Pallade Veneta - Technischer Fehler legt Zugverkehr bundesweit stundenlang lahm

Technischer Fehler legt Zugverkehr bundesweit stundenlang lahm


Technischer Fehler legt Zugverkehr bundesweit stundenlang lahm
Technischer Fehler legt Zugverkehr bundesweit stundenlang lahm / Foto: John MACDOUGALL - AFP/Archiv

Mehrere Stunden lang fuhr in Deutschland in der Nacht zum Mittwoch kein Zug. Ein technischer Fehler bei einer geplanten Instandhaltungsarbeit habe das zentrale Funksystem für den Bahnverkehr lahmgelegt, sagte der Chef der Netzsparte der Deutschen Bahn, Philipp Nagl, am Mittwoch. Noch in der Nacht sei das Problem behoben worden, am Morgen war der Zugverkehr weitgehend wieder hergestellt. Besonders beim Güterverkehr waren die Auswirkungen allerdings noch zu spüren. An der Bahn wurde Kritik laut.

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90 Minuten habe es gedauert, den Fehler zu finden, sagte Nagl weiter. "Wir konnten dann mithilfe unseres voll redundanten Systems den Zugfunk auch unmittelbar wiederherstellen." Nach weiteren 30 Minuten seien dann die ersten Züge wieder losgefahren. Allein schon wegen des enormen Energiebedarfs beim Anfahren der Züge habe es dann aber noch gedauert, bis alles wieder lief.

Die bundesweite Störung führte vielerorts zu Chaos, viele Reisende saßen fest. Die Bahn kündigte in der Nacht an, Taxi- und Hotelgutscheine auszugeben. Zugbegleiter verteilten Wasser und Kekse. Eine Störung in diesem Ausmaß habe er in seiner 20-jährigen Laufbahn bei der Bahn nicht erlebt, sagte ein Bahn-Mitarbeiter in einem ICE von Berlin nach Frankfurt. "Dass es mal passiert", das komme vor - "aber nicht deutschlandweit".

Starke und vor allem längere Auswirkungen hat der Ausfall auf den Transport von Gütern. "Güterbahnen fahren vor allem nachts, darum sind sie besonders stark von der Störung betroffen", erklärte die Geschäftsführerin des Verbands Die Güterbahnen, Neele Wesseln, am Mittwochvormittag. "Seit Mitternacht rollen zwar vereinzelt wieder Züge. Circa die Hälfte unserer Güterzüge steht aber verteilt im Land und an den Grenzen noch immer still."

Laut Wesseln ist die Lage "extrem angespannt", da Güter-, Nah- und Fernverkehr gleichzeitig auf die Weiterfahrt warteten. "Es wird Tage dauern, diesen Logistikstau abzuarbeiten", fuhr sie fort. Von der Bahn erwarte der Verband nun "lückenlose Aufklärung".

Bei dem von der Störung betroffenen digitalen Bahnfunk GSMR handelt es sich um ein zentrales Kommunikationsmittel zwischen den Lokführern im Zug und den Fahrdienstleitern auf den Stellwerken. Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) kritisierte die Bahn: Dass "aufgrund einer technischen Störung zwei Stunden lang alle Züge in Deutschland stehen, das darf eigentlich nicht passieren", sagte er dem WDR.

Auch der Fahrgastverband Pro Bahn forderte Konsequenzen. "Wir erwarten von der Bahn, dass sie auch beim Zugfunk für mehr Resilienz sorgt", sagte Pro-Bahn-Chef Detlef Neuß der "Rheinischen Post". Es könne nicht sein, dass womöglich ein Update eine derart massive Störung auslöse.

"Diesen Vorfall jetzt im Detail aufzuklären, ist jetzt Sache der Bahn", sagte eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums. "Betroffen sind hier vor allem die betrieblichen Abläufe." Nagl versprach Besserung: "Wir werden jetzt noch die Ursache minutiös analysieren und auch sicherstellen, dass diese Form der Ursache nicht mehr vorkommen kann", sagte er.

Der Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG, Martin Burkert verwies im Sender NTV auf das "marode" Schienennetz: "Es wurde über Jahrzehnte zu wenig investiert und es trifft natürlich auch die Technik."

DB-Aufsichtsratschef Werner Gatzer bestätigte dem "Handelsblatt", dass die Störung Thema bei einer Sitzung des Gremiums am Mittwoch in Berlin sein werde. Bei dem Treffen will Palla ihre Strategie für die kommenden Jahre vorstellen. Sie steht seit vergangenem Herbst an der Spitze des Konzerns und hat weitreichende Umstrukturierungen angekündigt.

E.M.Filippelli--PV

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