Pallade Veneta - Frühere Entwicklungsminister warnen Union und SPD vor Auflösung des Ressorts

Frühere Entwicklungsminister warnen Union und SPD vor Auflösung des Ressorts


Frühere Entwicklungsminister warnen Union und SPD vor Auflösung des Ressorts
Frühere Entwicklungsminister warnen Union und SPD vor Auflösung des Ressorts / Foto: JOHN MACDOUGALL - AFP/Archiv

Die frühere Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) und der frühere Minister Gerd Müller (CSU) haben Union und SPD mit Blick auf deren Koalitionsverhandlungen vor einer möglichen Auflösung des Ressorts sowie weiteren Etatkürzungen gewarnt. Dies werde für Deutschland "zu einem dramatischen Verlust an globalem Einfluss" führen, erklärten beide in einem gemeinsamen Gastbeitrag für den Berliner "Tagesspiegel". Ebenso wandten sie sich gegen eine Angliederung des Entwicklungsressorts an das Auswärtige Amt.

Textgröße ändern:

"Ob Deutschland ein Akteur oder nur ein Zaungast einer neuen globalen Ordnung wird, entscheidet sich auch daran, ob die deutsche Entwicklungspolitik Teil einer umfassenden Sicherheitsstrategie ist, bei der Diplomatie, Entwicklung und Verteidigung keine austauschbaren Prioritäten sind, sondern parallel gestärkt werden", schrieben Wieczorek-Zeul und Müller. "Sonst riskieren wir, genau die Sicherheit zu untergraben, die wir gewährleisten wollen", warnten sie.

Mitverfasst wurde der Beitrag der Zeitung zufolge auch von dem früheren Staatssekretär im damaligen britischen Entwicklungsministerium DFID und langjährigen UN-Spitzenbeamten Mark Lowcock. Die drei verweisen auf schlechte Erfahrungen Großbritanniens mit der Abschaffung des britischen Entwicklungsministerium.

"Soft Power“ sei „schwer aufzubauen, aber leicht zu verlieren“, warnen sie. "Deutschland sollte nicht den gleichen Fehler begehen" wie Großbritannien. Müller ist derzeit Generaldirektor der United Nations Industrial Development Organization (UNIDO).

Die drei Autorinnen und Autoren warnen auch vor "zusätzliche Kürzungen" bei der deutschen Entwicklungshilfe. Dies würde bedeuten, "dass Deutschland weitere Fähigkeiten verliert, internationale Angelegenheiten zu gestalten und Allianzen aufzubauen". Andere Länder würden "die Einladung dankend annehmen und das Vakuum nutzen". Es wäre "nicht ratsam, sich ein Beispiel an Präsident Donald Trump zu nehmen, der gerade die US-Entwicklungspolitik zerstört", heißt es in dem Text.

"Klima- und Naturschutz brauchen ein starkes Entwicklungsministerium – und keinen Kahlschlag", warnte auch der Umweltverband WWF. "Deutschland kann es sich nicht leisten, ausgerechnet jetzt auf der internationalen Bühne zurückzustecken", erklärte WWF-Vorständin Kathrin Samson. Das Land dürfe seine Verantwortung für den globalen Klima- und Biodiversitätsschutz "nicht einfach abgeben".

Überlegungen, das Entwicklungsministerium mit halbiertem Budget ins Auswärtige Amt einzugliedern, seien "ein Alarmsignal für den globalen Klima- und Naturschutz", hieß es in der Erklärung des WWF weiter. "In Zeiten wie diesen ist das fataler denn je". Der WWF wies auch darauf hin, dass das Entwicklungsministerium über Jahrzehnte ein einzigartiges Netzwerk und Know-how aufgebaut habe. Deutschland gelte weltweit als verlässlicher Partner in der Entwicklungszusammenarbeit. "Diese Position aufs Spiel zu setzen, ist kurzsichtig und der aktuellen Lage geopolitischer Neuordnung gefährlich", warnte der WWF.

B.Fortunato--PV

Empfohlen

"Politbarometer": Mehrheit findet Kabinettsumbildung gut - AfD weiter vorne

Die von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) durchgesetzte Neubesetzung von Spitzenämtern in der Bundesregierung stößt bei den Bürgerinnen und Bürgern grundsätzlich auf Zustimmung. In dem am Freitag veröffentlichten ZDF-"Politbarometer" befanden es 55 Prozent der Befragten für gut, dass in der Regierung einige Spitzenämter neu besetzt wurden. Unter den Anhängern aller Parteien mit Ausnahme der AfD gab es dafür mehrheitliche Zustimmung. 31 Prozent der Befragten gaben an, sie fänden die personellen Umbesetzungen schlecht.

Medienbericht: Trump ist "nicht sicher" über Patriot-Lizenzen für die Ukraine

US-Präsident Donald Trump ist einem Bericht der britischen "Financial Times" zufolge "nicht sicher", ob die US-Regierung der Ukraine Lizenzen für den Bau von Patriot-Luftabwehrraketen erteilen wird. "Wir prüfen das", sagte Trump der "Financial Times", wie die Tageszeitung am Donnerstag berichtete. "Es ist eine sehr außergewöhnliche Waffe, und wir müssen ein wenig vorsichtig sein, wem wir eine Lizenz erteilen", fügte er hinzu.

Bundestagsvizepräsident Ramelow für Abschaffung der Fünf-Prozent-Hürde

Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Die Linke) hat sich für die Abschaffung der Fünf-Prozent-Hürde ausgesprochen. "Die Debatte über die Senkung der Fünf-Prozent-Hürde ist notwendig", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Freitagsausgaben). "Wenn immer mehr Wähler ihre Stimmen nicht mehr repräsentiert sehen, dann gefährdet das die Demokratie."

Spanien entsendet Soldaten in Exklave Ceuta - Italien fordert Madrids Schengen-Ausschluss

Nach der Ankunft von mehr als 1500 Migranten binnen weniger Tage in Ceuta hat Spaniens Regierung die Entsendung von Soldaten in die spanische Exklave in Nordafrika angekündigt. Die Armee werde die Guardia Civil "beim Ausüben ihrer Befugnisse" in dem an Marokko grenzenden Gebiet unterstützen, erklärte Spaniens Innenministerium, Innenminister Fernando Grande-Marlaska wollte sich am Freitag vor Ort ein Bild von der Lage machen. Italien forderte angesichts der Entwicklungen den Ausschluss Spaniens aus dem Schengen-Raum.

Textgröße ändern: