Pallade Veneta - Gedenken an Ghetto-Aufstand: Steinmeier bittet um Vergebung für NS-Verbrechen

Gedenken an Ghetto-Aufstand: Steinmeier bittet um Vergebung für NS-Verbrechen


Gedenken an Ghetto-Aufstand: Steinmeier bittet um Vergebung für NS-Verbrechen
Gedenken an Ghetto-Aufstand: Steinmeier bittet um Vergebung für NS-Verbrechen / Foto: JANEK SKARZYNSKI - AFP

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat zum 80. Jahrestag des Aufstands im Warschauer Ghetto um Vergebung für die Verbrechen der deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg gebeten. "Die entsetzlichen Verbrechen, die Deutsche hier verübt haben, erfüllen mich mit tiefer Scham", sagte Steinmeier am Mittwoch bei einer Gedenkveranstaltung vor dem Denkmal der Helden des Ghettos in Warschau, an der auch der polnische Präsident Andrzej Duda und der israelische Staatschef Isaac Herzog teilnahmen.

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"Ich stehe heute vor Ihnen und bitte um Vergebung für die Verbrechen, die Deutsche hier begangen haben", sagte der Bundespräsident. Es erfülle ihn gleichzeitig "mit Dankbarkeit und mit Demut", dass er als erstes deutsches Staatsoberhaupt überhaupt an diesem Gedenken teilnehmen könne.

Seine Rede begann Steinmeier auf Jiddisch mit einem Zitat einer im Vernichtungslager Treblinka getöteten Ghetto-Bewohnerin: "Lebe wohl, jüdisches Volk. Lasst nie wieder eine solche Katastrophe zu."

"Deutsche haben das Menschheitsverbrechen der Shoah minutiös geplant und durchgeführt", sagte Steinmeier. "Deutsche haben Europas Jüdinnen und Juden, die Jüdinnen und Juden Warschaus mit unvorstellbarer Grausamkeit und Unmenschlichkeit verfolgt, versklavt, ermordet."

Steinmeier würdigte den "unvorstellbaren Mut" der jüdischen Kämpfer, die sich am 19. April 1943 in aussichtsloser Lage gegen die deutschen Truppen erhoben hatten. "Sie wollten ein Zeichen setzen: ihre Würde zu bewahren angesichts des sicheren Todes. Sie erhoben sich gegen brutales Unrecht, gegen Willkür, Terror, das Morden", sagte Steinmeier. Er verneige sich "in tiefer Trauer vor den Toten".

In dem Ghetto, in dem einst rund 450.000 Juden zusammengepfercht waren, lebten nach den Massen-Deportationen im Sommer 1942 nur noch rund 50.000 Menschen. Der Aufstand wurde brutal niedergeschlagen und das Ghetto niedergebrannt, nur wenige Menschen überlebten.

"Wir Deutsche wissen um unsere Verantwortung und wir wissen um den Auftrag, den die Überlebenden und die Toten uns hinterlassen haben", betonte Steinmeier. "Ich bekenne mich zu unserer Verantwortung für die Verbrechen der Vergangenheit und zu unserer Verantwortung für unsere gemeinsame Zukunft." Es dürfe keinen "Schlussstrich" geben.

"Wir müssen uns erinnern", sagte seinerseits der israelische Präsident Herzog. "Das absolut Böse existierte in der Form der Nazis und ihrer Komplizen. Und das absolut Gute existierte in der Form der Opfer und der Rebellen in jeder Nation."

Mit Blick auf Polen und Israel sprach Bundespräsident Steinmeier vom "Wunderwerk der Versöhnung". Die Menschen in beiden Ländern hätten den Deutschen trotz der Kriegsverbrechen, "trotz des Menschheitsverbrechens der Shoah" Versöhnung geschenkt. Die wichtigste Lehre aus der Geschichte laute: "Nie wieder!", sagte Steinmeier auf Deutsch, Polnisch und Hebräisch.

Der Bundespräsident verurteilte in diesem Zusammenhang Russlands "verbrecherischen Angriffskrieg" gegen die Ukraine und betonte: "Wir stehen fest an der Seite der Ukraine - gemeinsam mit Polen und anderen Bündnispartnern."

Das Ghetto-Ehrenmal ist seit dem Kniefall des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt im Dezember 1970 auch ein prägender Ort für die deutsch-polnische Aussöhnung. Steinmeier traf sich vor der Gedenkfeier mit Holocaust-Überlebenden.

Am Morgen hatten in Warschau zum Gedenken an den Aufstand die Sirenen geheult und Glocken geläutet. Freiwillige verteilten in ganz Polen 450.000 Narzissen aus Papier, in Erinnerung an die zwischenzeitliche Zahl der Bewohner des Ghettos. Die Papierblumen-Anstecker erinnern an den gelben Stern, den jüdische Bürger unter den Nazis tragen mussten.

A.dCosmo--PV

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