Pallade Veneta - Von der Leyen kündigt Reaktion auf Trumps Zölle an - Tür für Verhandlungen offen

Von der Leyen kündigt Reaktion auf Trumps Zölle an - Tür für Verhandlungen offen


Von der Leyen kündigt Reaktion auf Trumps Zölle an - Tür für Verhandlungen offen
Von der Leyen kündigt Reaktion auf Trumps Zölle an - Tür für Verhandlungen offen / Foto: FREDERICK FLORIN - AFP

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat als Reaktion auf die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zölle Gegenmaßnahmen angekündigt - die Tür für Verhandlungen aber offengelassen. Es sei "noch nicht zu spät" für Verhandlungen, sagte von der Leyen am Donnerstag während eines Besuchs in der usbekischen Stadt Samarkand. Die Europäer seien aber "bereit zu reagieren". Aus mehreren EU-Hauptstädten und aus dem EU-Parlament kam scharfe Kritik an Trump.

Textgröße ändern:

Die EU-Mitgliedsstaaten arbeiteten bereits an einem "neuen Paket" von Gegenmaßnahmen, "um unsere Interessen und unsere Unternehmen zu schützen, falls die Verhandlungen scheitern", sagte von der Leyen. Die neuen EU-Maßnahmen könnten zusätzlich zu geplanten Gegenzöllen als Reaktion auf Trumps Aufschläge auf Stahl und Aluminium von Mitte März eingeführt werden.

Zugleich signalisierte die Kommissionschefin die anhaltende Bereitschaft zu weiteren Gesprächen mit der US-Regierung. "Es gibt einen alternativen Weg", von der Leyen. Sie verwies darauf, dass EU-Handelskommissar Maros Sefcovic "in ständigem Kontakt" mit seinem US-Kollegen Howard Lutnick stehe. "Wir werden uns bemühen, die Hindernisse zu verringern und nicht zu erhöhen."

Unklar ist, ob Washington auch auf die EU zugehen will. Handelskommissar Sefcovic hatte dies in den vergangenen Wochen öffentlich bezweifelt. Sie hoffe, dass die US-Regierung "wirklich an einer Zusammenarbeit mit der EU interessiert" sei, sagte von der Leyen. "Aber ich bin nicht zuversichtlich", fügte sie hinzu.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) begrüßte, dass die Kommission weiter auf Verhandlungen setzt. "Wir haben immer auf Verhandlungen gedrängt, nicht auf Konfrontation", betonte der Minister. "Aber wenn die USA keine Verhandlungslösung wollen, wird die EU eine ausgewogene, klare und entschlossene Antwort geben", fügte er hinzu. Dabei sei es "entscheidend, dass wir als EU geschlossen agieren".

Frankreichs Regierungssprecherin Sophie Primas schlug am Donnerstag schärfere Töne an. Die EU sei "bereit zu einem Handelskrieg", sagte sie in Paris. Frankreich rechne unter anderem mit EU-Maßnahmen gegen US-Digitalkonzerne. Das könnten etwa Strafen gegen US-Dienste wie Google, Apple und Meta wegen Verstößen gegen die europäischen Digitalgesetze und Wettbewerbsregeln sein, wegen denen in Brüssel bereits Verfahren laufen.

US-Präsident Trump hatte am Mittwoch neue Zölle für Handelspartner weltweit verhängt, sie sollen in den kommenden Tagen in Kraft treten. Importe aus der Europäischen Union werden demnach mit Aufschlägen von 20 Prozent belegt, solche aus China sogar mit einem Zoll von 34 Prozent. Als "Mindestsatz" für andere Länder nannte der US-Präsident zehn Prozent.

Von der Leyen sprach angesichts der Ankündigungen von einem "schweren Schlag für die Weltwirtschaft". Sie äußerte sich auf Englisch, Französisch und Deutsch in einer Videoansprache aus Usbekistan, wo sie diese Woche an einem Gipfeltreffen zwischen Vertretern der EU und Zentralasien teilnimmt.

Aus Sicht der EU-Kommissionchefin werden die neuen Zölle Verbrauchern in aller Welt schaden. "Das wird sofort spürbar sein. Millionen von Bürgern werden höhere Lebensmittelrechnungen haben. Medikamente werden teurer, ebenso wie Transportmittel. Die Inflation wird ansteigen", warnte sie.

Die EU werde "genau beobachten, welche indirekten Auswirkungen diese Zölle haben könnten", fügte von der Leyen hinzu. Die EU befürchtet Umleitungseffekte der US-Zölle, wegen denen etwa große Mengen billiger Waren aus China anstelle der USA in die EU importiert werden könnten. Das würde heimische Unternehmen unter Druck setzen. Die EU könnte mit weiteren Handelsbarrieren reagieren.

Auch Abgeordnete aus dem Europaparlament übten scharfe Kritik an Trumps Zöllen. "Diese Ankündigungen sind eine Vollkatastrophe", urteilte der CDU-Europaabgeordnete Daniel Caspary. "Wir erwarten, dass die EU-Kommission jetzt schnell, angemessen und in gleicher Höhe, aber intelligenter und in Einhaltung der Regeln der Welthandelsorganisation zurückschlägt."

"Diese ungerechtfertigten, illegalen und unverhältnismäßigen Maßnahmen können nur zu einer weiteren Eskalation und einer wirtschaftlichen Abwärtsspirale für die USA und die Welt insgesamt führen", erklärte auch der SPD-Europaabgeordnete Bernd Lange. Verhandlungen mit der US-Seite seien schwierig. "Es war nicht möglich, wirklich konstruktive Gespräche zu führen", kritisierte der SPD-Politiker.

P.Colombo--PV

Empfohlen

So viele Anträge wie nie bei der Schlichtungsstelle Reise & Verkehr

Bei der Schlichtungsstelle Reise & Verkehr sind im ersten Halbjahr so viele Beschwerden über Verspätungen und Ausfälle von Flug- und Bahnreisen eingegangen wie noch nie: In den sechs Monaten bis Ende Juni erreichten rund 29.000 Schlichtungsanträge die Stelle - das sei ein bisheriger Höchststand, teilte sie am Samstag mit. Vier von fünf Anträge auf Schlichtung betreffen Flüge.

Behörde: Mehrere Gewässer in Norditalien in "kritischem Zustand"

Mehrere Gewässer in Norditalien befinden sich der Behörde des Flusses Po (ADBPO) zufolge aufgrund einer Dürre in einem "kritischen Zustand". "Der Würgegriff der Dürre zieht sich in Norditalien weiter zu", erklärte die ADBPO, die Italiens längsten Fluss überwacht, am Freitag in einer Stellungnahme. Die Wettervorhersage verheiße für die kommenden Tage nichts Gutes, erklärte die Behörde weiter.

Von der Leyen: Technische Probleme mit EU-Grenzkontrollen werden gelöst

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat eingeräumt, dass es im Zusammenhang mit den neuen automatisierten Grenzkontrollen der EU "noch viel zu tun" gibt. "Wir arbeiten mit den Mitgliedstaaten daran, dass diese technischen Probleme gelöst werden", versicherte sie am Freitag bei einer Pressekonferenz im irischen Cork. Die Kontrollen führen seit Ende vergangenen Jahres an europäischen Flughäfen zu langen Warteschlangen.

Beschäftigte protestieren gegen Sparpläne bei Mercedes-Benz

Gegen den Sparkurs bei Mercedes-Benz haben am Freitag tausende Beschäftigte protestiert. An den Kundgebungen an mehreren Standorten des Autobauers nahmen nach Angaben der IG Metall mehr als 33.000 Beschäftigte teil, nach Angaben von Mercedes waren es circa 16.000. Die Gewerkschaft kündigte ähnliche Proteste auch bei anderen Autoherstellern und Zulieferern in den kommenden Wochen an - etwa bei Volkswagen.

Textgröße ändern: