Pallade Veneta - Rekordschaden in Milliardenhöhe durch Organisierte Kriminalität

Rekordschaden in Milliardenhöhe durch Organisierte Kriminalität


Rekordschaden in Milliardenhöhe durch Organisierte Kriminalität
Rekordschaden in Milliardenhöhe durch Organisierte Kriminalität / Foto: Odd ANDERSEN - AFP/Archiv

Drogenhandel, Geldwäsche, Cyberkriminalität: Die Schäden durch Organisierte Kriminalität in Deutschland haben im vergangenen Jahr ein Rekordniveau erreicht. Die Schadenssumme aller registrierten Fälle lag im Jahr 2023 bei rund 2,7 Milliarden Euro, wie aus dem am Donnerstag vorgestellten Lagebild des Bundeskriminalamts (BKA) hervorgeht. Das ist mehr als eine Verdopplung des Vorjahreswertes und fast dreimal so viel wie der Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.

Textgröße ändern:

Nur 2021 lag diese Zahl dem Bericht zufolge ansatzweise ähnlich hoch - damals bei rund 2,2 Milliarden Euro. Ansonsten waren die Schadenssummen seit der erstmaligen Veröffentlichung 2003 deutlich niedriger.

Die höchsten Schäden wurden im Jahr 2023 erneut im Bereich Cyberkriminalität festgestellt. Hier belief sich die Summe auf 1,7 Milliarden Euro nach 588 Millionen im Vorjahr. Bei Steuer- und Zolldelikten verursachten die Kriminellen 470 Millionen Euro Schaden - im Vorjahr waren es noch 200 Millionen Euro.

"Die wirtschaftlichen Schäden sind enorm", sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) bei der Vorstellung des Lageberichts in Berlin. Laut BKA-Chef Holger Münch entfielen von der Schadenssumme bei Cyberkriminalität allein 1,5 Milliarden Euro auf ein einziges Ermittlungsverfahren.

Insgesamt bleibt das Ausmaß der Organisierten Kriminalität auf einem hohen Niveau. 2023 stieg die Zahl der Ermittlungsverfahren in dem Bereich noch einmal leicht auf 642 (Vorjahr: 639). Dies ist der zweithöchste Stand der vergangenen zehn Jahre - nur 2021 lag die Zahl mit 696 höher, davor seit 2014 immer unter 600. Die meisten Verfahren wurden im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen geführt (132), gefolgt von Niedersachsen (87), Bayern (80) und Berlin (66).

Der größte Teil der Fälle wurde 2023 der Drogenkriminalität zugeordnet. Hier wurden 264 Verfahren geführt, was 41 Prozent aller Verfahren ausmacht. Das Hauptaugenmerk der Ermittler liegt hier auf der Bekämpfung der Schmugglerrouten von Lateinamerika über die großen Seehäfen in Deutschland, Belgien und den Niederlanden nach Europa. Im Hamburger Hafen etwa hätten sich die sichergestellten Mengen von Kokain in den vergangenen fünf Jahren verdreifacht, betonte Faeser.

Die Ministerin warnte bei der Drogenkriminalität auch vor einer "Gewaltspirale" bei den Kriminellen: "Mit dem großen Geld kommen auch die Waffen." BKA-Chef Münch sieht bei den Tätergruppierungen ein "sehr hohes Gewalt- und Bedrohungspotenzial".

Um die Drogenkriminalität, insbesondere mit Kokain, in den Griff zu bekommen und den Konsum einzudämmen, sei aber nicht die Polizei, sondern auch die Gesundheitspolitik gefragt, betonte Münch. "Wir müssen auch in Prävention mehr investieren, um Heranwachsende von dem Konsum abzuhalten."

58 Verfahren wurden im Bereich Schleuserkriminalität geführt. Über alle Bereiche hinweg ermittelten die Strafverfolgungsbehörden 7347 Tatverdächtige. Das waren 91 mehr als im Vorjahr. 32,5 Prozent davon waren Deutsche, 57,8 Prozent hatten keinen deutschen Pass.

Faeser verwies vor diesem Hintergrund auf das vergangene Woche in der Bundesregierung vereinbarte Sicherheitspaket, das auch die schnellere Abschiebung von kriminellen Ausländern vorsieht. "Wir haben eine weiter steigende Zahl nicht-deutscher Tatverdächtiger", sagte sie. Der müsse "mit konsequenter Strafverfolgung, aber auch mit Ausweisungen und Abschiebungen" begegnet werden.

Bei 9,7 Prozent der Tatverdächtigen konnte die Staatsangehörigkeit den Angaben zufolge nicht geklärt werden. "Besonders im virtuellen Raum ist die Identifizierung von Tatverdächtigen oftmals schwer", sagte Münch.

Aus der Union kam Kritik an der Sicherheitspolitik Faesers. "Frau Faeser betont immer wieder, man werde bestmöglichen Ermittlungsdruck erzeugen", sagte der innenpolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Alexander Throm (CDU) der Nachrichtenagentur AFP. "Darüber kann ich nur noch den Kopf schütteln. Es ist doch gerade die aktuelle Bundesregierung, die sich wieder und wieder gegen den Einsatz der zulässigen IP-Adressen-Speicherung sperrt." Wer den Datenschutz überhöhe, schütze "am Ende nur die Täter."

J.Lubrano--PV

Empfohlen

"Todernst": Warschau alarmiert über Hinweise auf "Attentatsversuch" gegen Tusk

Hinweise auf einen "möglichen Attentatsversuch" gegen Ministerpräsident Donald Tusk und Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz haben in Polen höchste Sorge ausgelöst. Für Sonntag wurde nach Angaben des Innenministeriums eine Dringlichkeitssitzung im Terror-Abwehrzentrum des Inlandsgeheimdienstes einberufen. "Wir nehmen diese Angelegenheit todernst", sagte ein Sprecher des für die Koordination der Geheimdienste zuständigen Ministers.

Indien: "Kakerlaken"-Bewegung will Proteste trotz Festnahmen fortsetzen

Mit massiven Mitteln sind die indischen Behörden am Wochenende gegen die Proteste der sogenannten Kakerlakenbewegung (CJP) vorgegangen und haben eine geplante Massen-Demonstration verhindert. Die Sicherheitskräfte nahmen tausende Menschen fest, darunter auch den CJP-Gründer Abhijeet Dipke. Dipke kam am Sonntag wieder frei, erhielt aber die Auflage, "die öffentliche Ordnung nicht mehr zu stören". Er und weitere CJP-Anführer riefen dennoch zur Fortsetzung der Proteste auf.

CDU will bei Klausurtagung zurück "zu alter Stärke"

Vertrauen zurückgewinnen und die Volkspartei wiederbeleben: Bei ihrer zweitägigen Klausurtagung in Berlin will die CDU-Spitze die jüngsten Wahlschlappen aufarbeiten und den Weg für die anstehenden Reformen abstecken. Das Treffen wurde am Sonntag von neuen Störfeuern aus der Union begleitet: Ex-CSU-Chef Horst Seehofer bescheinigte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) einen "massiven Glaubwürdigkeitsverlust". Ein weiteres heißes Eisen ist der Umgang der CDU mit der AfD.

Bartsch weist Kritik an Antisemitismus-Einigung der Berliner Linken zurück

Der Linken-Politiker Dietmar Bartsch hat die massive Kritik aus Teilen seiner Partei an der von der Berliner Linken, den Grünen und der SPD vorgestellten Einigung zum Umgang mit Antisemitismus zurückgewiesen. "Es ist kein Zufall, dass es vor allen Dingen Menschen sind, die nie Koalitionsverhandlungen geführt haben, in keinem Landtag vertreten sind und nahezu durchgängig aus dem Westen kommen", sagte der ehemalige Chef der Linken-Bundestagsfraktion dem "Tagesspiegel" laut Mitteilung vom Sonntag.

Textgröße ändern: