Pallade Veneta - Klimafreundlicher Stahl: Deutsche Industrie könnte laut Studie international bestehen

Klimafreundlicher Stahl: Deutsche Industrie könnte laut Studie international bestehen


Klimafreundlicher Stahl: Deutsche Industrie könnte laut Studie international bestehen
Klimafreundlicher Stahl: Deutsche Industrie könnte laut Studie international bestehen / Foto: Ina FASSBENDER - AFP

Die deutsche Stahlindustrie könnte einer Studie zufolge mit einer umweltfreundlichen Produktion im internationalen Wettbewerb bestehen - wenn sie von geeigneten politischen Maßnahmen flankiert wird. Demnach ist die Herstellung von grünem Stahl zu auf dem Weltmarkt konkurrenzfähigen Preisen möglich, falls die Kosten für Strom und Wasserstoff gedeckelt werden. Außerdem müssten staatliche Aufträge laut der am Mittwoch veröffentlichten Untersuchung bevorzugt bei inländischen Produzenten landen.

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"Wirtschaftliche Resilienz für Deutschland und Europa setzt eine starke deutsche Stahlindustrie voraus, die zeitnah und breit auf klimafreundliche Produktion umstellt", schreiben die Autoren Tom Krebs und Patrick Kaczmarczyk von der Universität Mannheim in ihrer von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie. Die Branche liefere "unverzichtbare Inputs" unter anderem für die Bauwirtschaft, den Maschinenbau oder die Automobilindustrie, hoben die beiden Ökonomen hervor. Rund zwei Drittel aller Industriearbeitsplätze in Deutschland entfallen demnach auf stahlintensive Branchen.

Zugleich drohen der deutschen Wirtschaft den Ökonomen zufolge Wertschöpfungsverluste in Milliardenhöhe, falls ein "Stahlschock"-Szenario eintritt, bei dem geopolitische Konflikte oder Lieferkettenproblemen zu einer Drosselung der Exporte großer Erzeuger wie China nach Europa führen. "Genau wie bei Antibiotika, Chemikalien oder Computerchips gilt auch für den unverzichtbaren Werkstoff Stahl: Wer sich zu abhängig macht, dem drohen böse Überraschungen", erklärte die Direktorin der Forschungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung, Christina Schildmann.

Zur Unterstützung der deutschen Industrie bei der Herstellung von umweltfreundlichem Stahl ist laut der Studie ein garantierter Strompreis von 60 Euro pro Megawattstunde (MWh) bis 2035 für alle energieintensiven Unternehmen nötig - inklusive Netzentgelte und aller Umlagen; für grünen Wasserstoff sollen es demnach 140 Euro je MWh sein. Eine weitere Verringerung der Preise für Strom und Wasserstoff schlagen die Autoren zudem für diejenigen Unternehmen vor, die sich an Tarifverträge halten.

Grundsätzlich sind demnach der Industriestrom- und Wasserstoffpreis die entscheidenden Größen in der Rechnung für eine konkurrenzfähige Produktion. Die Personalkosten hätten hingegen keine nennenswerte Bedeutung - selbst Lohnerhöhungen um 20 Prozent für alle Beschäftigten würden die Kosten für eine Tonne Primärstahl demnach um lediglich acht Euro von 590 auf 598 Euro erhöhen.

Zum Vergleich: Der durchschnittliche Marktpreis für Flachstahl lag laut der Studie in den vergangenen drei Jahren bei etwa 640 Euro je Tonne. Auch bei Sekundärstahl, der aus Stahlschrott gewonnen wird, könnte die deutsche Industrie demnach mithalten - hier wäre der Untersuchung zufolge eine klimafreundliche Produktion zu etwa 464 Euro je Tonne möglich; der Referenzpreis wird mit rund 480 Euro je Tonne angegeben.

Darüber hinaus halten die Studienautoren weitere Maßnahmen für nötig. Dazu zählen eine an Standortzusagen der Unternehmen geknüpfte staatliche Förderung von Investitionen in klimaneutrale Produktion - und Schutzmechanismen gegen Stahl aus Ländern mit geringen Arbeits- und Umweltstandards. Auch Zölle könnten demnach in einer Übergangphase sinnvoll sein, "wenn Länder außerhalb der EU eine aggressive Industriepolitik mit massiven Subventionen betreiben".

Schließlich raten die Forscher, staatliche Aufträge zur Stimulierung der Nachfrage bevorzugt an inländische Produzenten zu vergeben. Auch öffentliche Beteiligungen an Stahlunternehmen sollten als industriepolitisches Instrument in Betracht gezogen werden.

M.Romero--PV

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