Pallade Veneta - Steinmeier bekennt sich zu deutscher "Schuld" bei Angriff auf Guernica

Steinmeier bekennt sich zu deutscher "Schuld" bei Angriff auf Guernica


Steinmeier bekennt sich zu deutscher "Schuld" bei Angriff auf Guernica
Steinmeier bekennt sich zu deutscher "Schuld" bei Angriff auf Guernica / Foto: Thomas COEX - AFP

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich bei seinem Staatsbesuch in Spanien zur deutschen Verantwortung beim Luftangriff auf die baskische Stadt Guernica 1937 während des Spanischen Bürgerkriegs bekannt. "In Guernica haben Deutsche schwere Schuld auf sich geladen", sagte Steinmeier am Mittwochabend bei einem vom spanischen König Felipe VI. ausgerichteten Staatsbankett im Königlichen Palast in Madrid. "Dieses Verbrechen haben Deutsche begangen."

Textgröße ändern:

Der deutsche Luftwaffenverband "Legion Condor" habe in der Stadt im Norden Spaniens eine "Trümmerlandschaft" hinterlassen, sagte Steinmeier am ersten Tag seines Staatsbesuchs in Spanien weiter. "Hunderte wehrlose Kinder, Frauen und Männer verloren auf grausame, qualvolle Weise ihr Leben."

Die Deutschen dürften nicht vergessen, was damals in Guernica passiert sei, betonte Steinmeier. "Guernica ist eine Mahnung - eine Mahnung, für Frieden, Freiheit und die Wahrung der Menschenrechte einzutreten. Dem wollen wir gerecht werden. Jetzt und in Zukunft."

Die "Legion Condor" hatte Guernica am 26. April 1937 in Schutt und Asche gelegt, bei dem Luftangriff im Spanischen Bürgerkrieg wurden hunderte Menschen getötet. Adolf Hitler hatte die Jagdflugzeuge und Bomber zur Unterstützung des rechten Putsch-Generals und späteren Diktators Francisco Franco nach Spanien geschickt.

Der Angriff auf Guernica (baskisch: Gernika) sorgte international für Entsetzen und wurde zum Symbol für eine grausame und gegen die Zivilbevölkerung gerichtete Kriegsführung. Der Maler Pablo Picasso hielt das Grauen in seinem berühmten Werk "Guernica" für die Ewigkeit fest. Steinmeier und seine Ehefrau Elke Büdenbender ließen sich das ikonische Anti-Kriegs-Gemälde am Mittwoch im Museum Reina Sofía in Madrid zeigen.

Der Bundespräsident wird die Stadt Guernica am Freitag als erstes deutsches Staatsoberhaupt der Geschichte besuchen. "Dieser Besuch liegt mir ganz besonders am Herzen", sagte Steinmeier am Mittwochabend beim Staatsbankett im Königspalast.

Er "freue sich sehr darüber", dass König Felipe VI. und Königin Letizia ihn dabei begleiten werden. "Dass ich diesen Ort an Ihrer Seite besuchen darf, ich finde, das zeigt, welch langen Weg wir seitdem gemeinsam gegangen sind. Ein Weg, der über Erinnerung und Versöhnung in eine gemeinsame Zukunft führt."

Der spanische König bezeichnete Steinmeiers anstehenden Guernica-Besuch als "Geste von großer symbolischer Tragweite und der Versöhnung". Erst zum 60. Jahrestag der Bombardierung Guernicas hatte sich 1997 der damalige Bundespräsident Roman Herzog zu einer "schuldhaften Verstrickung deutscher Flieger" bekannt und die Bewohner von Guernica um "Versöhnung" gebeten.

Steinmeier war am Mittwochvormittag zum Auftakt seines dreitägigen Staatsbesuchs in einer prunkvollen Zeremonie von König Felipe VI. und Königin Letizia mit militärischen Ehren am Königsschloss empfangen worden.

In einem schwarzen Rolls-Royce Phantom des spanischen Königshauses wurden Steinmeier und seine Ehefrau Büdenbender vorgefahren und dann vom Königspaar begrüßt. Als die Königliche Garde die Nationalhymnen beider Länder spielte, feuerten Kanonen Salutschüsse ab. Im Anschluss wurde Steinmeier im alten Rathaus von Madrid von Bürgermeister José Luis Martínez-Almeida empfangen und bekam den goldenen Schlüssel der Stadt Madrid überreicht.

Nach einer Audienz bei König Felipe VI. hielt Steinmeier im Abgeordnetenhaus in Madrid eine Rede und warnte dabei vor einem Wiederaufleben autoritärer und extremistischer Tendenzen in Europa. "Extremistische und populistische Bewegungen erstarken in unseren Gesellschaften, feiern Wahlerfolge und sind an Regierungen beteiligt", sagte Steinmeier bei einer gemeinsamen Sitzung von Abgeordnetenhaus und Senat. "Ausgerechnet jetzt finden autoritäre Versuchungen bei vielen Menschen Resonanz, die falschen Versprechungen von vermeintlich einfachen Lösungen fallen auf fruchtbaren Boden."

Steinmeier ist der ersten Bundespräsident seit dem Jahr 2002, der Spanien einen Staatsbesuch abstattet. Am Donnerstag wird Steinmeier an einem deutsch-spanischen Wirtschaftsforum teilnehmen und Wirtschaftsvertreter beider Länder treffen. Der Bundespräsident führt dann Gespräche mit dem spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez.

Steinmeier besucht am Donnerstag auch das legendäre Fußballstadion Bernabéu von Real Madrid. Dort wird er dem früheren Fußballnationalspieler und Real-Madrid-Star Toni Kroos das Bundesverdienstkreuz verleihen.

L.Guglielmino--PV

Empfohlen

Wadephul fordert Beteiligung Chinas an zukünftigem Atom-Abrüstungsabkommen

Angesichts des Auslaufens des "New Start"-Abkommens zwischen den USA und Russland hat Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) eine Beteiligung Chinas an einem zukünftigen Atomwaffen-Abrüstungsvertrag gefordert. "China muss einbezogen werden", sagte Wadephul bei einer gemeinsaamen Pressekonferenz mit seiner australischen Kollegin Penny Wong während seines Besuchs in Sydney am Donnerstag. Peking müsse im Bereich der Rüstungskontrolle zeigen, "dass es zur Zurückhaltung bereit ist", fügte Wadephul hinzu.

Oberstes US-Gericht erlaubt Kalifornien Neuzuschnitt von Wahlkreisen

Der Oberste Gerichtshof der USA hat dem Bundesstaat Kalifornien erlaubt, für die Zwischenwahlen im November einen neuen Zuschnitt der Wahlkreise anzuwenden. Das von konservativen Richtern dominierte Gericht erlaubte am Mittwoch den Neuzuschnitt, von dem die Demokraten sich fünf zusätzliche Sitze im US-Repräsentantenhaus erhoffen. Das von den Demokraten regierte Kalifornien hatte damit auf eine Neuordnung der Wahlkreise im Bundesstaat Texas durch die Republikaner reagiert.

Letztes Atom-Abrüstungsabkommen zwischen Russland und den USA ausgelaufen

Der letzte Atomwaffen-Abrüstungsvertrag zwischen den USA und Russland, das "New Start"-Abkommen, ist am Donnerstag ausgelaufen. Das Ende des Abkommens sei "ein schwerwiegender Moment für den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit", erklärte UN-Generalsekretär António Guterres. Er rief Moskau und Washington auf, sich "unverzüglich" auf einen "Nachfolgevertrag" zu einigen.

JU-Chef Winkel sieht Einsparpotenzial von "Dutzenden Milliarden" im Sozialetat

Der Vorsitzende der Jungen Union, Johannes Winkel, sieht deutliches Einsparpotenzial im Sozialetat. Der Sozialstaat müsse "effizienter gemacht werden", sagte der JU-Chef der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstagsausgabe). Allein mit der Wiedereinführung des sogenannten Nachhaltigkeitsfaktors zur Dämpfung von Rentenerhöhungen "und klaren Prioritäten" ließen sich "Dutzende Milliarden im Jahr sparen für Sozialleistungen, die teilweise keiner braucht und die die Leute teilweise gar nicht wollen."

Textgröße ändern: