Pallade Veneta - Tag der Trauer in Russland nach Angriff auf Konzertsaal mit mehr als 130 Toten

Tag der Trauer in Russland nach Angriff auf Konzertsaal mit mehr als 130 Toten


Tag der Trauer in Russland nach Angriff auf Konzertsaal mit mehr als 130 Toten
Tag der Trauer in Russland nach Angriff auf Konzertsaal mit mehr als 130 Toten / Foto: Olga MALTSEVA - AFP

Nach dem Angriff auf einen Konzertsaal bei Moskau mit mehr als 130 Toten hat Russland am Sonntag einen nationalen Tag der Trauer begangen. "Das ganze Land trauert mit den Menschen, die ihre Angehörigen bei dieser unmenschlichen Tragödie verloren haben", hieß es im staatlichen Fernsehen. Während die Dschihadistenmiliz IS den Angriff für sich reklamierte, sprach der russische Staatschef Wladimir Putin von Spuren in die Ukraine.

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Maskierte Angreifer waren am Freitagabend in die voll besetzte Crocus City Hall im nordwestlich gelegenen Moskauer Vorort Krasnogorsk eingedrungen und hatten dort das Feuer eröffnet. Nach Angaben des russischen Ermittlungskomitees vom Sonntag wurden mindestens 137 Menschen getötet, darunter drei Kinder.

Die russischen Behörden gehen davon aus, dass die Zahl der Opfer weiter steigen wird. Mehr als 150 Menschen wurden demnach bei dem Angriff verletzt. 107 Menschen seien noch im Krankenhaus - viele von ihnen schwebten in Lebensgefahr, sagt Vize-Ministerpräsidentin Tatjana Golikowa.

In Moskau standen Bürger im Regen in langen Warteschlangen, um Blut für die Verletzten zu spenden. Trauernde legten Blumen vor dem Konzertsaal ab. Gedenkposter mit einer Kerze ersetzten einige der großen Werbetafeln in der russischen Hauptstadt. Große Veranstaltungen im Land wurden abgesagt; Museen, Theater und Kinos schlossen über das Wochenende.

Die vier Angreifer seien "alle ausländische Staatsbürger", hatte am Samstag das Innenministerium erklärt, ohne genaue Angaben zur Nationalität der Verdächtigen zu machen. Putin gab persönlich die Festnahme "aller vier Angreifer" in einer Fernsehansprache bekannt. Sie seien festgenommen worden, als "sie sich in Richtung Ukraine bewegten". Nach ersten Erkenntnissen sei dort ein Zeitfenster für ihren Grenzübertritt vorbereitet worden, sagte der Kreml-Chef.

Diese Angaben wurden von Kiew vehement zurückgewiesen. Putin und seine Gefolgsleute "versuchen einfach nur, jemand anderes die Schuld zu geben", sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Videoansprache.

Putin-Getreue plädierten derweil für die Wiedereinführung der Todesstrafe. "Es wird eine Entscheidung getroffen werden, die der Stimmung und den Erwartungen unserer Gesellschaft entspricht", sagte der Fraktionschef der Regierungspartei Geeintes Russland, Wladimir Wassiljew. Die Todesstrafe ist in Russland seit 1996 per Moratorium ausgesetzt.

Zu einer Erklärung des IS, in der die Miliz den Angriff für sich reklamierte, sagte Putin zunächst nichts. Der IS hingegen, der gegen Russland in Syrien kämpft und auch in der russischen Kaukasusregion aktiv ist, bekräftigte am Samstag im Onlinedienst Telegram seine Verantwortung für den Angriff. "Der Anschlag wurde von vier IS-Kämpfern verübt", erklärte die Miliz. Der Anschlag sei Teil des "natürlichen Kontextes des tobenden Krieges" mit den "Ländern, die den Islam bekämpfen".

In einem Kanal im Onlinedienst Telegram, der nach Angaben des US-Unternehmens Site typischerweise von den Dschihadisten genutzt wird, wurde ein Video verbreitet, das mutmaßlich von den Angreifern gedreht wurde. Zu sehen und zu hören sind darauf mehrere mit Sturmgewehren und Messern Bewaffnete, die offenbar in der Eingangshalle der Crocus City Hall Schüsse abfeuern.

Später berichteten russische Medien und ein Abgeordneter, dass manche der festgenommenen Verdächtigen aus Tadschikistan stammten. Nach Angaben des Kreml telefonierte Putin mit Tadschikistans Präsident Emomali Rachmon und vereinbarte eine verstärkte Zusammenarbeit in der Bekämpfung des Terrorismus.

Das russische Staatsfernsehen zeigte am Samstagabend Aufnahmen von der Festnahme und den Verhören der vier mutmaßlichen Angreifer. Laut russischem Ermittlungskomitee wurden die vier Angreifer in der an die Ukraine und Weißrussland grenzende Region Brjansk festgenommen. Dort und am Tatort seien Waffen und Munition gefunden worden. Insgesamt sprach der Kreml von elf Festnahmen.

Die US-Botschaft in Moskau hatte ihre Landsleute vor zwei Wochen vor einem möglicherweise geplanten Anschlag in der russischen Hauptstadt gewarnt. Dieser könne sich gegen eine große Versammlung und auch gegen ein Konzert richten, hieß es. Nach US-Angaben wurden diese Informationen auch den russischen Behörden zur Verfügung gestellt.

Das Weiße Haus in Washington benannte den IS als "gemeinsamen terroristischen Feind". Die USA "verurteilen nachdrücklich die abscheuliche terroristische Attacke von Moskau", fügte Karine Jean-Pierre, die Sprecherin von Präsident Joe Biden, hinzu. Die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates, Adrienne Watson, betonte am Sonntag: "Es gab keinerlei ukrainische Beteiligung".

L.Barone--PV

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