Pallade Veneta - "Bloody Sunday": Freispruch für wegen Mordes angeklagten britischen Ex-Soldaten

"Bloody Sunday": Freispruch für wegen Mordes angeklagten britischen Ex-Soldaten


"Bloody Sunday": Freispruch für wegen Mordes angeklagten britischen Ex-Soldaten
"Bloody Sunday": Freispruch für wegen Mordes angeklagten britischen Ex-Soldaten / Foto: Paul Faith - AFP

Mehr als 50 Jahre nach dem sogenannten "Bloody Sunday" hat ein Gericht in der nordirischen Hauptstadt Belfast einen wegen der Ermordung von Zivilisten angeklagten britischen Ex-Soldaten freigesprochen. Der im Zusammenhang mit dem Tod von Demonstranten angeklagte ehemalige Fallschirmjäger sei in allen sieben Anklagepunkten nicht schuldig, urteilte der Richter am Donnerstag. Zur Begründung verwies er auf fehlende Beweise für die Vorwürfe.

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Zwar hätten die Soldaten 1972 in "Tötungsabsicht" auf Zivilisten gefeuert, es könne aber "nicht mehr festgestellt werden, wessen Hand die tödlichen Schüsse abgegeben hat", sagte Richter Patrick Lynch.

Der als "Soldat F" bezeichnete Angeklagte, der anonym bleiben wollte und hinter einem blauen Vorhang saß, musste sich seit Mitte September vor dem Gericht in Belfast wegen zweifachen Mordes und fünffachen Mordversuches verantworten. Er hatte bei Vernehmungen durch die Polizei angegeben, sich nicht mehr zuverlässig an die Ereignisse damals erinnern zu können.

Es war das erste Verfahren, in dem ein Soldat wegen der Vorfälle in der nordirischen Stadt Derry im Jahr 1972 vor Gericht gestellt wurde. Dort hatten Soldaten eines britischen Fallschirmjägerbataillons am 30. Januar auf Teilnehmer eines katholischen Bürgerrechtsmarschs geschossen. 13 Menschen wurden getötet, ein weiteres Opfer starb Monate später.

Es dauerte fast 40 Jahre, bis die britische Regierung im Jahr 2010 eingestand, dass die Soldaten das Feuer auf die Menge eröffnet hatten und nicht umgekehrt - und dass die Demonstranten unbewaffnet waren.

"Soldat F hat am Bloody Sunday zwei junge Frauen zu Witwen gemacht, er hat zwölf Kinder zu Waisen gemacht und dutzenden Angehörigen einen liebevollen Bruder genommen", sagte der Bruder eines der Opfer, Mickey McKinney, nach dem Urteil.

Auch die nordirische Regierungschefin, die katholische Politikerin Michelle O'Neill, reagierte empört auf den Freispruch. Dass den Familien der Opfer des "Bloody Sunday" immer wieder Gerechtigkeit verwehrt werde, sei "zutiefst enttäuschend", erklärte O'Neill, die der irisch-republikanischen Sinn-Fein-Partei angehört.

Dagegen plädierte der Chef der pro-britischen Democratic Unionist Party (DUP), Gavin Robinson, dafür, nun einen Schlussstrich unter die damaligen Ereignisse zu ziehen. "Die überwältigende Mehrheit derjenigen, die in unseren Streitkräften gedient haben, tat dies mit Ehre und oft unter großen persönlichen Opfern", erklärte er.

Die als "Bloody Sunday" in die Geschichte eingegangene Gewalttat war eines der schlimmsten Kapitel im jahrzehntelangen Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten in der britischen Provinz. Sie hatte viele junge Katholiken in die Arme der paramilitärischen Irisch-Republikanischen Armee (IRA) getrieben, die mit Waffengewalt für eine Vereinigung Nordirlands mit Irland kämpfte. In dem drei Jahrzehnte andauernden Konflikt wurden mehr als 3500 Menschen getötet. Er endete erst mit dem Karfreitagsabkommen von 1998.

Nach zwölfjährigen Untersuchungen und der Veröffentlichung des Abschlussberichts hatte sich der damalige Premierminister David Cameron 2010 offiziell für die "ungerechtfertigten und nicht zu rechtfertigenden" Taten entschuldigt.

C.Conti--PV

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