Pallade Veneta - UNO: 1,5-Grad-Ziel wird zu 80 Prozent in kommenden Jahren zeitweise überschritten

UNO: 1,5-Grad-Ziel wird zu 80 Prozent in kommenden Jahren zeitweise überschritten


UNO: 1,5-Grad-Ziel wird zu 80 Prozent in kommenden Jahren zeitweise überschritten
UNO: 1,5-Grad-Ziel wird zu 80 Prozent in kommenden Jahren zeitweise überschritten / Foto: Charly TRIBALLEAU - AFP

Die UNO schlägt wegen des Zustands des Weltklimas Alarm. Der Mai 2024 sei der wärmste Mai seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen, sagte UN-Generalsekretär António Guterres am Mittwoch bei einer Rede zum Weltumwelttag in New York. Guterres fügte an, die weltweite durchschnittliche Jahrestemperatur werde nach Einschätzung der UNO bis 2028 mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit mindestens in einem der kommenden fünf Jahre zeitweise die 1,5-Grad-Marke überschreiten.

Textgröße ändern:

Guterres bezog sich in seinen Ausführungen, die er im Museum für Naturgeschichte in der US-Metropole hielt, auf neue Berichte der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und des EU-Erdbeobachtungsprogramm Copernicus. Guterres verglich den Einfluss der Menschen auf die Erderwärmung mit dem "Meteoriten, der die Dinosaurier ausgelöscht hat".

Die erneuten globalen Rekord-Durchschnittstemperaturen im Mai bedeuten, dass im zwölften Monat in Folge ein weltweiter Temperaturrekord verzeichnet worden ist. Nach Angaben von Copernicus war die weltweite Durchschnittstemperatur an Land und an den Meeresoberflächen im vergangenen Monat um 1,52 Grad Celsius höher als in einem durchschnittlichen Mai in den Jahren 1850 bis 1900. Damit sei der Mai der "elfte Monat in Folge seit Juli 2023, der "die Werte des vorindustriellen Zeitalters um 1,5 Grad oder mehr überschritten" habe.

Auf das 1,5-Grad-Ziel hatte sich die internationale Gemeinschaft im Pariser Klimaabkommen von 2015 geeinigt. Gemeint ist damit, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, möglichst aber auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Dabei gilt der Mittelwert in einem Zeitraum von mehreren Jahrzehnten. Angesichts der fortschreitenden Erderwärmung gerät dieses Ziel immer mehr außer Reichweite.

Im vergangenen Jahrzehnt (2014-2023) betrug der durchschnittliche Anstieg 1,19 Grad Celsius verglichen mit dem Zeitraum 1850 bis 1900, wie aus einer am Mittwoch in der Fachzeitschrift "Earth System Science Data" veröffentlichten Studie hervorgeht.

UN-Generalsekretär Guterres sagte, die weltweiten Treibhausgas-Emissionen müssten "bis 2030 um neun Prozent jährlich sinken", um das 1,5-Grad-Ziel nicht zu verfehlen. Der Ausstoß klimaschädlicher Substanzen in die Atmosphäre hängt vor allem mit dem Verfeuern fossiler Brennstoffe zusammen. Zwar hat sich die Weltgemeinschaft bei der UN-Klimakonferenz im vergangenen Dezember grundsätzlich darauf geeinigt, aus der Nutzung fossiler Brennstoffe auszusteigen - ein tatsächlicher Rückgang ist jedoch noch nicht in Sicht.

Guterres forderte in diesem Zusammenhang ein Werbeverbot für klimaschädliche Energieträger wie Kohle oder Diesel. "Viele Regierungen beschränken oder verbieten die Werbung für Produkte, die schädlich für die menschliche Gesundheit sind, wie etwa Tabak", sagte Guterres bei seiner Rede in New York. "Ich rufe jedes Land dazu auf, Werbung für Unternehmen der fossilen Energien zu verbieten."

Zudem bekräftigte Guterres seine Forderung, mit einer zusätzlichen Besteuerung der fossilen Industrie den Kampf gegen die Erderwärmung zu finanzieren. Auch eine "Solidaritätssteuer" für den Flug- und Schifffahrtssektor sei denkbar. Weitere Angaben hierzu machte Guterres nicht.

Guterres forderte, die Weltgemeinschaft dürfe sich angesichts der "fürchterlichen Konflikte" auf der Welt nicht von der "existenziellen Bedrohung für die Menschheit", die der Klimawandel sei, "ablenken lassen".

Guterres hielt seine Rede, während in Bonn wichtige Beratungen zur Vorbereitung der diesjährigen Weltklimakonferenz (COP29) im aserbaidschanischen Baku stattfinden. Bei der COP29 wird ein neues Abkommen zu finanzieller Unterstützung der reichsten Länder Welt für die restlichen Staaten angestrebt, um letztere beim Erreichen ihrer Klimaziele zu unterstützen.

F.M.Ferrentino--PV

Empfohlen

Barmer-Studie: Klimaangst bei Jugendlichen nimmt ab

Der Klimawandel scheint Jugendlichen in Deutschland einer Umfrage zufolge nicht mehr so starke Angst zu bereiten wie noch vor einigen Jahren. Nach am Montag veröffentlichten Daten der Sinus-Jugendstudie der Krankenkasse Barmer haben 31 Prozent der 14- bis 17-Jährigen große Angst vor dem Klimawandel - 2021 waren es noch 39 Prozent.

Kolumbien beschwört bei Konferenz zum Ausstieg aus fossilen Energien neue Allianzen

Anlässlich der ersten internationalen Konferenz zum Ausstieg aus den fossilen Energien hat das Gastgeberland Kolumbien zu neuen Allianzen aufgerufen. Länder, die Willens seien, den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen zu beschleunigen, stellten "eine neue Macht" dar, sagte die kolumbianische Umweltministerin Irene Vélez Torres der Nachrichtenagentur AFP. Sie äußerte sich kurz bevor Regierungsvertreter aus mehr als 50 Ländern ab Dienstag zu zweitägigen Gesprächen in der kolumbianischen Hafenstadt Santa Marta zusammenkommen.

Petersberger Klimadialog berät über Energiewende und Klimafinanzierung

Zum Petersberger Klimadialog werden ab Dienstagmorgen hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus mehr als 30 Staaten in Berlin erwartet. Die Beratungen dienen der Vorbereitung der nächsten UN-Klimakonferenz im November im türkischen Antalya, die von der Türkei in Zusammenarbeit mit Australien ausgerichtet wird. Am Mittwoch wird Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Rahmen des High-Level-Segments des Klimadialogs sprechen.

Petersberger Klimadialog: Verbände fordern von Merz Abkehr von Kohle, Öl und Gas

Umweltverbände fordern im Vorfeld des internationalen Petersberger Klimadialogs kommende Woche in Berlin ein klares Bekenntnis der Bundesregierung zum Abschied von Kohle, Öl und Gas. "Wir erwarten von Bundeskanzler Friedrich Merz, hier Akzente zu setzen", sagte Lutz Weischer von Germanwatch am Donnerstag in Berlin. Gerade die aktuelle Energiekrise aufgrund des Iran-Krieges zeige erneut, wie wichtig es sei, eine Unabhängigkeit von fossilen Energieimporten zu erreichen.

Textgröße ändern: