Pallade Veneta - Fifa-Pläne für Teilverkauf von Fußball-WM sorgen für heftige Kritik

Fifa-Pläne für Teilverkauf von Fußball-WM sorgen für heftige Kritik


Fifa-Pläne für Teilverkauf von Fußball-WM sorgen für heftige Kritik
Fifa-Pläne für Teilverkauf von Fußball-WM sorgen für heftige Kritik / Foto: FRANCK FIFE - AFP

Die Pläne des Weltfußballverbandes Fifa für einen Verkauf von Anteilen an der Weltmeisterschaft an private Investoren sorgen international für heftige Kritik. "Viele im europäischen Fußball sehen die Pläne der Fifa als absoluten Angriff auf den Fußball an", sagte der Vizepräsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), Hans-Joachim Watzke, dem Magazin "Kicker" in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview. "Hände weg von unserem Spiel", warnte auch EU-Sportkommissar Glenn Micallef.

Textgröße ändern:

Der Weltfußballverband hatte am Dienstag erklärt, er wolle ein neues Unternehmen gründen, die Fifa Forward Enterprise (FFE), welches die Rechte an der Austragung von Fußballturnieren halten würde. Im Laufe dieses Jahres sollten dann 4,2 Milliarden Dollar (3,7 Milliarden Euro) durch die "sorgfältige Auswahl langfristiger Investoren" eingenommen werden.

Demnach sollen "Minderheitsbeteiligungen ohne Kontrollbefugnis" veräußert werden. Der Verband werde "die alleinige Kontrolle über die FFE" behalten und weiter über Wettbewerbe, Spielpläne, Regeln und sportliche Verfahren entscheiden, versicherte die Fifa.

Watzke, der auch Vizepräsident des europäischen Fußballverbands Uefa ist, sagte zu diesen Plänen: "Hier wurde eine Grenze überschritten." Kritik kam auch vom neuen britischen Premierminister Andy Burnham, der ein begeisterter Fußballfan ist. "Fußball gehört nicht den Investoren", erklärte er. "Er gehört den Menschen, die Woche für Woche bei Wind und Wetter die Tribünen füllen und an der Seitenlinie stehen."

Die Asiatische Fußballkonföderation erklärte, sie sei "enttäuscht" darüber, zu den Fifa-Plänen nicht konsultiert worden zu sein. Die Concacaf, der Dachverband des nord- und mittelamerikanischen Fußballs, zeigte sich "zutiefst besorgt über das Fehlen eines ordnungsgemäßen Verfahrens".

Die Fifa muss ihr Vorhaben noch vom 38-köpfigen Fifa-Rat und der Mehrheit der 211 Mitgliedsverbände genehmigen lassen. Sie wolle dem Rat die Pläne in Kürze vorlegen, kündigte sie an.

In einem Schreiben, aus dem die britische "Times" zitierte, warb Fifa-Chef Gianni Infantino mit Einnahmemöglichkeiten für die Verbände um deren Zustimmung: "Insgesamt wird im kommenden Zyklus, der am 1. Januar 2027 beginnt, jeder Mitgliedsverband gemäß diesem Vorschlag die Möglichkeit haben, bis zu 40 Millionen Dollar pro Mitgliedsverband in Anspruch zu nehmen."

Das wäre zwar nur ein Bruchteil des Gesamtbetrags, insbesondere für kleinere Mitgliedsverbände aber dennoch eine beträchtliche Summe. Die "Times", die am Dienstag als erste über das Vorhaben der Fifa berichtet hatte, schrieb, Gegner des Vorhabens hätten das Angebot als "reine Bestechung" bezeichnet.

Mögliche FFE-Investoren wurden bereits genannt, etwa Thrive Capital, eine Investmentgesellschaft von Joshua Kushner - er ist der Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump.

Ex-Fifa-Chef Sepp Blatter erklärte dazu: "Die enge Beziehung zwischen dem Fifa-Präsidenten und dem US-Präsidenten hat eine finanzielle Dimension angenommen, die dem Fußball erheblichen Schaden zufügt. Niemand hat das Recht, unseren Sport zu verkaufen."

Die enge Beziehung zwischen Infantino und Trump hatte bereits in den vergangenen Monaten und auch während der kürzlich zuende gegangenen Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko immer wieder für Empörung und Kritik gesorgt.

Im Dezember hatte Infantino dem US-Präsidenten einen eigens für diesen geschaffenen Fifa-Friedenspreis überreicht. Während der WM kam es dann zum Skandal, als die Fifa nach einem Anruf Trumps bei Infantino eine Spielsperre für den US-Stürmer Folarin Balogun aufhob. Die Fifa erklärte dazu später, die Entscheidung habe nichts mit Trump zu tun gehabt.

A.Saggese--PV

Empfohlen

"Fatales Zeichen": Neuendorf kritisiert FIFA-Pläne

DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat die Investorenpläne des Fußball-Weltverbands FIFA scharf kritisiert. Es sei "ein fatales Zeichen, die Fußball-WM für Investoren zu öffnen. Der Fußball lebt von der Akzeptanz der Gesellschaft, wir dürfen ihn nicht zum Spielball von Investoren machen", sagte Neuendorf in einem Interview mit der Sportschau und dem ZDF.

Bundesregierung reagiert zurückhaltend auf FIFA-Pläne

Die Bundesregierung hat zurückhaltend auf das Vorhaben des Weltverbandes FIFA reagiert, Anteile der Fußball-WM an private Investoren zu verkaufen. "Die Entscheidung über die Organisation und Vermarktung sportlicher Wettbewerbe liegt natürlich in der Verantwortung der Sportverbände. Da respektiert die Bundesregierung selbstverständlich auch die Autonomie des Sports und die Unabhängigkeit der Sportverbände, die wirklich ein hohes Gut sind", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer.

Bayern-Zugang Brown: Auf Rummenigges Spuren

Nathaniel Brown hielt stolz die Nummer 11 in die Kameras, die beim FC Bayern schon Stars wie Karl-Heinz-Rummenigge, Stefan Effenberg oder Champions-League-Finalheld Kingsley Coman getragen hatten. Und auch die salbungsvollen Worte von Max Eberl hörte der Münchner Neuzugang nur zu gerne.

"Zutiefst besorgt": Auch CONCACAF und AFC kritisieren FIFA

Nach der Europäischen Fußball-Union (UEFA) haben auch die Kontinentalverbände CONCACAF und AFC Kritik an den Plänen des Weltverbandes FIFA, Teil der Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen, geäußert. Insbesondere den aus ihrer Sicht intransparenten Prozess rückte die CONCACAF in den Fokus: "Wir sind zutiefst besorgt über das Fehlen eines ordnungsgemäßen Verfahrens", teilte der Verband für Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik gegenüber dem englischen Guardian mit.

Textgröße ändern: