Pallade Veneta - Nach Zwangsräumung von Wohnung einer 87-Jährigen: Protestcamp in Madrid errichtet

Nach Zwangsräumung von Wohnung einer 87-Jährigen: Protestcamp in Madrid errichtet


Nach Zwangsräumung von Wohnung einer 87-Jährigen: Protestcamp in Madrid errichtet
Nach Zwangsräumung von Wohnung einer 87-Jährigen: Protestcamp in Madrid errichtet / Foto: Oscar DEL POZO - AFP

Die Zwangsräumung der Wohnung einer 87-jährigen Frau in Madrid hat in der spanischen Hauptstadt scharfe Proteste ausgelöst. Nachdem zehntausende Demonstranten am Samstagabend durch die Stadt gezogen waren, errichteten hunderte Aktivisten in der Nacht zum Sonntag ein Protestcamp auf dem zentralen Platz Puerta del Sol und verbrachten dort die Nacht. Bilder davon, wie Maricarmen Abascal am Mittwoch auf einer Trage aus ihrer Wohnung geholt wurde, hatten die Debatte um bezahlbaren Wohnraum in Spanien neu entfacht.

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Hunderte Menschen hätten in Zelten auf dem bei Touristen sehr beliebten Platz übernachtet, berichtete ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP am Sonntagmorgen. Ohne einzugreifen, hatte die Polizei dabei zugesehen, wie die Menschen in der Nacht Dutzende Zelte vor dem Sitz der Regionalregierung von Madrid aufbauten. Die Zeitung "El País" berichtete am frühen Morgen, dass die Zahl der Zelte auf rund 150 angestiegen sei. Die Nachrichtenagentur EFE gab die Zahl der Zelte mit etwa 100 an.

"Es ist Zeit, die Spielregeln zu ändern", sagte die 47-jährige Psychologin Maria Juarez, die unter den Demonstrierenden war, AFP. "Die Menschen werden nicht gehen, bis sich etwas ein für alle Mal ändert", betonte sie.

Zuvor war ein langer Demonstrationszug durch das Zentrum Madrids marschiert. "Du könntest die nächste Maricarmen sein" und "Keine einzige Maricarmen mehr", hieß es auf Bannern bei der Demonstration am Samstag. Die Demonstranten klapperten mit Schlüsselbunden und pfiffen, während sie durch die Straßen zogen. Die Behörden gaben die Teilnehmerzahl mit rund 25.000 an, die Organisatoren sprachen von mehr als 300.000 Demonstrierenden.

Der Mieterverband rief die Menschen auf, sich auf dem Platz vor dem Sitz der Regionalregierung zu versammeln: "Wir können es nicht länger ertragen", hieß es in einer im Onlinedienst X verbreiteten Erklärung: "Entweder stürzt das Mietensystem, oder die Regierung stürzt."

Wenige Stunden vor Beginn der Demonstration hatte Abascal die Spanier in einer vom Mieterbund verbreiteten Videobotschaft aufgerufen, sich dem Protest für bezahlbaren Wohnraum und besseren Schutz vor Zwangsräumungen anzuschließen. "Ich will, dass das, was mir passiert ist, dazu beiträgt, dass es niemand anderem mehr passiert", sagte die 87-Jährige darin. "Ich will, dass es den Leuten Mut macht zu kämpfen und die Gesetze zu verändern, die meine Zwangsräumung zugelassen haben."

Abascal hatte 70 Jahre lang in ihrer Wohnung in Madrid gelebt. Am Mittwoch wurde die Wohnung zwangsgeräumt, nachdem ein Investor die Immobilie erworben und die Miete nach Angaben des Mieterverbands um 275 Prozent auf 2650 Euro monatlich erhöht hatte.

Der Wohnungsmarkt in Spanien sei "unmöglich", sagte der Demonstrant Enrique Ortega de Miguel, der mit 38 Jahren noch bei seiner Mutter lebt: "Es ist ein Kampf, eine bezahlbare Wohnung zu finden, und dann lebt man in der ständigen Angst, rausgeschmissen zu werden." Die 76 Jahre alte Rentnerin Maricarmen Arnedo klagte, während alte Leute aus ihren Wohnungen gedrängt würden, könnten es sich jüngere nicht leisten, bei ihren Eltern auszuziehen: "Wir wollen, dass die Immobilienpreise und Mieten sinken. Ich habe die Nase voll davon, die Unterhosen meines 53-jährigen Sohnes zu waschen", schimpfte sie.

Seit Abascals Zwangsräumung hat es in Spanien wiederholt Proteste gegeben. Der sozialistische Regierungschef Pedro Sánchez ist unter Druck, nachdem er im vergangenen Jahr angekündigt hatte, das Thema Wohnungsnot anzugehen. Das Kabinett will in der kommenden Woche über ein unter dem Namen "Maricarmen-Erlass" bekannt gewordenes Maßnahmenpaket beraten. Dazu gehören etwa eine automatische Verlängerung von Mietverträgen und striktere Regelungen für Zwangsräumungen.

Kritiker machen unter anderem Immobilienfonds sowie Kurzzeitvermietungen über Plattformen wie Airbnb für steigende Preise und die Knappheit von verfügbarem Wohnraum in Spanien verantwortlich. Laut der Banco de España fehlen in dem Land etwa 700.000 Wohnungen.

M.Jacobucci--PV

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