Pallade Veneta - IMK: Neue Regierung muss in Wirtschaftspolitik geopolitische Änderungen beachten

IMK: Neue Regierung muss in Wirtschaftspolitik geopolitische Änderungen beachten


IMK: Neue Regierung muss in Wirtschaftspolitik geopolitische Änderungen beachten
IMK: Neue Regierung muss in Wirtschaftspolitik geopolitische Änderungen beachten / Foto: John MACDOUGALL - AFP

Die Schwäche der deutschen Wirtschaft in den vergangenen Jahren ist nach Einschätzung der Hans-Böckler-Stiftung vor allem eine Folge der veränderten weltweiten geopolitischen Rahmenbedingungen. Dies müsse die neue Bundesregierung bei ihrer künftigen Wirtschaftspolitik berücksichtigen, um die Konjunktur wieder anzukurbeln, erklärte das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung am Mittwoch in Berlin. Debatten über vermeintlich überhöhte Sozialausgaben oder falsche Anreize für Bürgergeldempfänger lenkten hingegen von den "wahren Problemen" ab.

Textgröße ändern:

Die deutsche Wirtschaft "leidet unter der Verschiebung geopolitischer Machtverhältnisse", sagte IMK-Direktor Sebastian Dullien. Die seit Jahren anhaltende Stagnation der Konjunktur "ist nicht auf überhöhte Lohnkosten oder hohe Sozialausgaben zurückzuführen, sondern sie ist vor allem Konsequenz von sich verändernden weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen". Dabei gehe es in erster Linie um den Machtkampf zwischen den USA und China, hinzu komme der "Energiepreisschock" nach dem Wegfall von russischem Gas.

Die USA und China hätten in den vergangenen Jahren ihre industrie- und handelspolitischen Aktivitäten hingegen "massiv verstärkt", erklärten die Forschenden und warnten vor verkürzten Analysen als Lösungen: "Herausforderungen durch aggressive Industriepolitik in China und den USA sowie das Risiko eines globalen Handelskrieges wird mit Debatten über vermeintlich überhöhte Sozialausgaben oder falsche Anreize für Bürgergeldempfänger*innen begegnet." Außerdem sei die Zinssenkungspolitik der Europäischen Zentralbank zu "zögerlich".

Stattdessen müsse es vor allem eine Investitionsoffensive geben, um die Infrastruktur zu modernisieren, forderte das IMK der gewerkschaftsnahen Stiftung, "von Schienen, Straßen, Netzwerkkabeln, Stromnetzen bis zu Schulen". Außerdem müsse das Problem hoher und volatiler Strompreise angegangen werden - kurzfristig über einen Brückenstrompreis und längerfristig durch eine Finanzierung des Netzausbaus über öffentliche Kredite.

Nicht zuletzt müsse der Fokus auf einer EU-koordinierten neuen Industriepolitik liegen, um sich nicht "verdrängen" zu lassen, führte Dullien aus. Die EU-Handelspolitik müsse "offen, aber wehrhaft" reagieren, wenn insbesondere China und die USA in einem ökonomischen Ringen "um die globale Vorherrschaft" zunehmend Regeln der Welthandelsorganisation ignorierten, rieten die Forschenden.

In Deutschland müssten der Dienstleistungssektor und das verarbeitende Gewerbe gefördert werden. Die neue Bundesregierung müsse verhindern, "dass strategisch wichtige Industriebereiche wegbrechen". Dazu sei auch eine Reform der Schuldenbremse nötig, die in ihrer aktuellen Form "dringend notwendige Investitionen, Wachstum und Modernisierung verhindert". Dabei habe Deutschland "mit Abstand die niedrigste Staatsverschuldung unter den Ländern der G7".

Für das laufende Jahr erwartet das IMK lediglich ein Wachstum der deutschen Wirtschaftsleistung von 0,1 Prozent.

P.Colombo--PV

Empfohlen

Krise in Rumänien: Präsident nominiert vierten Kandidaten für Amt des Regierungschefs

Inmitten der anhaltenden politischen Krise in Rumänien hat Präsident Nicusor Dan zum vierten Mal einen neuen Regierungschef nominiert. Der Pro-Europäer Dan schlug am Montag den parteilosen 55-jährigen Diplomaten und ehemaligen Journalisten Luca Niculescu als neuen Ministerpräsidenten vor. "Ich habe den Menschen ausgewählt, der die besten Chancen hat, eine Mehrheit zu bilden", sagte Dan vor Journalisten.

Trump: Haben Bomber nach "Drohungen" von britischem Militärstützpunkt abgezogen

Der Abzug von B-1-Bombern der US-Armee vom britischen Luftwaffenstützpunkt Fairford ist nach Angaben von US-Präsident Donald Trump wegen "Drohungen" erfolgt. "Es gab Drohungen, also haben wir sie, statt den Feind in Versuchung zu bringen, ein wenig verlegt, nicht sehr weit", sagte Trump am Montag mit Blick auf die US-Flugzeuge vor Journalisten im Weißen Haus. Die Menschen, von denen diese Drohungen ausgegangen seien, "sind mit dem Iran verbunden", fügte Trump hinzu.

Iranischer Präsident nennt Verhandlungen mit den USA "sinnlos"

Die Verhandlungen zwischen Teheran und Washington über ein Ende des Iran-Krieges sind nach iranischen Angaben "sinnlos". "Bislang haben sie uns nach Gesprächen dreimal angegriffen. Das zeigt, dass sie keinen Dialog anstreben, sondern die Islamische Republik zerstören wollen", erklärte der iranische Präsident Massud Peseschkian nach Angaben der Nachrichtenagentur Irna vom Montag.

Wadephul sieht "weitergehende Pläne" Moskaus über die Ukraine hinaus

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) sieht "weitergehende Pläne" des Kremls über den Krieg gegen die Ukraine hinaus. Die Bundesregierung müsse davon ausgehen, dass zu diesen auch Ansprüche auf Georgien, Moldau und das Baltikum gehören könnten, sagte Wadephul am Montagabend in der ntv-Sendung "Pinar Atalay". "Und damit sind wir dann selbst auch betroffen als Alliierte", fügte er hinzu.

Textgröße ändern: