Pallade Veneta - Knapp 50 Prozent: Kosovos Regierungschef Kurti triumphiert nach vorgezogener Wahl

Knapp 50 Prozent: Kosovos Regierungschef Kurti triumphiert nach vorgezogener Wahl


Knapp 50 Prozent: Kosovos Regierungschef Kurti triumphiert nach vorgezogener Wahl
Knapp 50 Prozent: Kosovos Regierungschef Kurti triumphiert nach vorgezogener Wahl / Foto: Armend NIMANI - AFP

Bei der vorgezogenen Parlamentswahl im Kosovo hat Ministerpräsident Albin Kurti seine Macht gefestigt - womit seine Chancen, die seit fast einem Jahr anhaltende politische Blockade zu beenden, gestiegen sind. Kurtis linksnationalistische Selbstbestimmungs-Partei (VV) kam bei der Abstimmung am Sonntag nach Auszählung fast aller Stimmen laut Wahlkommission auf knapp 50 Prozent der Stimmen. Kurti fährt einen harten Kurs gegenüber der serbischen Minderheit im Kosovo. In der EU stößt dies auf Kritik.

Textgröße ändern:

Nach der Auszählung von etwa 95 Prozent der Stimmen habe Kurtis Selbstbestimmungs-Partei vermutlich 49,79 Prozent der Stimmen erhalten, erklärte die Zentrale Wahlkommission am Montag. Auf Platz zwei landete demnach die rechtsgerichtete Demokratische Partei des Kosovo (PDK) mit 21,18 Prozent. Dahinter folgt die Mitte-Rechts-Partei Demokratische Liga des Kosovo (LDK) mit fast 13,77 Prozent.

Kurtis VV käme damit zwar nicht auf eine absolute Mehrheit, könnte aber 56 von 120 Parlamentsabgeordneten stellen und ihre Macht damit deutlich ausbauen. Bei der vorherigen Parlamentswahl am 9. Februar hatte die VV 42 Prozent der Stimmen geholt. Seitdem hatte es kein funktionierendes Parlament mehr gegeben, jede Regierungsbildung scheiterte.

Die vorgezogene Neuwahl sollte einen Ausweg aus der Krise ermöglichen und den seit zehn Monaten andauernden politischen Stillstand beenden. Auch hofft das Kosovo, eines der ärmsten Länder Europas, auf die Freigabe weiterer EU-Gelder.

"Wir müssen so schnell wie möglich vorankommen, um Institutionen zu etablieren", sagte Kurti nach der Veröffentlichung der vorläufigen Ergebnisse. Er lade die Oppositionsparteien ein, "im Interesse der Bürger und der Bevölkerung der Republik" zusammenzuarbeiten.

Bei seiner Stimmabgabe hatte der Regierungschef angekündigt, sobald das Wahlergebnis feststehe, "werden wir alles in unserer Macht Stehende tun, um so schnell wie möglich das Parlament zu bilden und mit der Bildung einer neuen Regierung fortzufahren".

Der 50-Jährige versucht, den serbischen Einfluss im Kosovo zurückzudrängen, was bei vielen Kosovo-Albanern auf Zustimmung stößt, zugleich aber die Spannungen mit Belgrad verschärft. Die frühere serbische Provinz Kosovo hatte sich 2008 und damit knapp ein Jahrzehnt nach dem Kosovokrieg für unabhängig erklärt. Serbien erkennt die Unabhängigkeit bis heute nicht an.

Kurtis nationalistischer Kurs findet im Kosovo Unterstützung, im Ausland stößt er jedoch auf Kritik. Die Spannungen im serbisch dominierten Norden des Landes zwischen Serben und Albanern, die zuletzt 2023 in Gewalt ausarteten, hatten Sanktionen der EU zur Folge. Washington warf Kurtis Regierung zunehmende "Instabilität" vor.

Im Februar hatte Kurti im Wahlkampf angekündigt, das Kosovo "vom einen bis zum anderen Ende" regieren zu wollen – einschließlich der Gebiete mit serbischer Mehrheit, in denen der Einfluss Belgrads oft größer ist als der von Pristina.

Dieses Mal konzentrierte er sich im Wahlkampf auf die Wirtschaft, die Beziehungen zu Serbien stellte er hinten an. Der Nachrichtenagentur AFP sagte Kurti vergangene Woche, die Wirtschaft laufe sehr gut: "Auch in diesem Jahr werden wir wieder ein Wachstum des BIP von vier Prozent verzeichnen. Während meiner gesamten Amtszeit sind wir nie unter vier Prozent gefallen."

Zuletzt hatte Kurti angekündigt, die Regierung werde bis Ende des Jahres Rentnern und Familien mit kleinen Kindern 100 Euro zahlen. Die beiden anderen großen Parteien PDK und LDK warfen ihm daraufhin "Wahlbestechung" vor. Auch sie konzentrierten sich im Wahlkampf auf die Wirtschaft und kritisierten die Bilanz der Regierung.

Der Wahlsieger müsse "sich stärker für die Wirtschaft einsetzen", sagte Arefik Mexhmejli, ein 66-jähriger Rentner, vor einem Wahlbüro in Pristina. "Wir erwarten etwas Besseres als das, was wir derzeit haben", sagte die 53-jährige Suzana Simnica nach der Stimmabgabe.

Mehr als zwei Millionen Menschen waren zur Wahl aufgerufen, darunter Zehntausende im Ausland registrierte Kosovaren. Die endgültigen Ergebnisse werden offiziell bekannt gegeben, sobald die Stimmen der im Ausland lebenden Wähler ausgezählt sind.

Die Wahlbeteiligung lag bei etwa 45 Prozent und war damit deutlich höher als bei der Wahl im Februar, als 40,6 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben hatten.

O.Merendino--PV

Empfohlen

SPD-Spitze: Linke darf Antisemitismus "keinen Millimeter Platz lassen"

In die Debatte um Clan-Kontakte und Antisemitismus-Vorwürfe bei der Berliner Linken hat sich nun auch die Bundes-SPD eingeschaltet. "Antisemitische Parolen haben weder in unserer Gesellschaft noch in unserer Politik Platz", schrieben die Parteichefs Lars Klingbeil und Bärbel Bas sowie Generalsekretär Tim Klüssendorf in einem Statement auf Instagram. "Die Linke wird sich daran messen lassen und darf Antisemitismus und Clan-Kriminellen in ihren Reihen keinen Millimeter Platz lassen." Die Verantwortung liege nun bei den Linken.

Trump und Venezuelas Übergangspräsidentin in New York erstmals zu Gespräch zusammengetroffen

US-Präsident Donald Trump und die venezolanische Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez haben sich am Rande der UN-Vollversammlung in New York erstmals persönlich zu Gesprächen getroffen. Rodríguez sprach im Onlinedienst X am Dienstag (Ortszeit) von einem "historischen" Treffen und veröffentlichte ein Foto, auf dem sie und Trump lächelnd zu sehen sind.

UN-Generaldebatte: Israel weist Macron-Äußerungen über Westjordanland als "grotesk" zurück

Israel hat empört auf die Rede von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron vor der UN-Vollversammlung reagiert, in der er die Lage im Westjordanland angeprangert hatte. Die "groteske Absurdität" von Macrons Äußerungen sei "schockierend", teilte das Büro von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu am Dienstag mit. Es bezog sich insbesondere auf Macrons Äußerung, dass die islamistische Palästinenserorganisation Hamas dort "nie" aktiv gewesen sei.

UN-Generaldebatte: Reden von Irans Präsident Peseschkian und Selenskyj erwartet

Bei den Vereinten Nationen in New York wird am Mittwoch die Generaldebatte der Staats- und Regierungschefs fortgesetzt (15.00 Uhr MESZ). Als Redner werden unter anderem der iranische Staatschef Massud Peseschkian erwartet sowie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Den Auftakt macht der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa.

Textgröße ändern: