Pallade Veneta - Fußfesseln und Trainings: Regierung will Opfer häuslicher Gewalt besser schützen

Fußfesseln und Trainings: Regierung will Opfer häuslicher Gewalt besser schützen


Fußfesseln und Trainings: Regierung will Opfer häuslicher Gewalt besser schützen
Fußfesseln und Trainings: Regierung will Opfer häuslicher Gewalt besser schützen / Foto: Alberto PIZZOLI - AFP/Archiv

Mit der Verpflichtung zu elektronischen Fußfesseln und Anti-Gewalt-Trainings will die Bundesregierung Opfer von häuslicher Gewalt besser schützen - besonders Frauen. Auf Initiative von Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) beschloss das Kabinett am Mittwoch mehrere Änderungen des Gewaltschutzgesetzes, womit die Familiengerichte mehr Befugnisse erhalten. "Die elektronische Fußfessel kann Leben retten. Auch Anti-Gewalttrainings können Übergriffe verhindern", erklärte Hubig dazu.

Textgröße ändern:

Die Pläne sehen vor, dass Familiengerichte Gewalttäter künftig in Hochrisikofällen dazu verpflichten können, elektronische Fußfesseln zu tragen. Das am Bein angebrachte Gerät überwacht den Aufenthaltsort des Täters. Betroffene sollen zudem mit einem zweiten Gerät feststellen können, wenn sich der Täter ihnen unerlaubt nähert. Außerdem können Gewalttäter zur Teilnahme an Anti-Gewalt-Trainings oder Präventionsberatungen verpflichtet werden.

Verstöße gegen Gewaltschutzanordnungen, also wenn sich der Täter etwa nicht an den angeordneten Mindestabstand hält oder unerlaubt die Wohnung des Opfers betritt, sollen künftig schärfer geahndet werden - mit einem Höchstmaß von drei statt bisher zwei Jahren Haft. Außerdem sollen die Familiengerichte künftig Auskünfte aus dem Waffenregister einholen dürfen.

Die Zahl der Opfer häuslicher Gewalt in Deutschland hat nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) im vergangenen Jahr mit fast 266.000 erfassten Betroffenen einen neuen Höchststand erreicht. Im Vergleich zum Vorjahr war das ein Plus von rund vier Prozent. Häusliche Gewalt trifft vor allem Frauen: Fast 80 Prozent der erfassten Opfer von Partnerschaftsgewalt sind weiblich.

"Alle paar Minuten wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner angegriffen. Beinahe jeden zweiten Tag tötet ein Mann seine Partnerin oder Ex-Partnerin", betonte Hubig. Es müsse mehr getan werden, um diese Gewalt zurückzudrängen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte, die Kombination aus Fußfessel und Sender biete einen "deutlich erhöhten Schutz für Frauen" und sorge dafür, dass auch neue Freiräume entstehen. "Das schafft neue Sicherheit."

SPD-Fraktionsvize Sonja Eichwede mahnte mehr Tempo bei weiteren geplanten Maßnahmen an, um Frauen noch besser vor Gewalt schützen zu können. "Dazu gehören die Einführung eines Straftatbestands bei verbaler sexueller Gewalt, das Verbot von digitalem Voyeurismus und auch die Verschärfung des Umgangsrechts für gewalttätige Väter", erklärte sie gegenüber AFP. "Wir haben uns in der Koalition vorgenommen, uns gemeinsam für mehr Sicherheit und den Schutz von Frauen vor Gewalt einzusetzen. Dem müssen wir gerecht werden."

Der Deutsche Frauenrat, ein Dachverband von rund 60 frauenpolitischen Organisationen, begrüßte im Grundsatz die am Mittwoch vom Kabinett beschlossenen Verschärfungen, forderte aber weitere Maßnahmen. "Die Fußfessel kann in bestimmten Situationen Frauen zwar schützen, aber Polizei und Gerichte sind nicht ausreichend ausgestattet, Bedrohungslagen zuverlässig zu erkennen", erklärte Sylvia Haller vom Frauenrat. Wer geschlechtsspezifische Morde an Frauen verhindern wolle, "muss früher ansetzen und Frauenhausplätze finanzieren, Beratungsstellen stärken sowie Polizei und Justiz schulen".

Bei den vom Kabinett beschlossenen Änderungen des Gewaltschutzgesetzes ist nun der Bundestag am Zug. Die Zustimmung des Bundesrats ist hingegen nicht notwendig.

R.Zarlengo--PV

Empfohlen

Einsatz von Tränengasgranate: Polizist wegen Gewaltanwendung bei Schülerprotesten angeklagt

Weil er während der Schülerproteste in Frankreich aus nächster Nähe eine Tränengasgranate auf einen 14-Jährigen abgefeuert hat, ist ein Polizist wegen Gewaltanwendung angeklagt worden. Der Beamte sei nach dem Vorfall in Saint-Ouen-l'Aumône nordwestlich von Paris nicht in Untersuchungshaft genommen sondern unter richterliche Aufsicht gestellt worden, teilte ein örtlicher Staatsanwalt am Dienstag mit.

Verfahren gegen russische Kinderhospizleiterin eingestellt

Die russische Justiz hat ein Verfahren gegen die Leiterin eines Kinderhospizes eingestellt, der die Verbreitung von Falschinformationen über die russische Armee vorgeworfen worden war. Die Ermittlungen gegen Lida Moniawa seien "mangels strafrechtlich relevanter Tatbestände" beendet worden, sagte ihr Anwalt Michail Birjukow am Dienstag. Ihre Organisation bestätigte die Einstellung des Verfahrens und erklärte: "Es grenzt an ein Wunder!"

Souveräne KI: Französisches Unternehmen Mistral stellt neues Modell vor

Das auf Künstliche Intelligenz (KI) spezialisierte französische Startup Mistral hat die Einführung eines neuen Modells angekündigt, mit dem das Unternehmen im KI-Wettrennen Boden gutmachen will. Das neue Modell ML4 werde es Nutzern erlauben, die Parameter der KI anzupassen, teilte Mistral am Dienstag mit. Dies soll demnach nicht nur eine bessere Leistung ermöglichen - sondern auch mehr Sicherheit für Kunden, die ihre Daten privat halten wollen.

Internationaler Währungsfonds: Anhaltender Preisschock wegen Kriegen und Krisen

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht anhaltende Auswirkungen von Kriegen und Krisen weltweit auf das Preisniveau von Lebensmitteln und Energie. Die Preise für lebensnotwendige Güter seien im Vergleich zu anderen Gütern inzwischen seit Jahren deutlich erhöht, erklärte der IWF am Dienstag. Die Menschen seien "mit einer anhaltenden Verschlechterung der Erschwinglichkeit von Gütern des täglichen Bedarfs" konfrontiert.

Textgröße ändern: