Pallade Veneta - "Beleidigung für Verbraucher": Harsche Kritik an EU-Einigung zu Veggie-Produktnamen

"Beleidigung für Verbraucher": Harsche Kritik an EU-Einigung zu Veggie-Produktnamen


"Beleidigung für Verbraucher": Harsche Kritik an EU-Einigung zu Veggie-Produktnamen
"Beleidigung für Verbraucher": Harsche Kritik an EU-Einigung zu Veggie-Produktnamen / Foto: GEORG HOCHMUTH - APA/AFP

Nach einer EU-Einigung zur Bezeichnung von Veggie-Burgern und anderen pflanzlichen Fleischersatzprodukten haben Verbraucherorganisationen und Vegetarierverbände Einschränkungen für die Namensgebung kritisiert. "Veggie-Burger erlaubt, Veggie-Hühnchen verboten: Die 'Lösung' der EU für ein vermeintliches Problem, das in der Realität gar nicht existiert, schafft im Supermarkt nicht mehr Klarheit, sondern mehr Verwirrung - und macht Veggie-Produzenten unnötig das Leben schwer", erklärte der Geschäftsführer der Organisation Foodwatch, Chris Methmann, am Freitag.

Textgröße ändern:

Am Donnerstag hatten sich Vertreter aus dem Europaparlament und dem Rat der 27 EU-Länder auf eine Liste mit Bezeichnungen geeinigt, die künftig tierischen Produkten vorbehalten sein sollen. Darauf stehen nach Angaben der Europaabgeordneten spezifischere Bezeichnungen wie Rind- oder Schweinefleisch, Hühnchenschenkel oder Rinderhüfte. Diese Begriffe sollen für vegetarische Ersatzbegriffe künftig verboten werden, allgemeinere Bezeichnungen wie Burger und Schnitzel bleiben aber erstmal erlaubt.

Die französische Europaabgeordnete Céline Imart aus der konservativen EVP-Fraktion, der auch die CDU angehört, hatte ein weitreichenderes Verbot vorgeschlagen und wollte damit nach eigener Aussage die Interessen französischer Rinderbauern schützen. Sie vertritt zudem die Auffassung, im Supermarkt gebräuchliche Namen wie Veggie-Burger seien irreführend. Die deutsche Bundesregierung hatte ein solches Verbot abgelehnt, auch Verbraucherorganisationen sowie Lebensmittelkonzerne hatten sich dagegen ausgesprochen.

"Der Worst Case ist ausgeblieben", erklärte Nina Wolff vom Vegetarierverband ProVeg, der das Scheitern des umfassenden Bezeichnungsverbot als "Teilerfolg" wertete. Deutschlands Position sei "weitsichtig" gewesen, die Bundesrepublik habe aber nicht genug Mitgliedsstaaten dafür gewinnen könnten, fuhr Wolff fort. Sie verwies darauf, dass die Einschränkungen für die Bezeichnung auch für "noch nicht zugelassene Produkte aus kultiviertem Fleisch" gelten sollen. Das sende ein "fatales Signal".

Von einer "Beleidigung für Verbraucher" sprach Ivo Rzegotta von der Organisation Good Food Institute Europe (GFI). Die EU habe zugelassen, dass ein "aufstrebender Wirtschaftsbereich nachhaltig geschädigt wird". Der Organisation zufolge ist der deutsche Markt für Fleischalternativen mit einem Umsatz von rund 750 Millionen Euro pro Jahr "der größte in ganz Europa und weltweit ein Taktgeber für die Diversifizierung der Proteinversorgung". Jedoch dürfte der Bezeichnungsbeschluss "neue Barrieren für die junge Branche schaffen", erklärte GFI.

Kritik kam auch von Europaparlamentariern. "Warum wir diese Verbotsdebatte überhaupt führen, ist mir weiterhin schleierhaft", kritisierte die agrarpolitische Sprecherin der Europa-SPD, Maria Noichl. Mit dem gefundenen Kompromiss drohten nun "Auslegungskonflikte und mögliche rechtliche Auseinandersetzungen". Die niederländische Volt-Europaabgeordnete Anna Strolenberg erklärte, Europa sollte "innovative Unternehmer unterstützen und ihnen nicht neue Hindernisse in den Weg legen".

Der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese wies daraufhin, dass "die große Mehrheit" der CDU/CSU-Abgeordneten gegen den Vorschlag gestimmt habe. Nach seinen Angaben votierten die beiden rechten Fraktionen, darunter die ESN, der die deutsche AfD angehört, zu geschlossen für das Verbot. Zustimmung habe es aber aus allen Fraktionen gegeben.

Liese erklärte zwar mit Blick auf die Ablehnung eines Namensverbots etwa für Veggie-Burger, dass die "Vernunft" gesiegt habe, teilte aber mit: "Wir sollten die Verbraucher nicht für dumm verkaufen. Wenn auf einem Produkt vegetarisch oder vegan steht, dann weiß jeder halbwegs intelligente Mensch, dass es sich nicht um Fleischprodukte handelt."

E.Magrini--PV

Empfohlen

Apothekenpleiten auf höchstem Stand seit 2008 - Branche aber vergleichsweise stabil

Die Zahl der Apothekenpleiten hat einer Auswertung zufolge im vergangenen Jahr ihren höchsten Stand seit 2008 erreicht. 2025 seien 44 Apotheken insolvent gegangen, erklärte die Wirtschaftsauskunftei Crif am Montag. Lange sei die Zahl der Insolvenzen weitgehend stabil oder rückläufig geblieben, ab 2023 habe sich die Lage jedoch deutlich verändert: Damals verzeichnete die Branche 19 Insolvenzen, im Folgejahr 2024 waren es 40.

Abkommen mit Australien: Von der Leyen will Rohstoffe für Unternehmen sichern

Lithium, Kobalt, Tantal: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat europäischen Unternehmen eine bessere Versorgung mit Rohstoffen durch ein Handelsabkommen mit Australien versprochen. "Das Freihandelsabkommen trägt dazu bei, den Zugang zu diesen wichtigen Rohstoffen zu sichern", schrieb von der Leyen in einem am Montag veröffentlichten Gastbeitrag in mehreren europäischen Zeitungen. Sie könnte das Abkommen in den kommenden Tagen unterzeichnen.

Einzelhandel geht von 4900 Ladenschließungen in diesem Jahr aus

Der deutsche Einzelhandel rechnet in diesem Jahr mit 4900 Ladenschließungen. Die Zahl der Geschäfte sinkt einer Prognose des Handelsverband Deutschland (HDE) zufolge bis Ende 2026 auf 296.600, wie der Verband am Montag mitteilte. Vor zehn Jahren waren es demnach noch 366.800 Läden. "So kann und darf es nicht weitergehen", erklärte HDE-Präsident Alexander von Preen. Schon jetzt litten viele Stadtzentren sichtlich unter Leerständen.

Erntemenge und Anbaufläche von Spargel in Deutschland rückläufig

In Deutschland wird immer weniger Spargel angebaut und geerntet. Im vergangenen Jahr ging die Ernte im Vorjahresvergleich um 3,9 Prozent auf 103.900 Tonnen Spargel zurück, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Montag mitteilte. Im Vergleich zu 2015 betrug der Rückgang 8,5 Prozent. Die Anbaufläche reduzierte sich in den vergangenen zehn Jahren um 12,5 Prozent auf 25.700 Hektar.

Textgröße ändern: