Pallade Veneta - Politische Krise setzt Märkte in Frankreich unter Druck

Politische Krise setzt Märkte in Frankreich unter Druck


Politische Krise setzt Märkte in Frankreich unter Druck
Politische Krise setzt Märkte in Frankreich unter Druck / Foto: Stephane Mahe - POOL/AFP

Die Verschärfung der politischen Krise in Frankreich durch den überraschenden Rücktritt von Regierungschef Sébastien Lecornu hat an der Pariser Börse deutliche Kursverluste ausgelöst. Der Leitindex CAC 40 rutschte am Montagmorgen um mehr als zwei Prozent ab und notierte am Vormittag rund 1,5 Prozent im Minus. Zugleich verteuerten sich an den Anleihemärkten die Kreditkosten des Landes, was die ohnehin schwierige Finanzlage der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone weiter verschlechtern könnte.

Textgröße ändern:

Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen stieg am Montag kurzzeitig auf 3,61 Prozent, bevor sie auf 3,57 Prozent zurückging. "Sollte die 3,60-Prozent-Marke überschritten werden, könnten französische Staatsanleihen massiven Angriffen ausgesetzt sein, was die Märkte nervöser machen würde", erklärte Analyst Antoine Andreani von der Handelsplattform XTB France.

Zugleich stieg der sogenannte Spread zwischen französischen und deutschen Anleihen, der als wichtiger Indikator dafür gilt, wie Anleger das Kreditrisiko Frankreichs im Vergleich zu Deutschland sehen, am Montag auf den höchsten Stand seit neun Monaten. Lecornus Rücktritt habe "die politische Arena in Unsicherheit gestürzt", kommentierte Andreani. "Anleger befürchten einen Dominoeffekt auf die Wirtschafts- und Fiskalpolitik", fügte er hinzu.

Der Anstieg der staatlichen Kreditkosten schickte am Montag auch die Aktienkurse französischer Banken auf Talfahrt, da diese große Posten an französischen Staatsanleihen halten. BNP Paribas büßte gegen Mittag mehr als vier Prozent ein; Société Générale und Crédit Agricole verloren mit fast sechs Prozent und mehr als vier Prozent ebenfalls deutlich.

Hintergrund der politischen Krise in Frankreich ist der Streit um den Haushalt für das kommende Jahr, in dem angesichts des hohen Schuldenstandes massive Einschnitte bei öffentlichen Ausgaben bevorstehen. Staatspräsident Emmanuel Macron hatte Lecornu am 9. September ernannt. Er war bereits der fünfte Regierungschef seit Macrons Wiederwahl im Mai 2022.

Am Sonntagabend hatte Lecornu einen Teil der Nominierungen für seine Regierung bekanntgegeben, die demnach weitgehend aus denselben Politikern und Politikerinnen bestehen sollte, wie die vorherige. Mehrere Oppositionsparteien kritisierten die Personalien scharf, worauf Lecornu offenbar reagierte.

A.Saggese--PV

Empfohlen

Steinmeier vor Besuch in Frankreich: Internationale Entwicklung macht uns Sorge

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat vor seinem Abflug zu einem Staatsbesuch in Frankreich auf die "schwierigen Zeiten" verwiesen, in denen sich Europa befinde. "Die internationale Entwicklung macht uns Sorge", sagte Steinmeier am Mittwoch in Berlin. Nicht nur sei der Krieg nach Europa zurückgekehrt, auch seien die internationalen Handelsbeziehungen gestört und die Gesellschaften polarisiert. Dies betreffe Frankreich genauso wie Deutschland.

Trotz Handelshürden: Globalisierung erreicht laut Studie dank KI-Boom Rekordwert

Ungeachtet höherer Zölle und geopolitischer Konflikte ist der Welthandel einer Auswertung zufolge zuletzt gewachsen und dürfte auch in den kommenden Jahren weiter zulegen. Starken Schwung verleihe dem internationalen Handel das "globale Rennen um den Aufbau von Infrastruktur für Künstliche Intelligenz", teilten der Logistikriese DHL und die New Yorker Stern School of Business am Mittwoch mit. Die Globalisierung erreichte demnach bereits im vergangenen Jahr einen neuen Rekordwert.

Raffineriemargen von Shell erreichen Rekordhoch

Der britische Energieriese Shell profitiert derzeit von deutlich höheren Raffineriemargen. Im dritten Quartal wuchs die Spanne um 75 Prozent zum Vorquartal, wie Shell am Mittwoch mitteilte. Die Differenz zwischen dem Rohölpreis und den daraus in den Raffinerien gewonnenen Kraftstoffen stieg demnach auf 42 Dollar je Barrel (159 Liter); im zweiten Quartal hatte die Marge noch 24 Dollar betragen.

Tankrabatt kommt größtenteils bei Autofahrern an - Spritpreise deutlich gesunken

Der seit dem 1. Oktober geltende Tankrabatt kommt nach Einschätzung von Experten des Ifo-Instituts sowie des ADAC nicht komplett, aber größtenteils bei den Autofahrern an. "Beim Diesel haben die Tankstellen in den ersten fünf Tagen von den 17 Cent Steuersenkung je Liter durchschnittlich 15 Cent weitergegeben", erklärte Florian Neumeier, stellvertretender Leiter des Ifo-Zentrums für Finanzwissenschaft, am Mittwoch. Beim Superbenzin E5 seien es durchschnittlich gut 16 Cent und bei Super E10 15 Cent gewesen.

Textgröße ändern: