Pallade Veneta - Habeck hält an Graichen fest

Habeck hält an Graichen fest


Habeck hält an Graichen fest
Habeck hält an Graichen fest / Foto: Odd ANDERSEN - AFP

Trotz Vorwürfen der Vetternwirtschaft hält Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) an seinem Staatssekretär Patrick Graichen fest. Nach einer Anhörung in einer gemeinsamen Sitzung der Bundestagsausschüsse für Wirtschaft und für Energie sagte Habeck am Mittwoch, er habe entschieden, dass Graichen nicht gehen müsse. Die Union und die Linke hielten an ihrer Forderung nach einer Entlassung des Staatssekretärs fest.

Textgröße ändern:

Graichen steht in der Kritik, weil er an der ursprünglichen Neubesetzung einer der beiden Chefposten der bundeseigenen Deutschen Energie-Agentur (Dena) beteiligt war. Der Posten war zunächst dem früheren Berliner Grünen-Politiker Michael Schäfer zugesprochen worden. Graichen soll nicht transparent gemacht haben, dass Schäfer sein Trauzeuge war. Nach Bekanntwerden der privaten Verbindungen Schäfers ins Bundeswirtschaftsministerium entschied der Aufsichtsrat der Dena vergangene Woche, die Besetzung des Postens neu auszuschreiben.

Die Anhörung von Habeck und Graichen fand hinter verschlossenen Türen statt. Ein Antrag auf eine öffentliche Befragung fand in den Ausschüssen keine Mehrheit.

Teilnehmern zufolge zeigte sich Graichen reuig, habe seinen Fehler bei der Besetzung der Dena-Spitze aber nicht zufriedenstellend erklären können. Graichen sagte in seinem Eingangsstatement, von den elf Kandidatinnen und Kandidaten, die eine Personalagentur ausgewählt und der Findungskommission vorgeschlagen hatte, habe er neun bereits aus vorheriger beruflicher Erfahrung gekannt – "eine Folge dessen, dass ich seit über 20 Jahren beruflich in der Klima- und Energieszene unterwegs bin". Für ihn sei es "insofern eine graduelle Abstufung, wen der Bewerberinnen und Bewerber ich wie gut kannte".

Er habe gedacht, dass es genüge, wenn seine Stimme nicht den Ausschlag gebe und er sich in der Findungskommission bei der Bewertung Schäfers zurückhalte. "Das war falsch und ich bedaure diesen Fehler sehr."

Schäfer trat den Teilnehmern zufolge nicht von dem Vertrag mit der Dena zurück. Die Dena selbst hatte am Dienstag mitgeteilt, die Gespräche mit Schäfer liefen noch.

Nach der Befragung erklärte der Obmann der Unionsfraktion im Wirtschaftsausschuss, Hansjörg Durz (CSU), Graichen sei als Staatssekretär "nicht mehr tragbar". Der "grüne Filz" im Wirtschaftsministerium müsse weiter untersucht werden.

CDU-Generalsekretär Mario Czaja sagte in einer Aktuellen Stunde im Bundestag, der Ruhestand für Graichen "wäre die richtige Entscheidung gewesen". So "müssen wir leider erneut über Habecks grüne Familienclique reden". Czaja kritisierte aber vor allem die Politik des Wirtschaftsministers generell. Mit Blick auf das geplante Heizungsgesetz warf er Habeck "soziale Kälte" vor.

Auch der Obmann der Linken im Wirtschaftsausschuss, Pascal Meiser, hält eine Entlassung Graichens weiterhin für ratsam. "Ich empfehle Herrn Habeck, sich nicht dauerhaft den Fall Graichen ans Bein zu binden, wenn er nicht möchte, dass seine Arbeit dadurch gelähmt wird", sagte Meiser der Nachrichtenagentur AFP. Die Anhörung habe seine Einschätzung nicht geändert.

Der SPD-Abgeordnete Sebastian Roloff, Mitglied im Wirtschaftsausschuss, nahm Habeck und Graichen in Schutz und warf der Union vor, "nur mit Dreck zu werfen". Sie wolle "diejenigen in Misskredit bringen, die die Energiewende in diesem Land vorantreiben". Nach dem Fehler Graichens werde das Verfahren bei der Dena nun neu aufgerollt und die Führung der Agentur neu vergeben. "Es ist erledigt", sagte Roloff.

M.Jacobucci--PV

Empfohlen

USA und Iran greifen sich erstmals seit einem Monat wieder gegenseitig an

Erstmals seit einem Monat haben die USA wieder Ziele im Iran angegriffen. Die US-Armee attackierte am Sonntag Raketenwerfer auf der iranischen Insel Larak in der Straße von Hormus, wie das für die Region zuständige US-Militärkommando Centcom mitteilte. Die iranischen Revolutionsgarden teilten mit, bei den US-Angriffen habe es "Tote und Verletzte" gegeben. Die iranischen Streitkräfte reagierten nach eigenen Angaben mit Angriffen auf US-Ziele in der Region.

Verband: Klingbeil soll sich für Zugang von Reportern zu G20-Treffen in den USA einsetzen

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) aufgefordert, sich bei einem Treffen der G20-Gruppe in den USA für die Akkreditierung ausgeschlossener Medien einzusetzen. Die Verweigerung von Akkreditierungen durch die US-Regierung stelle einen "klaren Verstoß gegen die Pressefreiheit" dar, erklärte der DJV am Montag in Berlin. Dazu dürfe Klingbeil "nicht schweigen".

40 Jahre Klimaberichterstattung: Von der Warnung zur Solarrevolution

Vor genau vierzig Jahren rückte der Klimawandel durch mediale Warnungen ins öffentliche Bewusstsein. Ein Rückblick auf die wissenschaftlichen Alarme, politische Meilensteine wie das Kyoto-Protokoll und das deutsche EEG sowie die bitteren Rückschläge in der Energiewende bis hin zur heutigen Extremwetterlage.

Spanien untersucht weiter Ursachen für Massenandrang von Migranten in Ceuta

Einen Monat nach dem Massenandrang von Migranten auf die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika untersucht Spanien nach Regierungsangaben weiter die Ursachen der Vorkommnisse. "Wir ermitteln weiter", sagte Ministerpräsident Pedro Sánchez am Montag im Radiosender Cadena Ser. Zugleich prangerte der sozialistische Regierungschef "Falschinformationen" an, die durch eine "ultrarechte internationale Bewegung" verbreitet worden seien.

Textgröße ändern: