Pallade Veneta - Hamas veröffentlicht erstmals Geisel-Video von Deutsch-Israeli Alon Ohel

Hamas veröffentlicht erstmals Geisel-Video von Deutsch-Israeli Alon Ohel


Hamas veröffentlicht erstmals Geisel-Video von Deutsch-Israeli Alon Ohel
Hamas veröffentlicht erstmals Geisel-Video von Deutsch-Israeli Alon Ohel / Foto: Jack GUEZ - AFP

Erstmals seit seiner Entführung in den Gazastreifen vor fast zwei Jahren ist der Deutsch-Israeli Alon Ohel in einem Hamas-Video zu sehen gewesen. Das am Freitag von der islamistischen Palästinensergruppe veröffentlichte Video zeigt Ohel und eine weitere israelische Geisel, Guy Gilboa-Dalal. Die israelische Armee kündigte unterdessen für die kommenden Tage Angriffe auf Gebäude in der Stadt Gaza an, in denen "erhebliche terroristische Aktivitäten der Hamas" festgestellt worden seien.

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Er werde die Videos "von dem deutschen Staatsbürger Alon Ohel" und von Gilboa-Dalal "nicht verbreiten", erklärte der deutsche Botschafter in Israel, Steffen Seibert, im Onlinedienst X. "Sie beweisen nur die Verderbtheit der Hamas-Terroristen, die nach 700 Tagen alle Geiseln freilassen müssen." Weiter schrieb er: "Zumindest Lebensmittel und Medikamente müssen zu ihnen durchgelassen werden, genauso wie zu den leidenden Menschen im Gazastreifen."

In dem gut dreieinhalbminütigen Clip der Al-Kassam-Brigaden, des bewaffneten Arms der Hamas, wird zunächst eine Geisel in einem Wagen durch ein Viertel mit zerstörten Gebäuden gefahren. Israelische Medien identifizierten die Geisel als Gilboa-Dalal, der von der Hamas und ihren Verbündeten am 7. Oktober 2023 im Alter von 22 Jahren vom Nova-Musikfestival verschleppt worden war.

In dem Video fleht der junge Mann Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu an, seinen Befehl für eine Militäroffensive in der Stadt Gaza zurückzunehmen. Auf Hebräisch sagt er, dass er sich in der Stadt Gaza befinde und dass die Aufnahmen am 28. August gemacht worden seien, also kurz vor dem Beginn der israelischen Offensive in der Stadt. Am Ende des Videos trifft Gilboa-Dalal auf den Deutsch-Israeli Ohel. AFP konnte weder die Echtheit noch das Aufzeichnungsdatum der Aufnahme verifizieren.

Auch Ohel, ein junger Musiker, war am 7. Oktober vom Nova-Musikfestival in den Gazastreifen verschleppt worden. Am Tag seiner Entführung war der Pianist 22 Jahre alt. Seine Mutter Idit Ohel sagte im Februar bei einem Besuch in München, dass ihr Sohn seit dem 7. Oktober in Ketten gelegt sei. Der 24-Jährige, dessen Großmutter aus Berlin stammt und den Holocaust überlebte, habe schwere Verletzungen am Auge. Die Splitter in seinem Körper seien nicht behandelt worden, er leide an Hunger sowie an körperlichen und seelischen Misshandlungen.

Die Hamas und ihre Verbündeten hatten mit ihrem Überfall auf Israel den Krieg ausgelöst. Bei dem Großangriff wurden nach israelischen Angaben mehr als 1200 Menschen getötet. 251 Menschen wurden als Geiseln in den Küstenstreifen verschleppt. Noch immer werden 47 Menschen von der Hamas in dem Küstenstreifen festgehalten, mutmaßlich 25 davon sind nach israelischen Angaben tot.

Als Reaktion auf den Hamas-Überfall geht Israel massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben der Hamas-Behörden, die nicht unabhängig überprüft werden können, bislang mehr als 64.000 Menschen getötet.

Am Freitag erklärte die Armee, sie habe "erhebliche terroristische Aktivitäten der Hamas innerhalb einer Vielzahl von Infrastruktur-Einrichtungen in der Stadt Gaza und insbesondere in Hochhäusern identifiziert". Dazu veröffentlichte die Armee eine animierte Infografik, die eine Videokamera auf einem Hochhaus zeigt. Das Gebäude wurde als "Beobachtungs-Kommandozentrum" der Hamas ausgewiesen. Darunter befinde sich eine "unterirdische Tunnelroute".

Weniger als Stunde später teilte die Armee mit, ein solches Hochhaus angegriffen zu haben. Das Gebäude sei von der Hamas genutzt worden, um Angriffe auf israelische Truppen vorzubereiten und auszuführen. Vor dem Angriff hätten die Streitkräfte Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um "Schäden für die Zivilbevölkerung zu begrenzen", darunter "Vorwarnungen an die Bevölkerung, der Einsatz von Präzisionsmunition, Luftüberwachung und Aufklärung".

Armeesprecher Effie Defrin hatte am Donnerstag erklärt, dass Israel bereits "40 Prozent des Gebiets der Stadt Gaza" kontrolliere und den Druck auf die Hamas weiter erhöhe, "bis sie besiegt ist".

Der Hamas-Zivilschutz gab derweil an, dass am Freitag bei israelischen Luftangriffen in Gaza mindestens 19 Menschen getötet worden seien. In dem gesamten Küstenstreifen seien 32 Menschen getötet worden, sagte Sprecher Mahmud Bassal, dem Israel vorwirft, ein "aktiver Terrorist" zu sein.

International wird Israels Militäroffensive in Gaza scharf kritisiert. Die Weltgesundheitsorganisation rief Israel am Freitag auf, die "Katastrophe" einer Hungersnot zu beenden. Seit Beginn des Krieges seien "mindestens 370 Menschen an Unterernährung gestorben", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Ende August hatte die UNO für Teile des Gazastreifens offiziell eine Hungersnot aufgrund der IPC-Skala zum Hungermonitoring erklärt. Israel weist dies zurück und wirft der zuständigen UN-Behörde methodische Fehler im Sinne eines politisch motivierten Ergebnisses vor.

Der belgische Außenminister Maxime Prévot kritisierte derweil die EU für ihre Haltung im Gaza-Krieg. Es sei "unbestreitbar", dass die Europäische Union ihrer Verantwortung "in dieser gigantischen humanitären Krise" nicht gerecht werde, sagte Prévot AFP.

L.Bufalini--PV

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