Pallade Veneta - Bundesregierung arbeitet an Konzept für Wohngemeinnützigkeit

Bundesregierung arbeitet an Konzept für Wohngemeinnützigkeit


Bundesregierung arbeitet an Konzept für Wohngemeinnützigkeit
Bundesregierung arbeitet an Konzept für Wohngemeinnützigkeit / Foto: Tobias SCHWARZ - AFP/Archiv

Angesichts drohender Mieterhöhungen will die Bundesregierung die geplante Wohngemeinnützigkeit bald anpacken. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesbauministerium, Sören Bartol (SPD), sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Dienstag, "wir haben mit der Arbeit am Konzept bereits begonnen". Derweil hält die Kritik am Wohnungskonzern Vonovia wegen der Pläne, Mieten künftig im Rahmen der Inflation zu erhöhen, an.

Textgröße ändern:

Die Ampel-Koalition hat mehrere Vorhaben zur Entlastung des Mietmarkts vereinbart, auch hier fordert der Bau-Staatssekretär eine rasche Umsetzung. "Die aktuelle Entwicklung macht auch deutlich, dass die Vorhaben des Koalitionsvertrags bei Mietpreisbremse und Kappungsgrenze dringend umgesetzt werden müssen", sagte Bartol den Zeitungen.

1990 wurde die Wohngemeinnützigkeit abgeschafft. Staatlich geförderte Wohnungen müssen deshalb nur für einen begrenzten Zeitraum - meist 25 bis 30 Jahre - zu niedrigen Mieten angeboten werden. Der Präsident des Deutschen Mieterbundes, Lukas Siebenkotten, sagte den Funke Zeitungen, eine Rückkehr zur Wohngemeinnützigkeit könne den "Irrweg" des Auslaufens der Sozialbindung beenden.

Für eine neue Wohngemeinnützigkeit spricht sich auch der evangelische Wohlfahrtsverband Diakonie in einem Positionspapier aus, aus dem die Funke Medien zitieren. "Die Vermietung von Wohnraum könnte ein Geschäftsfeld für die Freie Wohlfahrtspflege werden", heißt es demnach in dem Schreiben. Neben Menschen mit geringem Einkommen müsse eine neue Wohnungsgemeinnützigkeit auch gezielt Menschen mit körperlicher, geistiger und seelischer Hilfsbedürftigkeit berücksichtigen.

Siebenkotten forderte weitere Begrenzungswerkzeuge gegen Mietpreiserhöhungen. So müsse die Ampel-Koalition "endlich ihr angekündigtes Vorhaben, die Kappungsgrenze von 15 auf elf Prozent abzusenken, umsetzen". Die Kappungsgrenze im Rahmen der Mietpreisbremse sieht derzeit in Städten und Gemeinden mit besonders angespanntem Wohnungsmarkt vor, dass die Miete innerhalb von drei Jahren um nicht mehr als 15 Prozent steigen darf.

SPD, Grüne und FDP hatten sich im Koalitionsvertrag auf eine Absenkung auf elf Prozent verständigt. "Selbst damit wäre sie aber noch viel zu hoch", sagte Siebenkotten. Aus seiner Sicht sollte sie "maximal sechs Prozent in drei Jahren betragen".

Die Debatte über entlastende Instrumente für den Mietmarkt nahm durch Äußerungen von Vonovia-Chef Rolf Buch neu an Fahrt auf. Im "Handelsblatt" hatte Buch am Donnerstag angekündigt, wenn die Inflation dauerhaft bei vier Prozent liege, müssten "auch die Mieten künftig jährlich dementsprechend steigen".

Der Chef der Gewerkschaft IG Bau, Robert Feiger, warf Buch in den Funke Zeitungen eine "inflationäre Unverschämtheit" vor. SPD-Chef Lars Klingbeil nannte die Ankündigung "absolut unverantwortlich".

Auch von Lobbyisten der Hauseigentümer gab es Kritik an Vonovia. Kai Warnecke, Präsident der Eigentümergemeinschaft Haus & Grund, sagte dem "Handelsblatt", es gebe "keinen Automatismus", dass die Mieten bei höherer Inflation auf breiter Front steigen müssten.

Warnecke warnte aber auch vor einer Verschärfung des Mietrechts. "Wir haben eine unfassbar riesige Aufgabe vor uns, nämlich die energetische Modernisierung des Gebäudesektors." Diese sei sowohl technisch als auch finanziell kaum lösbar. "Wer jetzt mit einem Mietenstopp kommt, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt."

Innerhalb der Ampel-Koalition warnte FDP-Vize Wolfgang Kubicki die SPD im "Handelsblatt" vor "sozialistischen Maßnahmen" wie einer Verstaatlichung von Wohnungskonzernen. Kubicki forderte stattdessen eine "Stimulierung der Marktkräfte". Dazu regte der FDP-Politiker leichtere private Investitionsmöglichkeiten an, außerdem eine "großzügige" Ausweitung von Bauland, eine Reduzierung der Grunderwerbsteuer sowie eine "massive" Reduzierung der baurechtlichen Vorschriften.

O.Mucciarone--PV

Empfohlen

Ab November "dauerhaft": Deutsche Bahn verlängert für Ferien eingeführtes Familienticket

Das zunächst nur für einen begrenzten Zeitraum im Sommer eingeführte Familienticket der Deutschen Bahn soll ab November dauerhaft angeboten werden. "Wir haben uns entschieden, das Familienticket, das wir zunächst zeitweise für die Sommerferien eingeführt hatten, dauerhaft ins Sortiment aufzunehmen", sagte Bahn-Chefin Evelyn Palla der "Bild am Sonntag". Eine Hin- und Rückfahrt für Familien kostet in dem Tarif 99,99 Euro inklusive ICE-Reservierung.

Nach Scheitern von Wohnungsgesetz in Spanien: Zehntausende demonstrieren für bezahlbaren Wohnraum

Nach dem Nein des spanischen Parlaments zu einem Regulierungspaket gegen die Wohnungsnot haben am Samstag erneut zehntausende Menschen im Land für bezahlbaren Wohnraum demonstriert. In Madrid zogen mehrere Demonstrationszüge durch das Stadtzentrum. Auf einem großen Transparent stand "Auf zum Generalstreik". Nach Behördenangaben beteiligten sich alleine in der Hauptstadt 70.000 Menschen an den Demonstrationen, die Organisatoren sprachen von 500.000.

Trump lobt Freigabe europäischer Ölreserven - Keine Drohung mit Diesel-Exportstopp mehr

US-Präsident Donald Trump hat die Entscheidung der europäischen G7-Staaten zur Freigabe der Ölreserven gelobt - seine Drohung mit einem Diesel-Exportstopp der USA zog er zurück. "Was Europa gemacht hat, war wirklich eine großartige Sache", sagte Trump am Freitag (Ortszeit) auf die Frage eines AFP-Journalisten. Ein Exportstopp habe auch nie "wirklich auf dem Tisch gelegen". In Deutschland kritisierten die Grünen die Freigabe als "politische Dummheit".

Grüne kritisieren Freigabe von Ölreserven als "politische Dummheit"

Die Grünen haben die Entscheidung der G7-Staaten zur Freigabe von Öl und Diesel aus ihren nationalen Reserven scharf kritisiert. "Die Freigabe ist ein Fehler, schlimmer noch: eine politische Dummheit", sagte der Grünen-Energiepolitiker Michael Kellner am Samstag der Nachrichtenagentur AFP in Berlin. "Die Reserven sind für echte Notfälle da und nicht für einen amerikanischen Präsidenten, dem im Wahlkampf die Felle davonschwimmen."

Textgröße ändern: