Pallade Veneta - Wenig Vorfreude, viel Kritik: Bundespolitik debattiert über WM in Katar

Wenig Vorfreude, viel Kritik: Bundespolitik debattiert über WM in Katar


Wenig Vorfreude, viel Kritik: Bundespolitik debattiert über WM in Katar
Wenig Vorfreude, viel Kritik: Bundespolitik debattiert über WM in Katar / Foto: David GANNON - AFP

Kurz vor dem Startschuss zur Fußball-WM diskutiert die Bundespolitik über eine angemessene Haltung zu dem Großereignis im Emirat Katar. CDU-Chef Friedrich Merz riet in den Funke-Zeitungen vom Freitag dazu, Sport und Politik auseinanderzuhalten - und die WM trotz aller Kritik am Gastgeber Katar zu verfolgen: "Die Spiele nicht anzuschauen, das würde dem Team von Hansi Flick nicht gerecht." Politiker von SPD, FDP und Linken riefen dazu auf, die WM für Kritik etwa an der Menschenrechtslage in Katar zu nutzen.

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Merz mahnte die deutschen Fans, sich an die Gesetze des Emirats zu halten. "Letztendlich sind die Fans zu Gast in Katar, und da muss das Recht des Gastgeberlandes eingehalten werden", sagte er. Von einem TV-Boykott halte er wenig - schließlich habe die deutsche Nationalmannschaft "nicht daran mitgewirkt, wo die WM stattfindet".

Der CDU-Chef sprach sich in dem Interview dafür aus, die WM vor allem als sportliches Ereignis zu betrachten: "Die WM ist ein Sportereignis und keine politische Demonstrationsveranstaltung", entgegnete Merz auf den Hinweis, dass Homosexualität in Katar unter Strafe steht.

Andere Politiker äußerten klar ihr Unbehagen mit dem Turnier in der arabischen Golfmonarchie. "Die Umstände des Austragungsorts trüben meine Freude auf dieses Sportereignis", erklärte Frank Schwabe, menschenrechtspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. "Wir müssen die Weltmeisterschaft in Katar nutzen, um die Verantwortung des Sports gegenüber den Menschenrechten offensiv zu betonen."

Der sportpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Philipp Hartewig, erklärte: "Katar steht zu Recht in der öffentlichen Kritik." Die Situation von Frauen, queeren Menschen und Arbeitsmigranten im Land sei "desaströs".

Sport-Experte André Hahn von der Linksfraktion äußerte Verständnis für Aufrufe, die TV-Ausstrahlungen der Spiele aus Katar zu boykottieren. Er schloss sich dem aber nicht an: "Ich bin für Dialog statt Boykott", erklärte er. Das Turnier lenke Aufmerksamkeit auf Missstände in Katar und könne so zur Besserung beitragen.

Kritik äußerte auch die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus. Sie verwies darauf, dass das Turnier ausgerechnet am Totensonntag eröffnet werde, einem protestantischen Gedenktag. "In diesem Jahr ertönt am stillen Feiertag der Anpfiff zur Fußballweltmeisterschaft in Katar - zur Unzeit, wie ich finde, und darum ungut", erklärte sie.

Weiterhin nicht klar war, ob deutsche Regierungsmitglieder zu dem Turnier nach Katar fliegen. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) ist nach Angaben ihres Ministeriums am Montag und Dienstag zu politischen Gesprächen in der Türkei - eine Weiterreise von dort zum ersten Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Katar sei denkbar.

Faeser habe immer betont, dass sie den Dialog mit der katarischen Regierung zu dortigen Reformen - insbesondere zur Verbesserung der Menschenrechtslage und zur Situation in der Wanderarbeiter - fortsetzen möchte, sagte ein Sprecher. "Wir sind optimistisch, dass dies möglich ist und die Reise in der nächsten Woche stattfinden kann."

Regierungssprecher Steffen Hebestreit sagte auf die Frage, ob für den Fall einer Finalteilnahme des deutschen Teams Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nach Katar reisen werde, er würde "es nicht ausschließen, dass es dazu kommt".

Die am Sonntag beginnende Fußball-Weltmeisterschaft der Männer ist die erste in einem arabischen Land. Katar steht seit Jahren wegen seines Umgangs mit ausländischen Arbeitskräften, mit Frauen und queeren Menschen in der Kritik. Nachdem Faeser die Vergabe der WM an das Land kritisiert hatte, gab es Ende Oktober diplomatische Verstimmungen. Katar bestellte deswegen den deutschen Botschafter ein.

N.Tartaglione--PV

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