Pallade Veneta - Rekordauftrag aus Kanada für deutschen U-Boot-Bauer TKMS

Rekordauftrag aus Kanada für deutschen U-Boot-Bauer TKMS


Rekordauftrag aus Kanada für deutschen U-Boot-Bauer TKMS
Rekordauftrag aus Kanada für deutschen U-Boot-Bauer TKMS / Foto: Gregor Fischer - AFP/Archiv

Für den Marineschiffbauer TKMS ist es der größte Einzelauftrag in der Unternehmensgeschichte: Kanada will seine neue U-Boot-Flotte von dem in Kiel ansässigen Hersteller bauen lassen und stärkt damit nach Angaben von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auch die transatlantische Zusammenarbeit. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sieht in dem Rekordauftrag eine "großartige Nachricht" für die gesamte maritime Wirtschaft in seinem Bundesland.

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Verkündet wurde das milliardenschwere Geschäft von Kanadas Premierminister Mark Carney. Er gab am Montag vor seinem Abflug zum Nato-Gipfel in der Türkei bekannt, dass TKMS als "bevorzugter Lieferant" für die geplante neue U-Boot-Flotte des Nato-Gründungsmitglieds ausgewählt worden sei. Carney sagte, Kanada werde nun exklusive Verhandlungen mit TKMS über die Beschaffung von bis zu zwölf U-Booten aufnehmen.

Konkret entschied sich Kanada nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums für die U-Boot-Klasse 212CD, die auf ein gemeinsames Beschaffungsprogramm der deutschen und der norwegischen Marine zurückgeht und auf TKMS-Werften in Kiel und Wismar gebaut wird. Angaben zum finanziellen Umfang des Geschäfts machte Carney mit Verweis auf die Vertraulichkeit der Verhandlungen nicht. Er sagte lediglich, dass es sich um "den größten Vertrag" im Verteidigungsbereich in der Geschichte Kanadas handele. Er werde auch der kanadischen Wirtschaft "dutzende Milliarden Dollar" bringen.

TKMS setzte sich damit gegen den südkoreanischen Konkurrenten Hanwha Ocean durch, der ebenfalls um den Auftrag gebuhlt hatte. Ausschlaggebend für die Wahl von TKMS als Lieferanten war dabei nach Experteneinschätzung insbesondere der Nato-Aspekt: TKMS habe wahrscheinlich von Anfang an "die Nase vorn" gehabt, weil Carney eine Partnerschaft mit einem europäischen Nato-Verbündeten angestrebt habe, sagte der Verteidigungsexperte Wesley Wark vom Centre for International Governance Innovation der Nachrichtenagentur AFP.

Bundeskanzler Merz betonte nach Bekanntgabe der kanadischen Entscheidung die Bedeutung für die "transatlantische und europäische Zusammenarbeit in der Verteidigungsindustrie". Außenminister Johann Wadephul (CDU) teilte mit, Kanada habe sich mit TKMS als bevorzugtem Hersteller "für die besten konventionellen U-Boote der Welt" entschieden. "Gemeinsam werden wir die weltweit größte und modernste konventionelle U-Boot-Flotte aufbauen", erklärte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), der im Mai in Kanada offensiv für den Kauf der U-Boote geworben hatte.

TKMS selbst sprach vom "Beginn eines neuen Kapitels in der Verteidigungszusammenarbeit zwischen drei engen Nato-Verbündeten". Dies sei "ein historischer Meilenstein für Kanada, Deutschland und Norwegen und der Beginn einer langfristigen strategischen Partnerschaft, die die Sicherheit, die industrielle Zusammenarbeit und die kollektive Verteidigung im gesamten Nordatlantik stärken wird". Das erste U-Boot solle "bis 2033 ausgeliefert werden".

Schleswig-Holsteins Regierungschef Günther hob am Dienstag hervor, dass der Großauftrag mit Blick auf die Menschen an den deutschen Küsten Sicherheit bedeute - "für Arbeitsplätze, für Ausbildungsplätze und für die Zukunft einer ganzen Region". Dass die Entscheidung kurz vor dem Nato-Gipfel in Ankara gefallen sei, mache ihre Bedeutung noch einmal größer, fügte er hinzu: "Ein enger Partner wie Kanada setzt in einer sicherheitspolitisch entscheidenden Zeit auf deutsche und europäische Zusammenarbeit." Das sei ein "starkes Signal".

In Ankara kommen am Dienstag die Staats- und Regierungschefs der Nato-Mitgliedstaaten zu einem zweitägigen Gipfel zusammen, bei dem es auch um die Verteidigungsfähigkeit des Bündnisses gehen soll. Der Gipfel findet vor dem Hintergrund von Spannungen in den transatlantischen Beziehungen statt. US-Präsident Donald Trump hatte die Verbündeten zuletzt erneut dafür kritisiert, nicht genug Geld für die Verteidigung auszugeben.

Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, sagte am Dienstag im ZDF-"Morgenmagazin", dass der U-Boot-Großauftrag für TKMS nicht nur "toll für die Werft und für die Werftarbeiter in Kiel und in Wismar" sei, sondern auch darüber hinaus Bedeutung habe. Trump wolle, dass die Europäer zusätzliches Geld für Verteidigung möglichst in den USA ausgeben, es müsse aber auch "in Kiel oder bei Firmen in Bayern oder in Frankreich oder in Spanien landen und nicht mehr nur in den USA", erläuterte er. "Mehr Resilienz" heiße auch "mehr Industrieproduktion für die Rüstung in Europa".

Die IG Metall Küste begrüßte, dass der Zuschlag für TKMS "langfristige Perspektiven für die Belegschaften" eröffne. Entscheidend sei nun, "dass die Wertschöpfung möglichst umfassend an den norddeutschen Standorten erfolgt und die Beschäftigten unmittelbar von der positiven Entwicklung profitieren", erklärte Bezirksleiter und TKMS-Aufsichtsrat Daniel Friedrich.

O.Mucciarone--PV

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