Pallade Veneta - Scholz sieht Einwände gegen Weiternutzung von Atomkraft nicht entkräftet

Scholz sieht Einwände gegen Weiternutzung von Atomkraft nicht entkräftet


Scholz sieht Einwände gegen Weiternutzung von Atomkraft nicht entkräftet
Scholz sieht Einwände gegen Weiternutzung von Atomkraft nicht entkräftet / Foto: Christof STACHE - AFP

Trotz massiven Drängens der Union und der FDP wegen drohender Gasengpässe sieht Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) die Einwände gegen eine Weiternutzung der Atomkraft nicht entkräftet. "Das wäre eine Voraussetzung, um sich überhaupt dieser Frage weiter widmen zu können", sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Mittwoch in Berlin. SPD-Chefin Saskia Esken nannte eine Laufzeitverlängerung für die letzten drei deutschen Atomkraftwerke über das Jahresende hinaus "komplett unsinnig".

Textgröße ändern:

Innnerhalb der Ampel-Koalition bekräftigte die FDP hingegen ihre Forderung, den Weiterbetrieb zu prüfen. Deutschland sehe vor einem "harten Winter", sagte FDP-Fraktionschef Christian Dürr im ZDF. "In der Situation müssen wir eben alles nutzen." Dazu gehöre neben der Kohleverstromung "auch die Weiternutzung der Kernenergie". Dürr forderte dabei, "die ideologischen Debatten über Bord (zu) werfen". Ziel müsse es sein, "keinen Kubikmeter Gas" unnötig zur Verstromung zu nutzen.

Die von den Grünen geführten Ministerien für Umwelt und Wirtschaft hatten im März einen Weiterbetrieb abgelehnt - und halten auch daran fest. "Es gibt dazu keinen neuen Sachstand", sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. "Es ist kein offener Punkt."

Eine Sprecherin des Umweltministeriums verwies darauf, dass für ihr Ressort "aus Sicherheitsgründen eine Verlängerung nicht in Frage kommt". Mit Blick auf den Atomausstieg zum 31. Dezember hätten bestimmte längerfristige Sicherheitsprüfungen nicht mehr stattgefunden. "Ein Weiterbetrieb über den 31.12. dieses Jahres hinaus wäre mit großen Abstrichen an der Sicherheit verbunden."

"Ein Kraftwerk, das am 31.12.2022 sicher ist, das ist nicht Ende Februar 2023 unsicher", sagte dagegen FDP-Parlamentsgeschäftsführer Johannes Vogel den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Es sei "absurd", dass Deutschland "in der schwersten Energiekrise seit Jahrzehnten (...) sichere und klimaneutrale Kraftwerke vom Netz nehmen" wolle.

Hebestreit verwies seinerseits auf eine frühere Äußerung von Scholz, wonach niemand sich einem Weiterbetrieb verschließen würde, "wenn sowas problemlos zu verlängern wäre". Es stellte sich dabei aber "erhebliche Fragen", sagte der Regierungssprecher. Er verwies dabei auch auf die ungeklärte Frage, wie schnell eine Versorgung der Kraftwerke mit neuen Brennelementen überhaupt möglich wäre.

Der energiepolitische Sprechers der Unionsfraktion, Mark Helfrich (CDU), hielt dies aber auch nicht für nötig. "Im so genannten Streckbetrieb werden die Brennstäbe beziehungsweise Brennelemente für mindestens 80 Tage über den 31. Dezember dieses Jahres hinaus halten", sagte er der "Welt". Im Falle des Akw Isar 2 habe "der TÜV Süd sogar festgestellt, dass der Kernbrennstoff bis Sommer 2023 reichen würde."

Die Laufzeitverlängerung sei aus energie-, wirtschafts- und sicherheitspolitischer Sicht "komplett unsinnig", sagte Esken der "Süddeutschen Zeitung" vom Mittwoch. Die Atomkraftwerke lieferten Strom und keine Wärme. Die letzten drei bestehenden Atomkraftwerke deckten zudem gerade einmal fünf Prozent der Stromproduktion und leisteten somit keinen zählbaren Beitrag in der aktuellen Krise.

F.M.Ferrentino--PV

Empfohlen

Abschiebezentren: Deutschland und weitere EU-Länder wollen Abkommen mit Drittstaaten bis Jahreswechsel

Deutschland und vier weitere EU-Staaten wollen bis zum Jahreswechsel ein Abkommen mit Drittstaaten außerhalb der Europäischen Union über die Errichtung von Abschiebezentren für abgelehnte Asylbewerber schließen. "Wir wollen in diesem Jahr noch eine Vereinbarung mit Drittländern erreichen, die dann den Aufbau von 'Return Hubs' ermöglichen", sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Freitag. Um welche Länder es sich handeln könnte, wurde nicht genannt.

US-Außenminister Rubio reist nach Kolumbien, Ecuador und Peru

US-Außenminister Marco Rubio reist kommende Woche nach Kolumbien, Ecuador und Peru. Die Reise findet von Dienstag bis Donnerstag statt, wie das US-Außenministerium am Freitag mitteilte. Ziel ist es demnach, "Schlüsselpartnerschaften der USA zu stärken", unter anderem durch eine verstärkte Zusammenarbeit im Kampf gegen Drogenkartelle und vertiefte Handelsbeziehungen.

Russische Drohne trifft Geheimdienst-Sitz in Kiew

Am helllichten Tag ist der Sitz des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU im Zentrum von Kiew von einer russischen Drohne getroffen worden. Der Angriff am Freitag habe "direkt" auf das Büro des Geheimdienstchefs gezielt, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj im Online-Dienst Telegram. AFP-Reporter sahen mehrere Krankenwagen nahe dem Gebäude im Herzen der ukrainischen Hauptstadt.

Anschläge auf Umspannwerke: Bei Fahndung nach Verdächtigem Wohnhaus durchsucht

Im Zusammenhang mit den Anschlägen auf Umspannwerke in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg ist die Polizei in Nordrhein-Westfalen am Freitag zu mehreren Einsätzen ausgerückt. Zuvor waren Schreiben aufgetaucht, in denen sich ein Mann zu den Sabotageaktionen bekannte. Das Haus in der Stadt Gevelsberg, in dem der mutmaßliche Verfasser gemeldet ist, wurde durchsucht.

Textgröße ändern: