Nach Trump-Deal: Erster Tanker mit russischem Diesel unterwegs nach New York
Im Rahmen des umstrittenen Diesel-Lieferabkommens zwischen den USA und Russland ist ein erster mit russischem Diesel beladener Tanker auf dem Weg nach New York. Der unter maltesischer Flagge fahrende Tanker "Agioi Fanendes" befand sich am Freitag vor der Küste Helsinkis und führte New York als Zielhafen, wie das Analyseunternehmen Kpler mitteilte. Die Ukraine meldete unterdessen weiter anhaltende Ausfälle des von den USA zur Verfügung gestellten militärischen Kommunikationssystems Starshield.
Der Öltanker hat dem auf Schifffahrtsdaten spezialisierten Dienstleister Kpler zufolge fast 300.000 Barrel Diesel am russischen Ölterminal Primorsk geladen. Demnach ist die Ankunft in den USA für den 7. November vorgesehen.
Der für Energie zuständige russische Vizeregierungschef Alexander Nowak hatte am Mittwoch die Abfuhr der ersten Ladung russischen Diesels in Richtung USA für den Folgetag angekündigt, wie russische Nachrichtenagenturen berichtet hatten.
Washington und Moskau hatten sich Anfang Oktober auf das umstrittene Dieselabkommen geeinigt. Das von US-Präsident Donald Trump vereinbarte Geschäft war durch Lockerungen der US-Sanktionen ermöglicht worden. Die Ukraine und ihre europäischen Verbündeten hatten es kritisiert.
Beobachter werten das Abkommen als Versuch Trumps, die Kraftstoffpreise für US-Verbraucher vor den Kongresswahlen in den USA am 3. November zu senken. Bei den sogenannten Midterms stehen Trumps Republikaner wegen der gestiegenen Lebenshaltungskosten und insbesondere der infolge des Iran-Kriegs hohen Spritpreise unter Druck.
Die Beziehungen zwischen den USA und der Ukraine haben sich seit dem Diesel-Deal deutlich verschlechtert. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj übte scharfe Kritik an der Vereinbarung, woraufhin Trump dessen Ablösung forderte.
Mit Blick auf das der Ukraine vom US-Unternehmen SpaceX zur Verfügung gestellte militärische Kommunikationssystems Starshield herrschte weiterhin Unsicherheit. Die Ukraine meldete am Freitag erneut Probleme bei der Nutzung des Dienstes - nachdem Trump zuvor verkündet hatte, dieser sei wieder hergestellt. "Auch heute Vormittag sind noch Fälle von Signalverlust zu beobachten", hieß es aus Kreisen des ukrainischen Verteidigungsministeriums.
Der Starlink-Dienst und die dazugehörige militärische Variante Starshield spielen eine wichtige Rolle bei der Kommunikation der ukrainischen Streitkräfte an der Front und ist auch für die Steuerung von Drohnen beziehungsweise deren Abwehr wichtig.
Die Führung in Kiew beklagt seit Tagen eine Drosselung des Systems. US-Medien hatten unter Berufung auf Regierungsmitarbeiter berichtet, der Tech-Milliardär und SpaceX-Chef Elon Musk habe eine Einschränkung des Dienstes angeordnet.
Musk hingegen erklärte, "alle Beschränkungen bei Geschwindigkeit oder Nutzung" des Starshield-Systems würden vom US-Militär und letztlich vom Präsidenten entschieden.
Am Donnerstag erklärte Trump dann, dass Starshield wieder "zurück" sei. "Ich möchte nichts dazu sagen, ob ich angerufen habe oder ob jemand anders angerufen hat - das macht keinen Unterschied", antwortete Trump auf Fragen von Journalisten, ob er mit Musk gesprochen habe. "Ich schätze, unterm Strich hat er es wieder eingeschaltet", sagte Trump.
Die USA haben die diplomatischen Bemühungen um eine Beendigung des fast fünf Jahre andauernden Kriegs wieder intensiviert: Der US-Sondergesandte Steve Witkoff hatte sich in St. Petersburg mit Kremlchef Wladimir Putin getroffen, nachdem er tags zuvor in Oslo mit Selenskyj zusammengekommen war. Witkoff überbrachte Putin nach eigenen Angaben "Ideen" für ein Ende des Konflikts. Der Kreml erklärte daraufhin, er sei "um den 10. November herum" zu neuen trilateralen Verhandlungen bereit - nach den Kongresswahlen in den USA.
Am Freitag kündigte Moskau nun direkte Verhandlungen zwischen russischen und ukrainischen Unterhändlern unter US-Vermittlung für November in den Vereinigten Arabischen Emiraten an. Die Gespräche seien "für die erste Novemberhälfte in Abu Dhabi geplant", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.
Kiew und Moskau tauschten am Freitag erneut je 270 Kriegsgefangene aus. "270 von unseren Landsleuten sind wieder zu Hause. Das ist ein sehr wichtiger Erfolg", erklärte Selenskyj in Onlinediensten. Er veröffentlichte Fotos, auf denen kahlgeschorene Männer mit ukrainischen Flaggen zu sehen sind. Russlands Verteidigungsministerium erklärte ebenfalls, dass "270 Soldaten zurückgegeben wurden".
Der Austausch von Gefangenen ist einer der wenigen Bereiche, in denen Russland und die Ukraine zusammenarbeiten. Seit Beginn der russischen Offensive im Februar 2022 wurden bereits tausende Gefangene zurückgegeben.
J.Lubrano--PV