Pallade Veneta - Russland: Chefredakteur der "Nowaja Gaseta" nach Festnahme wieder frei

Russland: Chefredakteur der "Nowaja Gaseta" nach Festnahme wieder frei


Russland: Chefredakteur der "Nowaja Gaseta" nach Festnahme wieder frei
Russland: Chefredakteur der "Nowaja Gaseta" nach Festnahme wieder frei / Foto: Igor IVANKO - AFP/Archiv

Der Chefredakteur der unabhängigen russischen "Nowaja Gaseta", Sergej Sokolow, ist am Donnerstag vorübergehend festgenommen worden. Sokolow sei nach der Durchsuchung seiner Wohnung abgeführt und zum Ermittlungskomitee in Moskau gebracht worden, teilte die Zeitung im Onlinedienst Telegram mit. Dort sei er als Zeuge vernommen worden und anschließend in die Redaktion zurückgekehrt.

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Die Vernehmung stand nach Angaben der "Nowaja Gaseta" im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen ihren Journalisten Oleg Roldugin. Die Redaktionsräume waren bereits im April durchsucht und Roldugin festgenommen worden. Mittlerweile steht er unter Hausarrest.

Dem für Korruptionsrecherchen über höchste russische Kreise bekannten Journalisten wird vorgeworfen, illegal Informationen mit personenbezogenen Daten gesammelt und verbreitet zu haben. Ihm drohen bis zu sechs Jahre Haft.

Die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen verurteilte Sokolows Festnahme. "Diese neue Offensive zielt darauf ab, eine der letzten Stimmen des unabhängigen Journalismus zum Schweigen zu bringen, die noch in Russland tätig sind", erklärte die Organisation. Sie forderte die russischen Behörden auf, die "juristische Schikane" der Redaktion und der beiden Journalisten zu beenden.

Nach Angaben von Reporter ohne Grenzen war Sokolow schon 2024 wegen "Diskreditierung der Streitkräfte" festgenommen worden. Wegen eines Artikels wurde er damals zu einer Geldstrafe verurteilt.

Die "Nowaja Gaseta" war viele Jahre Russlands führendes unabhängiges Medium. Wegen der Recherche und der kritischen Berichterstattung zur Menschenrechtslage in Russland stand die Zeitung stark unter Druck. Sechs ihrer Journalisten und Mitarbeiter wurden ermordet, darunter Anna Politkowskaja, die vor 20 Jahren in Moskau erschossen wurde.

Die Zeitung stellte die Produktion im Inland ein, nachdem Russland zu Beginn seiner Offensive gegen die Ukraine im Jahr 2022 die militärische Zensur eingeführt hatte. Im Internet gibt es sie aber weiter. Die russischen Behörden stufen die Zeitung als sogenannten ausländischen Agenten ein.

M.Jacobucci--PV

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