Pallade Veneta - Verfassungsschutz setzt Einstufung von AfD als gesichert rechtsextremistisch aus

Verfassungsschutz setzt Einstufung von AfD als gesichert rechtsextremistisch aus


Verfassungsschutz setzt Einstufung von AfD als gesichert rechtsextremistisch aus
Verfassungsschutz setzt Einstufung von AfD als gesichert rechtsextremistisch aus / Foto: RALF HIRSCHBERGER - AFP/Archiv

Das Bundesamt für Verfassungsschutz setzt die Einstufung der AfD als gesichert rechtsextremistische Bestrebung vorläufig aus und bezeichnet die Partei öffentlich nicht mehr so. Diese sogenannte Stillhaltezusage gilt, bis das Verwaltungsgericht Köln über den Eilantrag der AfD entschieden hat, wie das Gericht am Donnerstag mitteilte. Mit der Einstufung legt der Verfassungsschutz auch die Beobachtung der Partei als gesichert rechtsextremistische Bestrebung auf Eis.

Textgröße ändern:

Wird eine Partei als gesichert rechtsextremistisch eingestuft, senkt das die Schwelle für Maßnahmen der Beobachtung und Informationsbeschaffung. Sie liegt dann niedriger, als wenn die Behörde eine Partei lediglich als Verdachtsfall führt, wie sie es bis Freitag vergangener Woche tat und nun vorläufig weiter so hält. Wann das Gericht über den Eilantrag der AfD entscheidet, ist noch nicht bekannt.

Am Freitag legte der Verfassungsschutz nach einer jahrelangen Prüfung die Neubewertung der AfD vor. Grund für die Einstufung sei eine "die Menschenwürde missachtende, extremistische Prägung der Gesamtpartei", hieß es. "Das in der Partei vorherrschende ethnisch-abstammungsmäßige Volksverständnis ist nicht mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung vereinbar", teilte der Verfassungsschutz in der vergangenen Woche mit. Die Neubewertung befeuerte auch eine neue Debatte über ein eventuelles Verbotsverfahren gegen die Partei.

Die AfD setzt sich juristisch gegen die Hochstufung zur Wehr. Sie reichte eine Klage und einen Eilantrag bei dem Kölner Gericht ein. Dieses ist zuständig, weil das Bundesamt für Verfassungsschutz dort seinen Sitz hat. Es urteilte bereits 2022 zur Einstufung der AfD als Verdachtsfall. Damals verlor die AfD, ebenso wie später vor dem nordrhein-westfälischen Oberverwaltungsgericht in Münster.

Auch in diesem Verfahren hatte die AfD Anfang 2021 einen Eilantrag in Köln gestellt, auch hier gab der Verfassungsschutz eine Stillhaltezusage ab. Da er sich daran nicht hielt, verpflichtete ihn das Verwaltungsgericht im März 2021 in einer Zwischenentscheidung dazu, die AfD vorläufig nicht als Verdachtsfall einstufen oder so zu behandeln. Das galt ebenfalls bis zur Entscheidung über den Eilantrag.

Diese war laut Gericht für Juli 2021 geplant, fiel aber schließlich wegen der späten Übersendung von Akten durch den Verfassungsschutz erst im März 2022, als auch schon das Urteil fiel. Der Eilantrag der AfD scheiterte damals ebenso wie ihre Klage.

Im aktuellen Rechtsstreit über die neue Einstufung als gesichert rechtsextremistisch traf das Verwaltungsgericht noch keine inhaltliche Entscheidung. In der Stillhaltezusage versicherte der Verfassungsschutz auch, die Pressemitteilung über die Einstufung von seiner Internetseite zu entfernen. Am Donnerstagmittag war die Mitteilung bereits nicht mehr abrufbar.

Die AfD-Vorsitzenden Tino Chrupalla und Alice Weidel bezeichneten die Stillhaltezusage als "Teilerfolg gegen den Verfassungsschutz".

A.Graziadei--PV

Empfohlen

Patriot-Lizenzen: Selenskyj lobt "gutes Treffen" mit Trump

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich nach seinem Gespräch mit US-Präsident Donald Trump in Washington zufrieden gezeigt. Es sei ein "gutes Treffen" gewesen, erklärte Selenskyj am Dienstag im Onlinedienst X. Er habe mit Trump unter anderem "über Lizenzen für die Produktion von Patriot-Abfangraketen" verhandelt. Ein weiteres Thema seien die Friedensbemühungen für ein Ende des Ukraine-Kriegs gewesen. "Es ist wichtig, dass der diplomatische Prozess wiederbelebt wird", schrieb Selenskyj.

UN-Generalsekretär Guterres: "Sehr konstruktive Treffen" auf geteilter Insel Zypern

Neun Jahre nach gescheiterten Friedensgesprächen unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen hat UN-Generalsekretär António Guterres auf der geteilten Mittelmeerinsel Zypern neue Gespräche auf beiden Seiten geführt. Er sprach am Dienstag von "zwei sehr konstruktiven Treffen". Das Präsidialamt der griechischsprachigen Republik Zypern erklärte, Ziel bleibe eine zweiteilige Föderation. Der Präsident der Türkischen Republik Nordzypern, Tufan Erhürman, warb um "Vertrauen". Er befürwortet anders als der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan eine Wiedervereinigung auf der Insel.

Netanjahu am Weißen Haus eingetroffen

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu ist am Dienstag am Weißen Haus in Washington eingetroffen. Er wollte dort zum ersten Mal seit Beginn des Iran-Kriegs vor sechs Monaten persönlich mit US-Präsident Donald Trump über die Lage beraten. Die Beziehung zwischen Netanjahu und Trump hatte sich wegen unterschiedlicher Vorstellungen zuletzt abgekühlt.

Dobrindt verteidigt Abschiebeflug mit nicht straffällig gewordenem Afghanen

Aus Deutschland ist erstmals ein Abschiebeflug nach Afghanistan gestartet, bei dem auch ein nicht straffällig gewordener Afghane zurückgeführt wurde. Wie Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Dienstag sagte, befanden sich 31 Menschen an Bord, unter ihnen "überwiegendst schwerste und schwere Straftäter". Es sei aber auch eine Person auf dem Flug nach Kabul gewesen, bei der die Bezeichnung Straftäter nicht zutreffend sei, die aber ausreisepflichtig war.

Textgröße ändern: