Pallade Veneta - Szene der Reichsbürger und Selbstverwalter in Bayern wächst

Szene der Reichsbürger und Selbstverwalter in Bayern wächst


Szene der Reichsbürger und Selbstverwalter in Bayern wächst
Szene der Reichsbürger und Selbstverwalter in Bayern wächst / Foto: Christof STACHE - AFP/Archiv

In Bayern wächst die Szene der sogenannten Reichsbürger und Selbstverwalter. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres 2023 seien von den bayerischen Sicherheitsbehörden 5505 Menschen als Reichsbürger identifiziert worden, teilte Landesinnenminister Joachim Herrmann (CSU) am Mittwoch in München mit. Das seien 145 mehr als Ende vergangenen Jahres.

Textgröße ändern:

Nach Angaben Herrmanns besteht der "harte Kern" der Szene in Bayern aus bis zu 470 Männern und Frauen, 450 gelten als gewaltorientiert. Mit Sorge sehen die Behörden demnach insbesondere auch das Interesse der Reichsbürger an Waffen. Sie gingen "konsequent vor und prüfen systematisch waffenrechtliche Erlaubnisse und entziehen diese, wo immer möglich", fügte der Minister hinzu.

Laut Herrmann wurden bis Ende vergangenen Jahres in seinem Bundesland schon waffenrechtliche Widerru sverfahren gegen 443 Menschen eingeleitet und 525 waffenrechtliche Erlaubnisse widerrufen oder von Betroffenen freiwillig abgegeben. Mehr als tausend Waffen wurden beschlagnahmt oder abgeliefert.

Auch in anderen Bundesländer stieg die Zahl sogenannter Reichsbürger zuletzt an. So hatten etwa Berlin, Hamburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz unter Verweis auf Erkenntnisse ihrer Verfassungsschutzbehörden ebenfalls von einer Wachstum der Szene im Jahresvergleich berichtet. Diese besteht aus diversen Gruppierungen und mehr oder weniger unorganisierten Einzelvertretern. Sie lehnen die Bundesrepublik und das demokratische Regierungssystem ab.

Herrmann stellte am Mittwoch in München einen Halbjahresbericht zur Arbeit des Landesverfassungsschutzes vor. Demnach konzentrieren sich Rechtsextremen aktuell insbesondere auch auf die Verbreitung von Hass gegen Flüchtlinge und queere Menschen. Sie versuchten mit hetzerischer Propaganda etwa, "in der Bevölkerung pauschale Angst und Ablehnung vor Asylbewerbern als angeblich unkalkulierbares Sicherheitsrisiko zu schüren", führte Herrmann weiter aus.

Im Bereich des Rechtsextremismus wurden demnach in diesem Jahr in Bayern bereits 236 Straftaten erfasst. 18 davon waren Gewaltdelikte. Das waren annähernd so viele Gewaltdelikte wie im gesamten vergangenen Jahr, als 23 gezählt worden waren.

U.Paccione--PV

Empfohlen

Union und SPD schließen Fraktionsklausur zu Reformen in Münster ab

Die Regierungsfraktionen Union und SPD schließen am Freitag in Münster ihre Klausurtagung ab. Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU), der SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Miersch und CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann treten am frühen Nachmittag vor die Presse, um über die Ergebnisse zu informieren (13.30 Uhr). Geplant war die Verabschiedung von zwei Beschlüssen zu Resilienz und innerer Sicherheit sowie zu den bis Jahresende anstehenden Reformvorhaben etwa bei Pflege und Rente.

Dobrindt empfängt Ostsee-Innenminister in Flensburg

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) berät am Freitag mit seinen Kolleginnen und Kollegen aus den Ostsee-Anrainerstaaten über die Abwehr hybrider Bedrohungen (09.45 Uhr). Bei dem Treffen in der Marineschule in Flensburg soll es nach Angaben von Dobrindts Ministerium darum gehen, gemeinsam "Strategien für eine bessere Aufklärung, Abschreckung und Abwehr" zu beraten. "Fremde Mächte versuchen täglich, Demokratie, Sicherheit und Wirtschaftskraft in der EU anzugreifen und zu schwächen", hieß es in einer Erklärung.

Misstrauensvotum gegen Regierungschef Voigt auf AfD-Antrag in Thüringer Landtag

Der Thüringer Landtag stimmt am Freitag (09.00 Uhr) über ein konstruktives Misstrauensvotum gegen Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) ab. Die AfD brachte bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr einen solchen Antrag gegen Voigt ein. AfD-Fraktionschef Björn Höcke begründete dies unter anderem mit dem Entzug von Voigts Doktortitel durch die Technische Universität Chemnitz und einem dadurch entstandenen Vertrauensverlust.

Zentralratschef Schuster warnt eindringlich vor AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat mit Blick auf die bevorstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt eindringlich vor der AfD gewarnt. Der dortige Urnengang am 6. September werde "für das demokratische Zentrum unseres Landes zur Bewährungsprobe", sagte Schuster dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). AfD-Politiker wie der dortige Spitzenkandidat Ulrich Siegmund oder Landes-Vize Hans-Thomas Tillschneider seien "erklärte Gegner unserer offenen Gesellschaft".

Textgröße ändern: