Pallade Veneta - Ifo senkt Konjunkturprognose drastisch: "Gehen in eine Winterrezession"

Ifo senkt Konjunkturprognose drastisch: "Gehen in eine Winterrezession"


Ifo senkt Konjunkturprognose drastisch: "Gehen in eine Winterrezession"
Ifo senkt Konjunkturprognose drastisch: "Gehen in eine Winterrezession" / Foto: Odd ANDERSEN - AFP/Archiv

Das Münchner Ifo-Institut hat seine Konjunkturprognose für dieses und das kommende Jahr vor allem wegen der hohen Gaspreise drastisch abgesenkt. Im kommenden Jahr erwartet das Institut ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent, für dieses Jahr nur noch 1,6 Prozent Wachstum. "Wir gehen in eine Winter-Rezession", erklärte der Leiter der Ifo-Konjunkturprognosen, Timo Wollmershäuser. Schwere Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt erwartet das Ifo aber nicht.

Textgröße ändern:

Noch im Juni hatte das Institut ein Wachstum von 3,7 Prozent im Jahr 2023 prognostiziert: 4,0 Prozentpunkte mehr als aktuell. Seine Inflationsprognose erhöhte das Institut gar um 6,0 Prozentpunkte auf 9,3 Prozent im kommenden Jahr. Ihren Höhepunkt werde die Inflation im ersten Quartal 2023 mit etwa elf Prozent erreichen, so die Wirtschaftsforscher.

Die Prognose für das laufende Jahr senkte das Ifo von 2,5 Prozent Wachstum auf 1,6 Prozent ab. Bei der Inflationsrate rechnen die Ökonomen statt mit 6,8 nun mit 8,1 Prozent.

"Die Kürzungen der Gaslieferungen aus Russland im Sommer und die dadurch ausgelösten drastischen Preissteigerungen verhageln die wirtschaftliche Erholung nach Corona", erklärte Wollmershäuser. Die hohen Inflationsraten ließen die realen Einkommen der privaten Haushalte sowie deren Ersparnisse dahinschmelzen und reduzierten ihre Kaufkraft.

In der Industrie behindern laut Ifo die anhaltenden Lieferschwierigkeiten bei Rohstoffen und Vorprodukten die Produktion. Die hohen Preise und die weltweite Konjunkturabschwächung verringern gleichzeitig die Nachfrage. Dennoch: Die Auftragsbücher der Unternehmen seien immer noch weit überdurchschnittlich gut gefüllt - die Stimmung habe sich in der Branche nur geringfügig verschlechtert.

In der Baukonjunktur dagegen sieht das Ifo einen "deutlichen Abschwung". Gründe seien neben den hohen Baukosten vor allem die Zinswende, die zusätzlich die Finanzierungskosten in die Höhe treibt.

Das Ifo erwartet, dass die deutschen Energieversorger ihre Strom- und Gaspreise vor allem zu Jahresbeginn 2023 erhöhen werden - daher seine Prognose einer Inflation von elf Prozent. "Damit werden die realen Haushaltseinkommen kräftig zurückgehen und die Kaufkraft spürbar sinken", erläuterte Wollmershäuser. Die Maßnahmen der Bundesregierung aus dem dritten Entlastungspaket dürften diesem Rückgang zwar etwas entgegenwirken, ihn aber bei weitem nicht ausgleichen.

"Im weiteren Verlauf des kommenden Jahres schwächt sich der Preisanstieg allmählich ab", erwartet das Ifo. Dabei werde angenommen, dass Gas im Winter in ausreichendem Umfang zur Verfügung steht. Deshalb dürften die Energiepreise nicht weiter steigen und spätestens ab Frühjahr 2023 wieder sinken.

Ifo-Präsident Clemens Fuest sagte dem "Tagesspiegel": Künftig werde Russland sein Gas und Öl an andere verkaufen "und die werden dann weniger Gas aus anderen Quellen kaufen". Das fließe dann nach Europa. "Der Umbau der Infrastruktur ist teuer, trotzdem sollten die Preise nach einiger Zeit wieder sinken."

In der Prognose des Ifo heißt es mit Blick auf die zweite Jahreshälfte 2023 optimistisch, mit Anstieg der Lohnzahlungen nach Abschluss neuer Tarifverträge "dürften die realen Haushaltseinkommen ab Jahresmitte wieder steigen". Das werde die Konsumkonjunktur beleben. Die Industrie wiederum werde die hohen Auftragsbestände allmählich abarbeiten und die Produktion langsam ausweiten. Dabei unterstellt das Ifo aber, dass die Lieferengpässe allmählich nachlassen und es in diesem Winter nicht soweit kommt, dass Gas rationiert werden muss.

"Im Jahr 2024 wird sich die Konjunktur allmählich wieder normalisieren. Die Wirtschaftsleistung dürfte mit 1,8 Prozent zulegen, die Inflationsrate auf 2,5 Prozent sinken", prognostiziert das Ifo.

A.dCosmo--PV

Empfohlen

Trump zieht nach Blockade von Dekret zu Briefwahleinschränkungen vor Oberstes Gericht

Die US-Regierung ist wegen der von einem Bundesgericht blockierten Pläne von Präsident Donald Trump zur erschwerten Briefwahl erneut vors Oberste Gericht gezogen. Mit einem vom Regierungsanwalt John Sauer am Donnerstag eingereichten Eilantrag will die Regierung die Umsetzung eines Dekrets erwirken, mit dem die Briefwahl zwei Monate vor den wichtigen Zwischenwahlen zum US-Kongress strenger geregelt werden soll. Damit spitzt sich der Rechtsstreit wenige Tage vor dem Versand der ersten Briefwahlunterlagen an die Wähler in einigen Bundesstaaten deutlich zu.

Innenminister Dobrindt und EU-Kollegen beraten in Kopenhagen über Abschiebezentren

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und die für Migration zuständigen Minister Dänemarks, der Niederlande, Österreichs und Griechenlands beraten am Freitag in Kopenhagen über Abschiebezentren für Migranten außerhalb der EU. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums will Dobrindt als Gast beim dänischen Einwanderungsminister Morten Bödskov über den Plan zur Umsetzung der so genannten Return Hubs berichten (Pk. 13.30 Uhr). Bei dem Treffen wird demnach "die letzte Vorbereitungsphase" eingeleitet. Auch EU-Innenkommissar Magnus Brunner soll bei dem Treffen dabei sein.

Prägend für "Generationen von Frauen": US-Feministin Gloria Steinem mit 92 Jahren gestorben

Die US-Journalistin und feministische Galionsfigur Gloria Steinem ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Steinem starb am Mittwoch in ihrem Zuhause in New York, wie ihre Stiftung am Donnerstag im Onlinedienst Instagram mitteilte. In den 70er Jahren hatte Steinem die feministische Zeitschrift "Ms." gegründet. Sie gehörte zu den prominentesten Vertreterinnen der Frauenrechtsbewegung in den USA. Prominente US-Demokraten würdigten ihre Vorreiterrolle für "Genrationen von Frauen".

Polizeieinsatz wegen verdächtigen Gegenstands an Umspannwerk in Dormagen

Wegen eines verdächtigen Gegenstands ist die Polizei am Donnerstag zu einem Einsatz an einem Umspannwerk im nordrhein-westfälischen Dormagen ausgerückt. Ein Spaziergänger habe den nicht näher benannten Gegenstand am frühen Abend im Bereich der Anlage im Stadtteil Gohr auf dem Boden gefunden, sagte eine Sprecherin der Polizei in Neuss. Das Fundstück sei beschlagnahmt worden. Zuerst hatte der Westdeutsche Rundfunk berichtet.

Textgröße ändern: