Pallade Veneta - Dunkelfeldstudie zeigt: Nur Bruchteil von Partnerschaftsgewalt wird angezeigt

Dunkelfeldstudie zeigt: Nur Bruchteil von Partnerschaftsgewalt wird angezeigt


Dunkelfeldstudie zeigt: Nur Bruchteil von Partnerschaftsgewalt wird angezeigt
Dunkelfeldstudie zeigt: Nur Bruchteil von Partnerschaftsgewalt wird angezeigt / Foto: Alberto PIZZOLI - AFP/Archiv

Der allergrößte Teil von Gewalterfahrungen in der Partnerschaft wird nicht angezeigt - damit ist das Dunkelfeld "riesig". Das ergab eine umfassende Dunkelfeldstudie, die gemeinsam von Familienministerium, Innenministerium und Bundeskriminalamt erarbeitet und am Dienstag vorgestellt wurde. Demnach werden bei psychischer und körperlicher Gewalt in Partnerschaften 19 von 20 Taten nicht angezeigt. Die Studie zeigt auch: Frauen sind von sexualisierter Gewalt stärker betroffen und erleben häufigere und schwerere Gewalttaten als Männer.

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"Es wird von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen" - dieser Satz begleitet häufig Angaben zu bestimmten Vorfällen und schränkt somit deren Aussagekraft massiv ein. Daher wurde eine neue Dunkelfeldstudie als Gegenstück zum Hellfeld erstellt, welches sich nur auf Taten stützt, die auch zur Anzeige gebracht werden. "Wir halten die Taschenlampe ins Dunkel", sagte Familienministerin Karin Prien (CDU) bei der Vorstellung der aktuellen Studie.

Die Befragung ergab, dass grundsätzlich Männer und Frauen von psychischer und körperlicher Gewalt in Partnerschaften beinahe gleichermaßen betroffen sind: So erlebten 23,8 Prozent der Frauen und 23,3 Prozent der Männer in den zurückliegenden fünf Jahren psychische Gewalt in Paarbeziehungen oder ehemaligen Paarbeziehungen. Über die gesamte Lebenszeit erstreckte sich die Betroffenheit auf 48,7 Prozent der Frauen und 40,0 Prozent der Männer. Hier wurde etwa emotionale, kontrollierende und ökonomische Gewalt erfasst.

Bei der körperlichen Gewalt waren im Fünfjahreszeitraum mit 6,1 Prozent etwas mehr Männer als Frauen (5,2 Prozent) betroffen, über die gesamte Lebenszeit waren es 18,0 Prozent der Frauen und 14,0 Prozent der Männer. Jedoch weisen Frauen bei beiden Gewaltformen "eine deutlich höhere Inzidenz und Schwere der Gewalt auf", heißt es in der Studie. Die Anzahl der Gewalthandlungen und die Schwere der Übergriffe sind bei ihnen also deutlich höher. Zudem empfinden sie in den Situationen "mehr Angst" als Männer.

Bei der sexuellen Gewalt sind Frauen grundsätzlich stärker betroffen: Innerhalb des Lebens hat jeder vierte Mann (23,5 Prozent) und mehr als jede zweite Frau (56,7 Prozent) sexuelle Belästigung ohne Körperkontakt erfahren - innerhalb und außerhalb von Partnerschaften. Sexuelle Belästigung mit Körperkontakt haben bereits 40,8 Prozent der Frauen und 12,3 Prozent der Männer erlebt. Auch hier wiegen zusätzlich Schwere und Häufigkeit der Gewalt stärker als bei Männern.

Die Anzeigebereitschaft ist unabhängig von der Gewaltform niedrig und liegt in den meisten Fällen bei unter zehn Prozent. Bei psychischer und körperlicher Gewalt in Partnerschaften oder früheren Partnerschaften sind es weniger als fünf Prozent, bei Gewalt im digitalen Raum noch weniger. "Dieses Schweigen ist kein individuelles Versagen, sondern Ausdruck von Angst und offenbar fehlenden Zugängen zu Hilfe", sagte Familienministerin Prien. BKA-Präsident Holger Münch sagte, die Studie liefere belastbare Daten, um die Schutz- und Hilfsangebote weiterzuentwickeln.

Die letzte umfassende repräsentative Opferbefragung im Auftrag des Familienministeriums stammt von 2004 und umfasste nur Frauen. Diesmal wurden von Juli 2023 bis Januar 2025 durch das Institut Verian insgesamt 15.479 Menschen zwischen 16 und 85 Jahren befragt und zwar Männer und Frauen. Die Studie heißt "LeSuBiA" - "Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag".

Sie erfasste erstmals auch systematisch das Phänomen der digitalen Gewalt. Demnach erlebten 20,0 Prozent der Frauen und 13,9 Prozent der Männer in den zurückliegenden fünf Jahren digitale Gewalt, also beispielsweise Identitätsdiebstahl im Netz oder gefälschte Fotos und Videos. Jüngere waren deutlich stärker betroffen.

Weitere Kernbotschaften der Studie sind, dass über nahezu alle Gewaltformen hinweg queere Gruppen sowie Menschen mit Migrationshintergrund stärker betroffen sind - hier vor allem Frauen. Weiterhin wurde deutlich, dass Gewalterfahrungen in der Kindheit weit verbreitet sind: Jede und jeder Zweite berichtete von körperlicher Gewalt durch Erziehungsberechtigte, jede und jeder Vierte von Gewalt zwischen den Erziehungsberechtigten.

J.Lubrano--PV

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