Pallade Veneta - Kritik in Grünen-Fraktion an Vereinbarungen des Flüchtlings-Gipfels

Kritik in Grünen-Fraktion an Vereinbarungen des Flüchtlings-Gipfels


Kritik in Grünen-Fraktion an Vereinbarungen des Flüchtlings-Gipfels
Kritik in Grünen-Fraktion an Vereinbarungen des Flüchtlings-Gipfels / Foto: John MACDOUGALL - AFP

Die Ergebnisse der Bund-Länder-Beratungen beim Flüchtlingsgipfel stoßen in den Reihen der Grünen auf Kritik. "Das Ergebnis aus der Ministerpräsidentenkonferenz überschreitet alle roten Linien, die ich mir als grüne Abgeordnete vorstellen kann", sagte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Karoline Otte der "Süddeutschen Zeitung" vom Donnerstag. "Der MPK-Beschluss zielt darauf ab, die Rechte Geflüchteter massiv zu beschneiden. Das Grundrecht auf Asyl wäre damit Geschichte."

Textgröße ändern:

Aus Fraktionskreisen verlautete gegenüber der "SZ", nach der Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwochabend habe es in Teilen der Fraktion deutlichen Unmut über die Beschlüsse gegeben, die als "fundamentale Einschränkung von Rechten der Geflüchteten" wahrgenommen würden. Der Gipfel von Bund und Ländern hatte am Abend neben mehr Geld für Unterkunft und Integration auch Verschärfungen in der Abschiebepraxis und strengere Maßnahmen gegen illegale Migration beschlossen.

Grünen-Chef Omid Nouripour forderte am Donnerstag trotz der erzielten Einigung zwischen Bund und Ländern eine langfristige Unterstützung des Bundes für Länder und Kommunen bei der Flüchtlingsfinanzierung. "Wer sich von Gipfel zu Gipfel hangelt, kriegt keinen Boden unter die Füße", sagte der Grünen-Chef im ARD-"Morgenmagazin".

Es sei "absehbar", dass die Belastung "nicht wegen der Zahl der ankommenden Geflüchteten" so hoch sei, sondern wegen der "Dauer der Aufgabe", sagte Nouripour. Daher müssten die Länder und Kommunen auch "eine dauerhafte finanzielle Unterstützung vom Bund bekommen".

Die Kommunen seien "wirklich am Limit" und hätten offensichtlich eine "sehr akute Not". Sie bräuchten daher "schnell Hilfe". In diesem Zusammenhang sei es gut, dass "jenseits aller anderen Fragen jetzt Geld fließt". "Das ist gelungen", sagte der Grünen-Politiker.

Der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, hatte sich zuvor enttäuscht vom Flüchtlingsgipfel gezeigt. Er sei "nicht zufrieden", sagte Landsberg im ARD-Morgenmagazin. Es habe zwar viele gute Absichtserklärungen gegeben. Und natürlich sei eine Milliarde "auch Geld", aber es sei eben "nur der Betrag für dieses Jahr".

Die Kommunen seien aber dabei, jetzt Unterkünfte für Flüchtlinge zu bauen. "Sie müssen wissen, was wird wann von wem bezahlt - dass das bis November dauern muss, ist mir schleierhaft", sagte Landsberg. Die bei dem Flüchtlingsgipfel vereinbarte Arbeitsgruppe müsse nun nicht nur für dieses Jahr "so schnell wie möglich" Lösungen finden, sondern "auch darüber hinaus".

Bei ihrem Spitzentreffen im Kanzleramt haben Bund und Länder am Mittwoch nach stundenlangen Verhandlungen zwar eine Einigung erzielt. Doch die schwierige Finanzfrage ist weiter nicht endgültig geklärt. Die Bundesregierung stellt den Ländern für dieses Jahr eine weitere Milliarde Euro bereit. Grund sind die seit Jahresbeginn um fast 80 Prozent gestiegenen Asylanträge.

Die Länder rechnen in den Sommermonaten mit einem weiteren Anstieg und verlangen deshalb weiter die Rückkehr zu einem dynamischen Finanzierungssystem, das sich automatisch an die Asylbewerberzahl anpasst.

T.Galgano--PV

Empfohlen

Massendemonstration für Erhalt des staatlichen Rentensystems in Spanien

Gut einen Monat vor der vorgezogenen Parlamentswahl in Spanien haben im Zentrum von Madrid mehrere zehntausend Menschen für den Erhalt des staatlichen Rentensystems demonstriert. Der Protestzug führte am Samstag vom Atocha-Bahnhof vorbei am Prado-Museum und der ebenfalls bei Touristen beliebten Plaza de Cibeles, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. "Garantierte Renten", stand unter anderem auf den Transparenten der Demonstrierenden.

Neue Proteste in Frankreich: Mehr als 130 Festnahmen und Einsatz von Tränengas

Eine Woche nach den gewaltsamen Ausschreitungen haben in Frankreich die ersten neuen Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten begonnen. Die Sicherheitskräfte nahmen bis zum frühen Samstagnachmittag mehr als 130 Menschen vorübergehend fest. Im südfranzösischen Lyon setzte die Polizei Tränengas ein, um etwa 150 Demonstranten auseinanderzutreiben, die trotz eines Verbots eine Straße blockieren wollten. Landesweit waren rund 70.000 Sicherheitskräfte im Einsatz, um befürchtete neue Gewalttaten und Plünderungen zu verhindern.

Tschechiens Parlament stimmt in erster Lesung für Abschaffung von Rundfunkgebühren

Ungeachtet von Protesten und Kritik der Opposition wegen Einschränkung der Pressefreiheit hat das tschechische Abgeordnetenhaus für die Einführung eines neuen Finanzierungssystems für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gestimmt. Der Gesetzentwurf, der von der rechtsgerichteten Koalition von Regierungschef Andrej Babis unterstützt wird, wurde am frühen Samstagmorgen im Schnellverfahren in erster Lesung abgesegnet.

Nach tödlichem Angriff: Israelische Armee startet Großoffensive in Hebron

Wenige Tage vor der Parlamentswahl in Israel ist die israelische Armee am Samstag auf Anweisung von Regierungschef Benjamin Netanjahu in die Stadt Hebron im besetzten Westjordanland vorgedrungen. Es fänden "präzise, gezielte und gründliche Durchsuchungen" statt, teilte die israelische Armee mit. Die "Anti-Terror-Einsätze" würden "voraussichtlich mehrere Tage andauern". Palästinensische Behörden erklärten, rund 250 Familien seien vertrieben worden. Nach dem Tod von zwei Soldaten bei einem Angriff bewaffneter Palästinenser hatte Netanjahu eine "vollständige Abriegelung" des Palästinensergebiets angeordnet.

Textgröße ändern: