Pallade Veneta - Tigray-Konflikt: Äthiopiens Armee rückt nach Rückzug der Rebellen in Mekele ein

Tigray-Konflikt: Äthiopiens Armee rückt nach Rückzug der Rebellen in Mekele ein


Tigray-Konflikt: Äthiopiens Armee rückt nach Rückzug der Rebellen in Mekele ein
Tigray-Konflikt: Äthiopiens Armee rückt nach Rückzug der Rebellen in Mekele ein / Foto: - - AFP

Im erneut aufgeflammten Konflikt um die äthiopische Region Tigray haben Regierungstruppen am Samstag die Provinzhauptstadt Mekele wieder eingenommen. Zuvor hatten Kämpfer und Anführer der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) die Stadt weitgehend verlassen. Die TPLF-Rebellen bereiten sich nach eigenen Angaben offenbar auf einen Guerilla-Kampf vor.

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Regierungstruppen und mit ihnen verbündete Kräfte seien an mehreren Orten in Mekele beobachtet worden, hieß es aus Kreisen humanitärer Helfer gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Kämpfe seien zunächst nicht gemeldet worden. Bereits am Morgen hatte ein örtlicher Journalist AFP berichtet, TPLF-Kämpfer und -Anführer verließen Mekele angesichts des Vorrückens der Regierungstruppen.

Regierungsgebäude und Polizeiwachen seien ohne Sicherheitspersonal zurückgelassen worden, bewaffnete TPLF-Mitglieder seien beim Verlassen der Stadt gesehen worden. Bewohner äußerten Sorge vor Plünderungen und Gesetzlosigkeit.

Wegen massiver Störungen der Telekommunikationsnetze in Tigray waren Informationen aus Mekele nur schwer zu überprüfen. Weder ein Sprecher der äthiopischen Streitkräfte noch das Büro von Ministerpräsident Abiy Ahmed reagierten zunächst auf Anfragen von AFP.

Die Kämpfe im Norden Äthiopiens waren am 23. September wieder aufgeflammt. Die TPLF startete Angriffe in den an Tigray angrenzenden Provinzen Amhara und Afar, wurde in den vergangenen Tagen aber von Regierungstruppen und verbündeten Milizen zurückgedrängt. Aus Afar wurde sie nach Angaben einer humanitären Quelle vollständig vertrieben. Am Freitag hatten regierungsnahe Milizen eigenen Angaben zufolge auch den Flughafen von Mekele unter ihre Kontrolle gebracht.

TPLF-Chef Debretsion Gebremichael stellte angesichts der Rückschläge einen Übergang zu einer Guerillataktik in Aussicht. "Unsere Strategie ist es, den Feind dort zu treffen, wo wir wollen", sagte er in einer am Donnerstag veröffentlichten Videobotschaft. Schon 2020 hatten Regierungstruppen Mekele eingenommen. Die TPLF zog sich damals in die Berge zurück, begann einen Guerillakampf und eroberte die Stadt Mitte 2021 zurück.

Die neue Eskalation hat inzwischen auch die Beziehungen Äthiopiens zu mehreren Nachbarstaaten schwer belastet. Addis Abeba wirft Eritrea und Ägypten vor, die TPLF zu unterstützen.

Eritrea brach am Donnerstag die diplomatischen Beziehungen zu Äthiopien ab, nachdem Addis Abeba seine Botschaft in Asmara geschlossen und eritreische Diplomaten ausgewiesen hatte. Addis Abeba wies zudem einen ägyptischen Diplomaten aus, woraufhin Kairo mit einer entsprechenden Maßnahme reagierte.

Debretsion erklärte, der Krieg sei "regional" und ein Krieg "um die Kontrolle über das Rote Meer". Am Sonntag sollen sich nach Angaben einer diplomatischen Quelle die Präsidenten Ägyptens, Eritreas und Somalias sowie Sudans Armeechef Abdel Fattah al-Burhan am Rande eines Wirtschaftsforums im ägyptischen Alamein zu einem regionalen Treffen versammeln.

Die TPLF hatte Äthiopien von 1991 bis 2018 dominiert, verlor mit dem Aufstieg von Ministerpräsident Abiy Ahmed aber ihren Einfluss auf die Zentralregierung. Im April vertrieb sie die von der Zentralregierung eingesetzte Verwaltung aus Tigray und übernahm dort wieder faktisch die Kontrolle.

Im Krieg zwischen der äthiopischen Armee und der TPLF von November 2020 bis November 2022 waren nach Schätzungen der Afrikanischen Union wahrscheinlich mehr als 600.000 Menschen getötet worden. Das Friedensabkommen von Pretoria beendete die Kämpfe zwar, zentrale Vereinbarungen wurden jedoch nicht umgesetzt. Dazu gehören die Entwaffnung der TPLF und die Rückkehr hunderttausender Vertriebener.

O.Merendino--PV

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