Pallade Veneta - Merz verteidigt Kurs vor Kabinettsklausur: "Wir lassen uns nicht beirren"

Merz verteidigt Kurs vor Kabinettsklausur: "Wir lassen uns nicht beirren"


Merz verteidigt Kurs vor Kabinettsklausur: "Wir lassen uns nicht beirren"
Merz verteidigt Kurs vor Kabinettsklausur: "Wir lassen uns nicht beirren" / Foto: RALF HIRSCHBERGER - AFP

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub Kritik an der Regierung zurückgewiesen und eine schnelle Umsetzung von Reformen und umfassende Entlastungen der Wirtschaft angekündigt. "Die Bundesregierung lässt sich nicht von ihrem Kurs abbringen, wir wissen, was richtig und gut ist für das Land. Da lassen wir uns nicht beirren", sagte er der "Bild am Sonntag". Es seien "historische Beschlüsse" gefasst worden, die schnellstmöglich umgesetzt werden müssten.

Textgröße ändern:

Kommende Woche findet eine Kabinettsklausur der Bundesregierung auf Schloss Neuhardenberg in Brandenburg statt. Bei dem Treffen am Dienstag und Mittwoch wollen der Kanzler und seine Ministerinnen und Minister ihre Pläne für die kommenden Monate festzurren. Zuletzt hatte die Kritik an Merz und seiner Regierung teils deutlich zugenommen - aus Wirtschaft, Opposition und den eigenen Reihen.

Die Bundesregierung sieht sich derzeit mit zahlreichen Reizthemen konfrontiert, die Wirtschaft steckt in einer tiefen Krise. Dazu kommt die Lage an der Umfragefront: Die AfD ist bundesweit aktuell weiter mit Abstand stärkste Kraft vor der Union. In einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Befragung des Instituts Forsa für die RTL und ntv lag sie bei 28 Prozent, während CDU und CSU auf 21 Prozent kamen.

Im September finden darüber hinaus Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin statt. In Sachsen-Anhalt, wo die CDU derzeit regiert, und in Mecklenburg-Vorpommern führt die AfD in Umfragen teils deutlich. In Sachsen-Anhalt rechnet sie sich Chancen aus, künftig zum ersten Mal überhaupt in einem Bundesland zu regieren.

Der Bereich Wirtschaftswachstum und Beschäftigung sei "das wichtigste Thema", sagte Merz mit Blick auf die Kabinettsklausur in der "Bild am Sonntag". In diesem Zusammenhang gelte "volle Konzentration darauf, die Augen auf dem Ball", fügte der Kanzler hinzu.

Bei den Gesetzgebungsverfahren für die vor der parlamentarischen Sommerpause beschlossenen Reformen forderte Merz Tempo. Es seien "historische Beschlüsse" gefasst worden, sagte er. "Jetzt müssen sie so schnell wie möglich umgesetzt werden. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das hinbekommen", sagte Merz. Es gehe um eine "schnelle und umfassende Entlastung für die Wirtschaft, gerade auch für Handwerk und Mittelstand". Er werde "das Team auf diese Aufgabe einschwören".

Bei der Kabinettsklausur in Neuhardenberg soll es unter anderem um die Sicherung von industrieller Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Arbeitsplätzen gehen. Daneben geht es um aktuelle Streitthemen wie dem Hitzeschutz, der für Irritationen innerhalb der Koalition sorgt. Die SPD-geführten Bundesministerien legten einen Aktionsplan vor, der die Aufnahme von Klimaschutz als sogenannte Gemeinschaftsaufgabe ins Grundgesetz vorsieht. Die Union kritisierte das als Aktionismus.

Merz kündigte derweil am Samstag bei einem Besuch im Waldbrandgebiet im nordrhein-westfälischen Hürtgenwald an, die Regierung werde "alles tun, um den Klimawandel zurückzudrängen". Deutschland müsse wegen des Klimawandels mit einer steigenden Zahl von Großschadenslagen rechnen, sagte er dort. Die Regierung werde bei ihre Klausur deshalb auch darüber reden, wie sich Deutschland "noch besser" auf Ereignisse wie schwere Waldbrände vorbereiten könne.

Das tagelange Feuer in Hürtgenwald war der bislang größte Waldbrand des Sommers in Deutschland, es brannte tagelang. Die Flammen lösten zwischenzeitlich auch die Evakuierung von rund 1800 Anwohnern aus.

In den vergangenen Wochen war Merz auch trotz Dürre mit Niedrigwasser in wichtigen Flüssen sowie einem Vorfall mit einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig nicht öffentlich aufgetreten. Die in Medien laut gewordene Kritik, Merz mache zu lange Urlaub, wies Vize-Regierungssprecher Sebastian Hille diese Woche zurück. "Ein Bundeskanzler ist nie im Urlaub", sagte der Sprecher. Merz stehe regelmäßig mit Kabinettsmitgliedern sowie anderen Staats- und Regierungschefs in Kontakt.

M.Romero--PV

Empfohlen

SPD-Präsidium verteidigt vor Kabinettsklausur Sondervermögen gegen Kritik

Vor der am Dienstag beginnenden Kabinettsklausur hat die SPD-Spitze in einem Präsidiumsbeschluss die aus ihrer Sicht positive Wirkung des 500-Milliarden-Euro Sondervermögens hervorgehoben. In dem Beschluss, der der "Rheinischen Post" (Montagsausgabe) vorliegt, heißt es, die Gegner des Sondervermögens beschwerten sich über die Schulden, die für Investitionen aufgenommen würden. "Das sind die gleichen Leute, die aus ideologischen Gründen jahrelang eine Sparpolitik zulasten unserer Infrastruktur und der Attraktivität unseres Wirtschaftsstandorts durchgesetzt haben."

Neuer britischer Premier Burnham unternimmt erste Auslandsreise am Montag nach Kiew

Der neue britische Premierminister Andy Burnham wird seine erste Auslandsreise seit Amtsantritt am Montag in die Ukraine unternehmen. Nach Angaben seines Büros will der Labour-Politiker dabei bekannt geben, dass seine Regierung zugestimmt habe, dass der europäische Rüstungskonzern MBDA geheime Informationen zu britischen Komponenten der Storm-Shadow-Marschflugkörper weitergeben darf. Die der Ukraine gelieferten Marschflugkörper werden in Frankreich Scalp genannt. Diese Entscheidung "wird es den Franzosen und den Ukrainern ermöglichen, die Montage dieses Flugkörpers in der Ukraine voranzutreiben", erklärte Downing Street.

Trumps Zölle und Kanadas Gegenzölle: Handelsstreit zwischen USA und Kanada eskaliert

Nach dem Scheitern tagelanger Verhandlungen eskaliert der Zollstreit zwischen den wirtschaftlich eng verflochtenen Nachbarn USA und Kanada: Nachdem in der Nacht zum Samstag neue US-Zölle auf kanadische Produkte in Kraft getreten waren, warf Kanadas Premierminister Mark Carney US-Präsident Donald Trump vor, einen Handelskrieg losgetreten zu haben. Carney kündigte Vergeltungszölle an, worauf Trump am Sonntag erbost reagierte. US-Verkehrsminister Sean Duffy bezeichnete das Verhalten der kanadischen Seite als "töricht".

Konzernchef Blume nennt Lage bei VW "mehr als kritisch"

Bei Volkswagen soll sich der Vorstand kommende Woche auf mehreren Betriebsversammlungen zu seinen Sparplänen äußern - Konzernchef Oliver Blume nannte die Lage bei Europas größtem Autohersteller vorab "mehr als kritisch". Der Konzern sei "überdimensioniert", sagte Blume in einem internen Interview. Eine konkrete Entscheidung zu Werksschließungen sei aber noch nicht getroffen. Ein Abbau von rund 50.000 Stellen weltweit bis 2030 sei "keine fixe Zielgröße".

Textgröße ändern: