Pallade Veneta - Nach Scheitern von Sondierungen in Sachsen weiteres Vorgehen noch offen

Nach Scheitern von Sondierungen in Sachsen weiteres Vorgehen noch offen


Nach Scheitern von Sondierungen in Sachsen weiteres Vorgehen noch offen
Nach Scheitern von Sondierungen in Sachsen weiteres Vorgehen noch offen / Foto: RALF HIRSCHBERGER - AFP/Archiv

Nach dem Scheitern der Sondierungsgespräche von CDU, BSW und SPD in Sachsen ist das weitere Vorgehen zur Bildung einer möglichen Landesregierung noch offen. Zunächst wollen sich die Parteigremien von CDU und SPD beraten. Die konservative Heimatunion innerhalb der sächsischen CDU sieht nun "eine große Chance" für eine Minderheitsregierung, wie ihr Vorsitzender Sven Eppinger am Donnerstag in Dresden erklärte. Die SPD steht weiterhin für eine Regierungsbeteiligung bereit.

Textgröße ändern:

Die Sondierungen über eine mögliche Regierungsbildung platzten am Mittwoch. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) machte dafür einen fehlenden Einigungswillen von CDU und SPD bei der umstrittenen Friedensformel, beim Thema Migration und bei der Finanzpolitik verantwortlich. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) wies hingegen der BSW-Bundesvorsitzenden Sahra Wagenknecht die Schuld am Scheitern der Gespräche zu.

Der Ausstieg des BSW aus den Sondierungen habe bestätigt, dass es dem BSW "nicht um das Wohl des Freistaats, sondern um seine eigenen ideologischen Interessen geht", erklärte der Vorsitzende der Heimatunion, Sven Eppinger. "Die jetzige Situation eröffnet eine große Chance für unsere Heimat - eine Minderheitsregierung, die frei von ideologischen Scheuklappen konsequent die Interessen Sachsens verfolgt und die Erfolgsgeschichte des Freistaats fortschreibt."

Als Grundlage dafür sieht die Heimatunion, eine konservative Strömung innerhalb der Sachsen-CDU, das von der Partei erarbeitete Regierungsprogramm. Auf dieser Basis könnten sich "für alle vernünftigen Vorhaben im Landtag (wechselnde) Mehrheiten finden".

Der Kovorsitzende der sächsischen SPD, Henning Homann, bekräftigte am Donnerstag, seine Partei sei "weiter bereit, Verantwortung zu übernehmen". "Gerade jetzt braucht Sachsen eine handlungsfähige Regierung, ohne die Rechtspopulisten", schrieb Homann auf Facebook.

Eine schwarz-rote Minderheitsregierung ist für Kretschmer die einzige Option, um Neuwahlen zu vermeiden. Für eine Fortsetzung der derzeitigen Regierung von CDU, SPD und Grünen reicht es nicht mehr. Den Grünen erteilte Kretschmer ohnehin bereits vor der Wahl eine Absage. Er betrachtet eine Zusammenarbeit nur als Notlösung. Eine Kooperation mit Linken und AfD schließt er strikt aus.

Der AfD-Fraktionsvorsitzende Jörg Urban zeigte sich dennoch weiter "gesprächsbereit". "Die Brandmauer muss weg", forderte Urban am Donnerstag.

Die Linke im sächsischen Landtag stellte am Mittwoch in Aussicht, "die aktuelle Regierung aus CDU, SPD und Grünen bis zum Beschluss eines verantwortungsvollen Haushalts zu tolerieren".

Die Grünen äußerten sich bislang zurückhaltend. Fraktionschefin Franziska Schubert betonte: "Reden kann man immer." Sie verwies mit Blick auf die CDU zugleich auf die vielen im Wahlkampf entstandenen "Verletzungen". Sie sehe die Grünen daher "nicht in einer proaktiven Rolle".

Die Parteigremien von CDU und SPD wollen in den kommenden Tagen über das weitere Vorgehen beraten. Für den weiteren Zeitplan ist besonders die Frist zur Wahl des Ministerpräsidenten relevant. Dieser muss laut Landesverfassung innerhalb von vier Monaten nach der Konstituierung des neuen Landtags gewählt werden - der späteste Termin dafür wäre der 3. Februar.

G.Riotto--PV

Empfohlen

Zentralrat der Juden kritisiert Berliner Vereinbarung zu Antisemitismus

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hält die jüngste Vereinbarung von Linken, Grünen und SPD in Berlin zur Bekämpfung des Antisemitismus für unzureichend. In dem Papier sei von "'Sanktionsmechanismen' bei antisemitischen Vorfällen in den Fraktionen" die Rede, sagte Schuster dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Freitagsausgaben). Für Sanktionen gebe es bei der Linkspartei "seit Monaten zahlreiche, schwerwiegende Anlässe". Konsequenzen, die über Lippenbekenntnisse hinausgingen, gebe es aber bis heute nicht.

Internationaler Strafgerichtshof bezeichnet Duterte als verhandlungsfähig

Der wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) angeklagte frühere philippinische Präsident Rodrigo Duterte ist aus Sicht des Tribunals verhandlungsfähig. Das Gericht zeigte sich nach eigenen Angaben vom Donnerstag "überzeugt, dass der Angeklagte in der Lage ist, seine mit einem gerechten Verfahren verbundenen Rechte wirksam auszuüben". Die Einschätzung beruhe auf Angaben unabhängiger Sachverständiger sowie auf Angaben beteiligter Parteien.

Koalitionsausschuss lässt Fragen offen: "Gute Atmosphäre" aber wenig Greifbares

Ein "gutes Treffen" im Kanzleramt - aber keine greifbaren Ergebnisse: Beim mit Spannung erwarteten Koalitionsausschuss sind viele Fragen offen geblieben. Nach Angaben von Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) vereinbarten Union und SPD die "nächsten Schritte" bei den anstehenden Reformen. Beim Thema Rente gebe es allerdings "einige Klärungspunkte in der Koalition", sagte der SPD-Chef am Donnerstag in Luxemburg. Das deutsche Handwerk kritisierte, ein überzeugender Reformzeitplan sei "nicht erkennbar".

Stadt Mannheim muss umstrittenen Artikel zu Swingerparty doch veröffentlichen

Die Stadt Mannheim muss einen umstrittenen Artikel des fraktionslosen Stadtrats Julien Ferrat im Zusammenhang mit einer Swingerparty veröffentlichen. Der baden-württembergische Verwaltungsgerichtshof wies nach Angaben vom Donnerstag eine Beschwerde von Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) dagegen zurück. In dem Artikel kritisiert Ferrat die Stadt wegen Nichtveröffentlichung zweier Beiträge über eine mögliche Swingerparty im Rathaus.

Textgröße ändern: