Pallade Veneta - Studie: Knapp jeder zehnte Erwerbstätige in Deutschland arbeitet "suchthaft"

Studie: Knapp jeder zehnte Erwerbstätige in Deutschland arbeitet "suchthaft"


Studie: Knapp jeder zehnte Erwerbstätige in Deutschland arbeitet "suchthaft"
Studie: Knapp jeder zehnte Erwerbstätige in Deutschland arbeitet "suchthaft" / Foto: Ina FASSBENDER - AFP

Lange Arbeitszeiten, viele Aufgaben gleichzeitig, schlechtes Gewissen im Urlaub: Knapp jeder zehnte Erwerbstätige in Deutschland zeigt laut einer Studie bei der Arbeit ein suchthaftes Verhalten. Insbesondere Führungskräfte und Selbstständige sind demnach betroffen, wie die Hans-Böckler-Stiftung am Mittwoch mitteilte. Auch die Unternehmensgröße und die betriebliche Mitbestimmung haben demnach Einfluss auf das Verhältnis der Beschäftigten zu ihrer Arbeit.

Textgröße ändern:

Das Forschungsteam des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und der TU Braunschweig führte für die Studie Interviews mit insgesamt 8000 Erwerbstätigen in den Jahren 2017 und 2018. Suchthaftes Arbeiten definierten die Forschenden entlang zweier Dimensionen: Betroffene arbeiteten exzessiv, also lange, schnell und an mehreren Aufgaben gleichzeitig. Der zweite Faktor war die Getriebenheit der Erwerbstätigen, gemeint war damit ein schlechtes Gewissen an freien Tagen, oder die Unfähigkeit, sich am Feierabend zu entspannen.

Laut der Studie arbeiteten zu dieser Zeit 9,8 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland suchthaft, weitere 33 Prozent arbeiteten exzessiv, aber nicht zwanghaft. Gut jeder zweite Erwerbstätige arbeitete hingegen "gelassen". Am häufigsten neigten demnach Erwerbstätige in den Bereichen Land-, Forst-, Tierwirtschaft und Gartenbau zu suchthaftem Arbeiten - der Anteil betrug hier 19 Prozent. Am niedrigsten war der Anteil der Arbeitssüchtigen in den Berufsbereichen Informatik, Naturwissenschaft und Geografie mit lediglich sechs Prozent.

"Insgesamt deutet die Studienlage darauf hin, dass die Verbreitung von suchthaftem Arbeiten unter den Erwerbstätigen - wenn überhaupt - nur schwache Unterschiede bezüglich soziodemografischer Merkmale aufweist", erklärten die Forschenden. So hatten beispielsweise Schulabschluss oder Familienstand keinen signifikanten Einfluss auf das Verhältnis zur Arbeit.

Insgesamt neigten Frauen mit 10,8 Prozent etwas häufiger zu suchthaftem Arbeiten als Männer mit neun Prozent. Deutlichere Unterschiede bestanden zwischen den Altersgruppen: Bei den 15- bis 24-Jährigen arbeiteten 12,6 Prozent suchthaft, bei den 55- bis 64-Jährigen waren es lediglich 7,9 Prozent.

Relevant war laut der Studie der Böckler-Stiftung auch die Position im Unternehmen. Zwischen suchthaftem Arbeiten und Führungsverantwortung bestehe "ein statistisch höchst signifikanter Zusammenhang", erklärten die Forschenden. So betrug die Quote bei Führungskräften 12,4 Prozent, bei anderen Beschäftigten lediglich 8,7 Prozent. Bei Führungskräften in besonders hohen Positionen stieg die Quote auf bis zu 16,6 Prozent. Auch Selbstständige zeigten mit einer Quote von 13,9 Prozent besonders häufig suchthaftes Verhalten bei der Arbeit.

Entscheidend für das Arbeitsverhalten der Erwerbstätigen waren laut der Studie zudem die Größe des Unternehmens und die Möglichkeiten der betrieblichen Mitbestimmung. So betrug die Quote in Betrieben mit weniger als zehn Angestellten 12,3 Prozent, bei über 250 Beschäftigten waren hingegen lediglich 8,3 Prozent der Belegschaft von suchthaftem Arbeitsverhalten betroffen.

Ähnlich fiel der Unterschied zwischen Betrieben mit und ohne Betriebsrat aus: Gab es einen Betriebsrat, so arbeiteten laut der Studie im Schnitt 8,7 Prozent der Mitarbeitenden suchthaft. Ohne Betriebsrat stieg die Quote der Betroffenen auf 11,9 Prozent. "Betriebsräte helfen, Grenzen zu ziehen und könnten Beschäftigte so vor Selbstausbeutung schützen", erläuterte die Hans-Böckler-Stiftung die Studienergebnisse.

L.Bufalini--PV

Empfohlen

Ab November "dauerhaft": Deutsche Bahn verlängert für Ferien eingeführtes Familienticket

Das zunächst nur für einen begrenzten Zeitraum im Sommer eingeführte Familienticket der Deutschen Bahn soll ab November dauerhaft angeboten werden. "Wir haben uns entschieden, das Familienticket, das wir zunächst zeitweise für die Sommerferien eingeführt hatten, dauerhaft ins Sortiment aufzunehmen", sagte Bahn-Chefin Evelyn Palla der "Bild am Sonntag". Eine Hin- und Rückfahrt für Familien kostet in dem Tarif 99,99 Euro inklusive ICE-Reservierung.

Nach Scheitern von Wohnungsgesetz in Spanien: Zehntausende demonstrieren für bezahlbaren Wohnraum

Nach dem Nein des spanischen Parlaments zu einem Regulierungspaket gegen die Wohnungsnot haben am Samstag erneut zehntausende Menschen im Land für bezahlbaren Wohnraum demonstriert. In Madrid zogen mehrere Demonstrationszüge durch das Stadtzentrum. Auf einem großen Transparent stand "Auf zum Generalstreik". Nach Behördenangaben beteiligten sich alleine in der Hauptstadt 70.000 Menschen an den Demonstrationen, die Organisatoren sprachen von 500.000.

Trump lobt Freigabe europäischer Ölreserven - Keine Drohung mit Diesel-Exportstopp mehr

US-Präsident Donald Trump hat die Entscheidung der europäischen G7-Staaten zur Freigabe der Ölreserven gelobt - seine Drohung mit einem Diesel-Exportstopp der USA zog er zurück. "Was Europa gemacht hat, war wirklich eine großartige Sache", sagte Trump am Freitag (Ortszeit) auf die Frage eines AFP-Journalisten. Ein Exportstopp habe auch nie "wirklich auf dem Tisch gelegen". In Deutschland kritisierten die Grünen die Freigabe als "politische Dummheit".

Grüne kritisieren Freigabe von Ölreserven als "politische Dummheit"

Die Grünen haben die Entscheidung der G7-Staaten zur Freigabe von Öl und Diesel aus ihren nationalen Reserven scharf kritisiert. "Die Freigabe ist ein Fehler, schlimmer noch: eine politische Dummheit", sagte der Grünen-Energiepolitiker Michael Kellner am Samstag der Nachrichtenagentur AFP in Berlin. "Die Reserven sind für echte Notfälle da und nicht für einen amerikanischen Präsidenten, dem im Wahlkampf die Felle davonschwimmen."

Textgröße ändern: