Pallade Veneta - Neue Verbalgefechte in UN-Sicherheitsrat an Ukraine-Jahrestag

Neue Verbalgefechte in UN-Sicherheitsrat an Ukraine-Jahrestag


Neue Verbalgefechte in UN-Sicherheitsrat an Ukraine-Jahrestag
Neue Verbalgefechte in UN-Sicherheitsrat an Ukraine-Jahrestag / Foto: TIMOTHY A. CLARY - AFP

Am ersten Jahrestag des Ukraine-Kriegs haben sich westliche Staaten und Russland im UN-Sicherheitsrat neue Verbalgefechte geliefert. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) verurteilte den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine bei einer Sitzung des mächtigsten UN-Gremiums am Freitag scharf, verteidigte westliche Hilfen für Kiew gegen Kritik und äußerste Skepsis zum chinesischen Zwölf-Punkte-Plan zu dem Konflikt. Russland dagegen attackierte die Ukraine und den Westen und wies die Verantwortung für den Krieg von sich.

Textgröße ändern:

Zu Beginn des Treffens hatte UN-Generalsekretär António Guterres eine bittere Bilanz des ersten Kriegsjahres gezogen. Der russische Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 habe "Tod, Zerstörung und Vertreibung" in der Ukraine gebracht. "Das Leben ist für die Menschen in der Ukraine die Hölle." Der "Frieden hat keine Chance gehabt".

Auch Bundesaußenministerin Baerbock verwies auf das Leid der Menschen in der Ukraine - und nannte immer wieder die ukrainischen Städte Butscha, Charkiw, Mariupol und Bachmut, die zu Symbolen der brutalen russischen Angriffe geworden sind. "Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine führt zu nichts anderem als Zerstörung, Leid und Tod."

Kritik an der westlichen Unterstützung für die Ukraine wies Baerbock entschieden zurück. "Wir können nicht tatenlos zusehen", sagte die Außenministerin. "Wo würde die Ukraine, die freiwillig ihre Atomwaffen aufgegeben hat, weil sie an Frieden glaubte, heute stehen, wenn wir nicht ihr Recht auf Selbstverteidigung verteidigt hätten?"

Mit Blick auf den von China vorgelegten Zwölf-Punkte-Plan für eine "politische Lösung" des Ukraine-Konflikts, sagte Baerbock, jeder Vorschlag eines Sicherheitsratsmitglieds sei "wertvoll". "Aber Frieden muss Frieden bedeuten. Frieden darf nicht bedeuten, dass wir ignorieren, wer der Aggressor ist und wer das Opfer. Denn Unterwerfung ist nicht Frieden."

US-Außenminister Antony Blinken betonte, ein Frieden, "der Russlands Landergreifung legitimiert, würde die Charta (der Vereinten Nationen) schwächen und ein Signal an mögliche künftige Aggressoren senden, dass sie in Länder einfallen können und ungeschoren davonkommen".

Der russische UN-Botschafter Wassili Nebensia nutzte seine Rede im Sicherheitsrat dagegen, wie bereits häufig zuvor, für Vorwürfe an die Ukraine und den Westen. "Die Ukraine ist kein Opfer", sagte der Diplomat. Kiew und seine Verbündeten hätten Russland "keine andere Wahl gelassen, als vom Territorium der Ukraine ausgehende Bedrohungen Russlands militärisch auszuschalten."

Selbst eine Schweigeminute zum Gedenken an die Opfer des Krieges sorgte für kurze Spannungen. Zunächst rief der ukrainischen Außenminister Dmytro Kuleba zu einer Schweigeminute zum Gedenken an die "Opfer der Aggression" auf. Der russische UN-Botschafter Nebensia sagte dann, es müsse "aller Opfer dessen, was seit 2014 in der Ukraine passiert" sei, gedacht werden.

In seiner Rede ging Nebensia später unter anderem auf die pro-westliche sogenannte Maidan-Revolution in Kiew 2014 ein, die der russische Präsidenten Wladimir Putin als von Washington gesteuerten Staatsstreich ansieht. Nebensia sagte, seit 2014 sei in der Ukraine ein "nationalistisches, russlandfeindliches Regime" an der Macht.

Westliche Staaten haben russische Vorwürfe einer angeblichen Bedrohung durch die Ukraine oder durch den Westen wiederholt entschieden zurückgewiesen und als Vorwand für den Angriff auf die Ukraine bezeichnet.

Jeder könne "sich selbst täuschen", sagte Baerbock im Sicherheitsrat an die Adresse Russlands. "Aber Sie können nicht die Welt täuschen." Sie habe keine Hoffnungen, den russischen UN-Vertreter zu überzeugen - "er hört nicht einmal zu". Die Mitglieder des Sicherheitsrates könnten aber sicherstellen, dass das UN-Gremium nicht seine Augen vor den Gräueltaten in der Ukraine verschließe und sich für eine Welt einsetze, "in der Frieden Frieden bedeutet".

A.Graziadei--PV

Empfohlen

"Kein Fan": Trump froh über Ausreise von Harry und Meghan

US-Präsident Donald Trump hat sich zufrieden über die Ausreise von Prinz Harry und seiner Familie aus den USA gezeigt. "Ich bin froh darüber. Ich war kein Fan", sagte Trump am Mittwoch im Oval Office in Washington. Harry und seine Frau Meghan Markle seien "ungeheuer respektlos gegenüber der Königin und König Charles" gewesen, sagte der Präsident.

Gespräche in der EU über Reform des Auswärtigen Dienstes

Die Europäische Union hat am Mittwoch Gespräche über eine Reform ihres Auswärtigen Dienstes aufgenommen. Deutschland und Frankreich stellten bei einem Treffen der EU-Außenminister im irischen Wicklow bei Dublin ihre Vorschläge vor.

Umfrage vor Berliner Abgeordnetenhauswahl sieht CDU wieder vor Linkspartei

Rund zweieinhalb Wochen vor der Abgeordnetenhauswahl in Berlin sieht eine Umfrage die regierende CDU wieder vor der oppositionellen Linken. Die Christdemokraten von Spitzenkandidat Stefan Evers kommen laut der am Mittwoch veröffentlichten Erhebung des Instituts Infratest dimap für den Rundfunk Berlin-Brandenburg auf 21 Prozent. Die Linkspartei um Spitzenkandidatin Elif Eralp folgt mit 19 Prozent.

Ukraine führt neues zweistufiges Luftalarm-System ein

Die Ukraine überarbeitet ihr Luftalarm-System und führt ein zweistufiges Warnsystem ein. Je nach Art der Bedrohung werde künftig eine Warnung der Stufe gelb oder rot ausgegeben, teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Mittwoch in Onlinediensten mit. "In der Regel wird die Stufe gelb einen Drohnenangriff anzeigen, während die Stufe rot auf eine Raketenbedrohung hinweisen wird", erläuterte er.

Textgröße ändern: