Pallade Veneta - Sicherheitsexperten: Putin wird aus Angriff politisches Kapital schlagen

Sicherheitsexperten: Putin wird aus Angriff politisches Kapital schlagen


Sicherheitsexperten: Putin wird aus Angriff politisches Kapital schlagen
Sicherheitsexperten: Putin wird aus Angriff politisches Kapital schlagen / Foto: Tatiana MAKEEVA - AFP

Nach dem tödlichen Angriff auf eine Konzerthalle nahe Moskau rechnen deutsche Sicherheitsexperten damit, dass Präsident Wladimir Putin daraus politisches Kapital schlagen wird. "Putin wird diese Anschläge ausnutzen, um innere Säuberungen vorzunehmen und möglicherweise auch um noch mehr Brutalität und Unmenschlichkeit nach innen und nach außen zu rechtfertigen", sagte der Militärexperte Nico Lange, Mitglied der Münchner Sicherheitskonferenz, der "Bild am Sonntag".

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Putin habe Warnungen vor Anschlägen ignoriert und die innere Sicherheit des Landes zugunsten des Krieges vernachlässigt, fuhr Lange fort. Das räche sich nun. "So oder so" werde Russland zudem westliche Geheimdienste, die Ukraine und die Nato verantwortlich machen, "auch um vom Versagen Putins abzulenken".

Ähnlich äußerte sich in der Zeitung der Politikwissenschaftler Thomas Jäger. Er rechne damit, dass Putin den Angriff mit über 130 Toten nutzen werde, um Russland "als bedroht darzustellen, als von Feinden umgeben, gegen die es mit aller Gewalt vorgehen muss". Das bedeute, die Repression im Inneren zu verstärken und nach außen den Krieg gegen die Ukraine zu intensivieren. Gleichzeitig dürften die "Desinformationskampagnen gegen demokratische Staaten hochgefahren" werden, vermutete der Lehrstuhlinhaber für Internationale Politik an der Universität Köln.

Zu dem Angriff vom Freitagabend hatte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannt. Sie veröffentlichte auch ein mutmaßlich von den Angreifern gedrehtes Tatvideo. Zu sehen und zu hören sind darauf mehrere mit Sturmgewehren und Messern bewaffnete Menschen, die offenbar in der Eingangshalle der Crocus City Hall im Moskauer Vorort Krasnogorsk Schüsse abfeuern.

Der IS hatte sich bereits kurz nach der Tat zu dem Überfall bekannt. Die russischen Behörden gingen jedoch nicht auf dieses Bekenntnis ein. Vielmehr stellte Putin in einer Fernsehansprache eine Verbindung der mutmaßlichen Täter zur Ukraine auf. Die Regierung in Kiew wies jegliche Verwicklung in die Angriff zurück.

Der CDU-Sicherheitsexperte Roderich Kiesewetter brachte auch eine mögliche Urheberschaft von Russland selbst ins Spiel: "Ausgeschlossen werden kann zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht, dass es sich um eine False-Flag-Operation Russlands selbst handelt, auch wenn ein islamistischer Hintergrund durchaus wahrscheinlich erscheint, zumal sich der IS dazu bekannte", sagte er ebenfalls der "Bild am Sonntag".

Kiesewetter rechnet zudem mit einer neuen Mobilisierungswelle nach dem Angriff. Mit seinen Schuldzuweisungen an die Ukraine arbeite er daran, "diesen Terroranschlag taktisch für seine Kriegsführung zu nutzen", sagte auch er der Zeitung.

C.Conti--PV

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