Pallade Veneta - Deutsche Politiker verurteilen parteiübergreifend Festnahme Imamoglus in Türkei

Deutsche Politiker verurteilen parteiübergreifend Festnahme Imamoglus in Türkei


Deutsche Politiker verurteilen parteiübergreifend Festnahme Imamoglus in Türkei
Deutsche Politiker verurteilen parteiübergreifend Festnahme Imamoglus in Türkei / Foto: Yasin AKGUL - AFP

Deutsche Politikerinnen und Politiker haben parteiübergreifend die Festnahme des prominenten türkischen Oppositionspolitikers Ekrem Imamoglu und zahlreicher weiterer Menschen in der Türkei verurteilt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan fürchte sich vor "starken Konkurrenten wie Imamoglu, die für Freiheit und eine pluralistische Gesellschaft stehen", sagte der Grünen-Politiker Cem Özdemir, dessen Familie selbst türkische Wurzeln hat, dem "Spiegel".

Textgröße ändern:

"Erdogan hat Angst vor Wahlen, selbst wenn es unfaire Wahlen sind", sagte der Bundeslandwirtschafts und -forschungsminister weiter. Der Istanbuler Bürgermeister Imamoglu sollte in den kommenden Tagen als Präsidentschaftskandidat der oppositionellen CHP in der Türkei nominiert werden. Erdogan reagiere darauf nach dem "Autokraten-Drehbuch", sagte Özdemir: "Wer ihm gefährlich werden kann, kommt ins Gefängnis."

"Die Festnahme von Istanbuls Oberbürgermeister Ekrem Imamoglu ist ein schwerer Angriff auf die Demokratie in der Türkei", erklärte SPD-Chef Lars Klingbeil in Berlin. Er wies darauf hin, dass Imamoglu zuvor bereits sein Universitätsabschluss aberkannt worden sei. "Der Versuch, ihn aus dem politischen Wettbewerb auszuschalten, ist unübersehbar", erklärte Klingbeil dazu weiter.

Der SPD-Chef forderte die sofortige Freilassung des Politikers. Er betonte die Solidarität der SPD mit "Imamoglu, unserer Schwesterpartei CHP und allen heute Festgenommenen." Er stellte klar: "Politische Willkür darf nicht die Zukunft der Türkei bestimmen." Mit ihrem Vorgehen zeige die türkische Regierung, "dass sie keine fairen Wahlen und keinen unabhängigen Rechtsstaat mehr will".

Der CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt nannte die Festnahmen "eine weitere Eskalation des Kampfes Erdogans gegen die Opposition". Nun werde die türkische Justiz sogar "gegen führende Repräsentanten mit breitem Rückhalt in der Bevölkerung instrumentalisiert", sagte Hardt ebenfalls dem "Spiegel". Er hoffe "auf eine pluralistische und demokratische Türkei als enger Partner Deutschlands und der EU", betonte der CDU-Politiker, doch "die aktuelle Entwicklung spricht leider dagegen".

Die CDU-Verteidigungspolitikerin Serap Güler, deren Eltern einst als sogenannte Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland kamen, nannte die Festnahme von Imamoglu eine Art Staatsstreich. Die Maßnahmen der türkischen Führung "wirken wie ein Staatsstreich, um ernsthafte Konkurrenten aus dem Weg zu räumen", sagte sie. "Alle Ebenen in der Türkei sind jetzt gefordert, die Rückkehr zur Rechtsstaatlichkeit zu gewährleisten", forderte Güler im "Spiegel" weiter.

"Freie Wahlen und ein fairer Wettbewerb um das türkische Präsidialamt wurden heute angegriffen", erklärte der Vorsitzende der deutsch-türkischen Parlamentariergruppe, Max Lucks (Grüne), in Berlin. Auch Lucks, der Mitglied des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages ist, wertete die Festnahme Imamoglus als Versuch Erdogans, seinen schärfsten Konkurrenten auszuschalten. "Jeder Angriff auf die Demokratie in der Türkei ist auch ein Angriff auf die deutsch-türkischen Beziehungen", warnte der Grünen-Politiker weiter.

Lucks wies auch darauf hin, dass damit ein System von Einschüchterungsversuchen durch eine "politisierte Justiz" fortgesetzt werde, das in der Türkei schon länger aus stark von Kurdinnen und Kurden bewohnten Provinzen bekannt sei. Der Grünen-Politiker erinnerte an "Bilder von Polizisten, die die Häuser von demokratisch gewählten Bürgermeistern und Kommunalpolitikern umstellen". Dass dabei "die Staatsgewalt für die eigenen Wahlergebnisse perfide eingesetzt wird, ist der eigentliche Missbrauch", fügte er hinzu.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird gegen Imamoglu wegen Vorwürfen der Korruption und Erpressung ermittelt. Auch soll er Anführer einer "kriminellen Organisation" sein und "Terrorismus" unterstützen. Festgenommen wurden auch mehr als hundert weitere Beschuldigte, unter ihnen Mitarbeitende des Bürgermeisters, Abgeordnete und Mitglieder seiner linksnationalistischen Partei CHP.

L.Barone--PV

Empfohlen

Israelische Armee führt Sprengungen nahe eingenommener Burg Beaufort im Libanon aus

Die israelische Armee hat eigenen Angaben zufolge eine Reihe von Sprengungen nahe der mittelalterlichen Kreuzfahrerburg Beaufort im Süden des Libanon ausgeführt. Mit rund 700 Tonnen Sprengstoff habe die Armee "Terror-Tunnel im Gebiet von Beaufort" zerstört, gaben der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz in einer gemeinsamen Erklärung am Freitag bekannt. Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete von "sehr starken Explosionen" nahe der Festung.

Zahl der Abschiebungen im ersten Halbjahr sinkt im Jahresvergleich

In der ersten Hälfte des laufenden Jahres sind weniger Migranten in ihre Heimatländer abgeschoben worden als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das Bundesinnenministerium bezifferte die Zahl der Abschiebungen von Jahresbeginn bis Ende Juni auf insgesamt 9663; im ersten Halbjahr 2025 waren es noch 11.807 gewesen. Das CSU-geführte Ministerium nannte die Zahlen in der Antwort auf eine Anfrage des AfD-Bundestagsabgeordneten Leif-Erik Holm, die der Nachrichtenagentur AFP am Freitag vorlag.

Polizeikreise: 40.000 Migranten haben Grenze zwischen Marokko und Ceuta gestürmt

Rund 40.000 Migranten haben nach Angaben aus Polizeikreisen in den vergangenen Tagen die Grenze zwischen Marokko und der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika gestürmt. Die Ankunft von Migranten aus Marokko dauerte auch am Freitagmorgen an, wie es aus Polizeikreisen in Ceuta hieß. Insgesamt 18 Migranten seien bisher beim Versuch, Ceuta zu erreichen, ums Leben gekommen. Es ist die größte Zahl von nach Ceuta gekommenen Migranten seit 2021.

Polizeikreise: "Tausende" Migranten haben Grenze zwischen Marokko und Ceuta gestürmt

"Tausende" Migranten haben nach Angaben aus Polizeikreisen in der Nacht zum Freitag die Grenze zwischen Marokko und der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika gestürmt. Es sei nicht möglich, die genaue Anzahl zu ermitteln, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Polizeikreisen. Insgesamt 18 Migranten seien beim Versuch, Ceuta zu erreichen, ums Leben gekommen.

Textgröße ändern: