Pallade Veneta - Weg für neue EU-Kommission frei - Parlament billigt umstrittene Kommissare

Weg für neue EU-Kommission frei - Parlament billigt umstrittene Kommissare


Weg für neue EU-Kommission frei - Parlament billigt umstrittene Kommissare
Weg für neue EU-Kommission frei - Parlament billigt umstrittene Kommissare / Foto: Nicolas TUCAT - AFP/Archiv

Der Weg für die neue EU-Kommission unter Präsidentin Ursula von der Leyen ist frei: Nach wochenlanger Blockade bestätigten die zuständigen Abgeordneten im Europaparlament am Mittwochabend alle sieben Kommissarinnen und Kommissare, deren Nominierung zuletzt noch offen gewesen war. Wenn auch das Parlamentsplenum kommenden Mittwoch wie erwartet zustimmt, kann von der Leyens neues Team die Arbeit zum 1. Dezember aufnehmen.

Textgröße ändern:

Die deutsche Kommissionschefin selbst war bereits im Juli vom Parlament für eine zweite fünfjährige Amtszeit bestätigt worden. Im Europaparlament regte sich allerdings heftiger Widerstand im Mitte-Links-Lager, als sie den Italiener Raffaele Fitto von den postfaschistischen Fratelli d'Italia als einen ihrer Stellvertreter nominierte. Einen so hohen Posten hat bisher noch nie ein Rechtsaußenpolitiker in der Kommission innegehabt.

Nach wochenlangem Tauziehen einigten sich die drei großen Fraktionen der Europäischen Volkspartei (EVP) um CDU und CSU sowie der Sozialdemokraten und der Liberalen aber dann darauf, die Blockade zu beenden. Deshalb wurde Fitto nun bestätigt. Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni sprach anschließend von "einem Sieg für alle Italiener". Scharfe Kritik kam von Grünen-Politikern, die einen "schmutzigen Deal" sehen.

Unter den Sozialdemokraten war die Einigung umstritten. Der SPD-Abgeordnete René Repasi hatte ein Votum für Fitto "nicht akzeptabel" genannt. Fraktionschefin Iratxe García hingegen verteidigte ihren Kompromiss mit EVP-Chef Manfred Weber (CSU). "Diese Einigung löst eine Situation, die die Stabilität der Europäischen Union aufs Spiel gesetzt hat", begründete sie ihre Zustimmung.

Mit der Einigung rettete García auch die Nominierung ihrer Parteikollegin Teresa Ribera aus Spanien. Die bisherige Umweltministerin wird von den spanischen Konservativen für angebliches Behördenversagen bei den Überschwemmungen in der Region Valencia Ende Oktober verantwortlich gemacht, bei denen 227 Menschen ums Leben gekommen waren. Deshalb stockte ihre Bestätigung und die von weiteren Kommissarinnen und Kommissaren.

Bestätigt ist nun auch die neue EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas. Die frühere estnische Regierungschefin gilt als eine der entschiedensten Unterstützerinnen der Ukraine in der EU. Sie soll am 1. Dezember die Nachfolge des bisherigen Außenbeauftragten, des Spaniers Josep Borrell, antreten.

Zustimmung gab es auch für den Franzosen Stéphane Séjourné, der künftig die Industriepolitik verantworten soll. Der Vertraute von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron soll wie Kallas einer der Stellvertreter von der Leyens werden.

Auch die Nominierung des Ungarn Oliver Varhelyi für den Posten des Gesundheitskommissars wurde abgesegnet. Allerdings werden ihm "die Flügel gestutzt", wie die Liberalen in einer Erklärung betonten. Der Mitarbeiter des umstrittenen ungarischen Regierungschefs Viktor Orban hatte sich ausweichend zum Recht auf Abtreibung geäußert, dieses Ressort soll ihm nun genommen werden. Außerdem soll er die Zuständigkeit für den Fall einer neuen Pandemie an die Belgierin Hadja Lahbib abgeben.

Konservative, Sozialdemokraten und Liberale verständigten sich zudem auf einen Text über ihre künftige Zusammenarbeit, für den unter anderem der EVP-Vorsitzende Weber (CSU) verantwortlich zeichnet. Die Sozialdemokraten hatten von ihm eigentlich eine klare Absage an jegliche Zusammenarbeit mit Rechtsaußenparteien verlangt - insbesondere, nachdem die EVP-Abgeordneten in der vergangenen Woche gemeinsam mit den Rechtsaußen-Fraktionen für ein Aufweichen eines Gesetzes gegen Abholzung gestimmt hatten.

In dem zweiseitigen Dokument werden aber nur "Rechtsstaatlichkeit, eine pro-ukrainische Haltung und ein pro-europäischer Ansatz" genannt. Von der Leyen hatte deutlich gemacht, dass diese Kriterien nach ihrer Ansicht eine Kooperation mit Melonis Postfaschisten ermöglichen.

Am Mittwoch kommender Woche soll das Plenum des Europaparlaments in Straßburg die gesamte Kommission wählen. Von der Leyens neues Team kann dann pünktlich zum ersten Advent antreten.

G.Riotto--PV

Empfohlen

Regierung will bei Klimaschutz vorerst nicht nachsteuern - Kritik der Grünen

Die Bundesregierung sieht trotz des drohenden Verfehlens von Klimazielen für 2030 vor allem in den Bereichen Verkehr und Gebäude derzeit keinen Anlass, die von ihr vorgesehenen Klimaschutzmaßnahmen nachzuschärfen. Das geht aus einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen hervor, die der Nachrichtenagentur AFP am Freitag vorlag. Die Grünen kritisierten das scharf und warfen der Regierung vor, zentrale klimapolitische Instrumente sogar abzuschwächen.

Hitze und Niedrigwasser: Städte- und Gemeindebund fordert "nationalen Kraftakt"

Angesichts von Hitze und Niedrigwasser hat der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) einen "nationalen Kraftakt für die Wasserversorgung und die Klimaanpassung" in den Kommunen gefordert. "Bereits jetzt ist die Hälfte aller Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland von akutem oder strukturellem Grundwasserstress betroffen", sagte Präsident Ralph Spiegler der "Rheinischen Post" (Freitagsausgabe). Deutschland müsse Wasser daher "künftig als strategische Ressource begreifen".

Regierung und Opposition in Venezuela beginnen offiziellen Dialog - ohne Machado

Regierung und Opposition in Venezuela haben offiziell mit einem von den USA vermittelten Dialog begonnen - allerdings ohne Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado. Bei den Gesprächen solle es um die Stärkung der Demokratie und die Garantie politischer Rechte gehen, hieß es am Donnerstag beim Zusammentreffen beider Seiten. Zudem solle gemeinsam über das weitere Vorgehen nach dem schweren Doppel-Erdbeben gehen, bei dem Ende Juni mehr als 6000 Menschen getötet wurden.

USA wollen bei Visa-Anträgen offenbar Online-Aktivitäten noch stärker überprüfen

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump will bei der Visa-Vergabe die Überprüfung der Online-Aktivitäten von Antragstellern offenbar ausweiten. Die Überprüfung von Instagram-Konten und ähnlicher Netzwerke solle auf weitere Visa-Kategorien ausgedehnt werden, unter anderem auf ausländische Journalisten, berichtete "The Daily Signal". Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, teilte am Donnerstag auf ihrem X-Konto den entsprechenden Artikel - ohne ihn explizit zu bestätigen.

Textgröße ändern: