Pallade Veneta - Datenschützer gehten wegen "Schattendatenbank" gegen Schufa vor

Datenschützer gehten wegen "Schattendatenbank" gegen Schufa vor


Datenschützer gehten wegen "Schattendatenbank" gegen Schufa vor
Datenschützer gehten wegen "Schattendatenbank" gegen Schufa vor / Foto: INA FASSBENDER - AFP/Archiv

Die österreichische Datenschutzorganisation Noyb will gerichtlich gegen die deutsche Auskunftei Schufa wegen der massenhaften Speicherung alter Verbraucherdaten vorgehen. "Die Schufa verarbeitet heimlich Daten, die laut eigenen Angaben längst gelöscht sein müssten und verdient damit letztlich Geld", erklärte der Noyb-Jurist Martin Baumann am Mittwoch. Die Schufa erklärte, sie halte sich an die Gesetze.

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NDR und "Süddeutsche Zeitung" hatten im Juli von einer "Schattendatenbank" der Schufa berichtet: Die Auskunftei speichert demnach langfristig Daten, von denen Verbraucher bisher annehmen konnten, dass sie längst gelöscht wurden, und verwertet sie. Dazu zählen mutmaßlich alte Kredite, Pfändungen, Privatinsolvenzen und Schulden, die die Betroffenen oft schon vor Jahren beglichen haben. Die Schufa berechnet aus diesen Daten unter anderem, wie gut neu entwickelte Scores funktionieren.

"Die Schattendatenbank der Schufa ist geradezu ein Musterfall für eine rechtswidrige Datenverarbeitung", erklärte Baumann. Das Unternehmen gebe in seiner eigenen Datenschutzerklärung an, die Daten zu löschen, nur verstehe es darunter offenbar etwas anderes: Die Daten würden nur ausgeblendet, hinter den Kulissen aber weiterhin verarbeitet.

Zudem verweigere die Schufa jegliche Auskunft darüber, kritisieren die Datenschützer. Kopien von weiterhin gespeicherten historischen Daten gebe sie nicht an Betroffene heraus. Noyb hat das Unternehmen nach eigenen Angaben nun abgemahnt und bereitet eine Unterlassungsklage vor. Zudem wurde eine Online-Interessenliste zur Vorbereitung einer Sammelklage auf Schadenersatz freigeschaltet.

Die Schufa lehnte die geforderte Löschung der Daten ab. "Die Verarbeitung historischer Daten entspricht gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen", erklärte sie am Mittwoch. Die von Noyb geforderte Löschung sei auch für Verbraucher und Wirtschaft schädlich, argumentierte das Unternehmen. Denn ohne die Daten könne die Schufa keine wissenschaftlich belastbaren Scores entwickeln. "Wir werden die Speicherung historischer Daten vor Gericht verteidigen - auch wenn wir erneut bis vor den Bundesgerichtshof gehen."

Die Schufa ist für viele Menschen so wichtig, weil sie die Kreditwürdigkeit einzelner Verbraucher anhand von gesammelten Daten bewertet. Auf dieser Grundlage können Unternehmen die Wahrscheinlichkeit einschätzen, ob jemand seine Rechnungen zahlt. Banken, Kreditvermittler, Onlinehändler oder beispielsweise auch Energieversorger nutzen die Schufa. Die Wirtschaftsauskunftei verfügt nach eigenen Angaben über Daten von mehr als 69 Millionen Menschen.

Noyb steht für None of your Business und wurde von dem Aktivisten Max Schrems gegründet. Schrems und seine Organisation sind vor allem wegen erfolgreicher Klagen gegen Abkommen der EU zum Datenaustausch mit den USA und weitere Prozesse gegen große US-Konzerne wie Meta bekannt.

Y.Destro--PV

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