller und Ex-Vizepräsidenten Sergio Ramírez, die Autorin Gioconda Belli, den katholischen Bischof Silvio José Baez und die Menschenrechtsaktivistin Vilma Nuñez.

Textgröße ändern:

Richter Ernesto Rodríguez Mejia verlas vor der regierungstreuen Presse auch die Namen der früheren Sandinisten-Rebellen Luis Carrión und Mónica Baltodano sowie von Politikern verschiedener Parteien, Mitarbeitern von Nichtregierungsorganisationen und regierungskritischen Journalisten wie Carlos Fernando Chamorro. Als "Landesverräter" sind sie laut der Gerichtsentscheidung lebenslang von Wahlämtern und anderen öffentlichen Ämtern in Nicaragua ausgeschlossen.

Die insgesamt 94 aufgelisteten Exilanten würden als "Übeltäter auf der Flucht" betrachtet, erklärte der Richter. Sie hätten "kriminelle Taten gegen den Frieden, die Souveränität, die Unabhängigkeit und die Selbstbestimmung des nicaraguanischen Volkes" begangen, indem sie zur "Destabilisierung des Landes" aufgerufen und "Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockaden" befürwortet hätten.

Vergangene Woche hatte die Regierung des zentralamerikanischen Landes 222 inhaftierten Regierungskritikern die nicaraguanische Staatsbürgerschaft aberkannt und sie in die USA ausgewiesen.

Die Vereinten Nationen verurteilten die jüngste Gerichtsentscheidung gegen die 94 Regierungskritiker "auf das Schärfste". Das Zentralamerika-Büro des UN-Menschenrechtskommissars erklärte im Onlinedienst Twitter, Nicaragua müsse die "Verfolgung und Repressionen" gegen Dissidenten und Menschenrechtsaktivisten "sofort beenden".

Nicaragua wird seit vielen Jahren von dem linksgerichteten Ex-Guerillero Daniel Ortega regiert. 2018 brachen Proteste gegen den Staatschef aus, in der Folge wurden laut Interamerikanischer Menschenrechtskommission mindestens 355 Menschen getötet. Fast 200 Nichtregierungsorganisationen wurden in den vergangenen Jahren aufgelöst. Die Behörden warfen ihnen vor, mit Hilfe der USA einen Staatsstreich gegen Ortega geplant zu haben.

Im November 2021 wurde Ortega für seine vierte Amtszeit in Folge wiedergewählt. Ernstzunehmende Gegner gab es bei dem Urnengang nicht, weil diese zuvor ins Exil gegangen oder festgenommen worden waren.

E.M.Filippelli--PV

Empfohlen

"Kein Fan": Trump froh über Ausreise von Harry und Meghan

US-Präsident Donald Trump hat sich zufrieden über die Ausreise von Prinz Harry und seiner Familie aus den USA gezeigt. "Ich bin froh darüber. Ich war kein Fan", sagte Trump am Mittwoch im Oval Office in Washington. Harry und seine Frau Meghan Markle seien "ungeheuer respektlos gegenüber der Königin und König Charles" gewesen, sagte der Präsident.

Gespräche in der EU über Reform des Auswärtigen Dienstes

Die Europäische Union hat am Mittwoch Gespräche über eine Reform ihres Auswärtigen Dienstes aufgenommen. Deutschland und Frankreich stellten bei einem Treffen der EU-Außenminister im irischen Wicklow bei Dublin ihre Vorschläge vor.

Umfrage vor Berliner Abgeordnetenhauswahl sieht CDU wieder vor Linkspartei

Rund zweieinhalb Wochen vor der Abgeordnetenhauswahl in Berlin sieht eine Umfrage die regierende CDU wieder vor der oppositionellen Linken. Die Christdemokraten von Spitzenkandidat Stefan Evers kommen laut der am Mittwoch veröffentlichten Erhebung des Instituts Infratest dimap für den Rundfunk Berlin-Brandenburg auf 21 Prozent. Die Linkspartei um Spitzenkandidatin Elif Eralp folgt mit 19 Prozent.

Ukraine führt neues zweistufiges Luftalarm-System ein

Die Ukraine überarbeitet ihr Luftalarm-System und führt ein zweistufiges Warnsystem ein. Je nach Art der Bedrohung werde künftig eine Warnung der Stufe gelb oder rot ausgegeben, teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Mittwoch in Onlinediensten mit. "In der Regel wird die Stufe gelb einen Drohnenangriff anzeigen, während die Stufe rot auf eine Raketenbedrohung hinweisen wird", erläuterte er.

Textgröße ändern: