Pallade Veneta - KfW fordert "Atempause" für deutsche Industrie - und sieht auch Zölle als Instrument

KfW fordert "Atempause" für deutsche Industrie - und sieht auch Zölle als Instrument


KfW fordert "Atempause" für deutsche Industrie - und sieht auch Zölle als Instrument
KfW fordert "Atempause" für deutsche Industrie - und sieht auch Zölle als Instrument / Foto: Ina FASSBENDER - AFP

Angesichts der derzeit schwachen Konjunktur sieht die staatliche KfW-Förderbank die Notwendigkeit, der deutschen Industrie eine "Atempause" zu verschaffen. Im Gegensatz zu früheren Anpassungsphasen gebe es derzeit "etliche geopolitische Faktoren, die die Abwärtsdynamik massiv verstärken", erklärte die KfW am Donnerstag. Deutschland müsse deshalb "alle Anstrengungen unternehmen, an den Stellschrauben zu drehen, die wir selbst kontrollieren können", erläuterte KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher. Teil des "wirtschaftspolitischen Werkzeugkastens" sollten dabei auch Zölle sein.

Textgröße ändern:

Der Gegenwind, dem sich die deutsche Industrie aktuell ausgesetzt sehe, basiere "auch stark auf staatlichen wirtschaftspolitischen Interventionen in anderen Ländern, allen zuvorderst, aber nicht alleine in China", erklärte die KfW. In einer Analyse von KfW Research heißt es, dass die rasanten Erfolge von Chinas Industrie auch auf "signifikanter staatlicher Unterstützung für chinesische Unternehmen" beruhten.

Um der chinesischen Konkurrenz standhalten zu können, sei es notwendig, die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen zu verbessern. "Es wird aber vermutlich auch notwendig sein, in besonders betroffenen Sektoren mit anderen staatlichen Maßnahmen, wie etwa Zöllen, für faire Wettbewerbsbedingungen, zumindest auf dem EU-Markt, zu sorgen", heißt es in der Studie.

Mit einem reinen "Laissez-faire", also einem Ansatz, demzufolge der Staat nicht in das wirtschaftliche Geschehen eingreift, gebe Deutschland hingegen "implizit den wirtschaftspolitischen Entscheidungen anderer Länder Gestaltungsmacht über die deutsche Industrie", erklärte die KfW. "Solange China an seiner merkantilistischen Politik festhält und die USA eine erratische America-First-Politik verfolgen, sollten Zölle Teil des wirtschaftspolitischen Werkzeugkastens sein", führte Chefvolkswirt Schumacher aus.

Zudem müsse Deutschland seine starken wirtschaftlichen Abhängigkeiten gegenüber einzelnen Ländern reduzieren, etwa mit Blick auf die Sicherstellung der Lieferketten für wichtige Rohstoffe. Auch Reformen vor dem Hintergrund hoher Arbeitskosten, überbordender Bürokratie und einer im internationalen Vergleich hohen Steuerlast der Unternehmen in Deutschland hält die Förderbank für nötig. Zudem leide die Bundesrepublik an "deutlich zu hohen Energiekosten und einer mangelnden Energieinfrastruktur". Vorerst könne deshalb eine staatliche Subventionierung der Energiepreise geboten sein.

In einer weiteren Studie sieht KfW Research zudem die Notwendigkeit, den Gründungsstandort Deutschland zu stärken. "Die regulatorischen und steuerlichen Rahmenbedingungen für Startups sollten in Deutschland so verbessert werden, dass innovative Unternehmen nicht ins Ausland abwandern", erklärte Schumacher.

O.Merendino--PV

Empfohlen

Spahn: Reformen in drei Stufen bis zum Sommer - "Aufschwung-Agenda" angekündigt

Die schwarz-rote Koalition in Berlin will ihre angekündigten Reformen nach den Worten von Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) in drei Stufen auf den Weg bringen. Erster Schritt seien die Vorschläge zur gesetzlichen Krankenversicherung am Montag, sagte Spahn der "Welt am Sonntag". Bis Ende April müssten dann die Eckpunkte für den Haushalt 2027 vorliegen. Dazu gehöre auch "eine Aufschwung-Agenda - mit Entlastungen bei Einkommensteuer, Sozialabgaben, Bürokratie und Energiekosten".

Verkehrsminister Schnieder: Zustand der Bahn geht in "demokratiegefährdende Richtung"

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat angesichts von Verspätungen und anhaltenden Sanierungsarbeiten bei der Deutschen Bahn vor einer Bedrohung für die Demokratie gewarnt. "Das geht schon in eine demokratiegefährdende Richtung", sagte der CDU-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstagsausgabe). "Wir dürfen nicht einreißen lassen, dass die Menschen glauben, der Staat bekommt Probleme wie marode Brücken oder notorisch verspätete Züge nicht in den Griff", erklärte Schnieder.

Schlangen an US-Flughäfen: Mittel für Mitarbeiter bleiben blockiert

Die langen Schlangen vor den Sicherheitskontrollen großer US-Flughäfen dürften vorerst bestehen bleiben: Im Kongress in Washington fiel am Freitag ein Vorschlag für ein Ende der Haushaltssperre des Heimatschutzministeriums durch. Zehntausende Sicherheitsmitarbeiter an Airports arbeiten derzeit ohne Bezahlung.

SPD sucht Profil: Entlastung bei Spritpreisen und Stärkung der Kommunen

Nach den jüngsten Wahlniederlagen will die SPD mit einem Fokus auf Wirtschaft und Arbeit, eine Stärkung der Kommunen sowie Entlastungen wegen der hohen Spritpreise an Profil gewinnen. Die Sozialdemokraten müssten sich "rauskämpfen aus einer sehr ernsten Situation", sagte SPD-Chef Lars Klingbeil am Freitag nach einem mehr als vierstündigen Krisentreffen mit SPD-Vertreterinnen und Vertretern aus Bund, Ländern und Gemeinden. Die SPD müsse dabei wieder "treibende Kraft" sein, "wenn es um Veränderungen geht".

Textgröße ändern: